Man will „keine Ruhe geben“

Solarpark in „hochwertigem Biotop“? Stadt Weilheim gibt nicht auf

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Eine weitere Solarwiese - hier eine Anlage in Penzberg - hätte die Stadt Weilheim gern in Unterhausen. Doch eine Genehmigung dafür ist aktuell nicht in Sicht.
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Obwohl es sich bei der Wiese um ein hochwertiges Biotop handelt und keine Ausnahmegenehmigung in Sicht ist: Die Stadt Weilheim gibt das Vorhaben eines weiteren Solarparks an der Bahnlinie in Unterhausen noch nicht auf. Man wolle „keine Ruhe geben“, hieß es jetzt im Bauausschuss.

Weilheim – Es ist viel passiert, seit Anfang 2022 die Pläne bekannt wurden, eine schmale Wiese östlich der Bahngleise zwischen Unterhausen und Wielenbach zum dritten Solarpark auf Unterhausener Flur zu machen. Die Stadtwerke Weilheim wollten dort, direkt gegenüber einem bestehenden, privaten Solarfeld, 1500 Photovoltaik-Module errichten und so Strom für etwa 200 Haushalte erzeugen. Doch vor gut einem Jahr legte der Bund Naturschutz ein Gutachten vor, laut dem diese Wiese teils Biotop-Qualität hat. Das hat das Landesamt für Umwelt (LfU) nach einer eigenen fachlichen Untersuchung bestätigt – obwohl die Wiese noch vor dieser Untersuchung unter mysteriösen Umständen gegüllt worden war.

Fläche fürs Ökokonto?

Auf Nachfrage des Weilheimer Rathauses, so Bauverwaltungsleiter Manfred Stork in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung, bekräftigte nun auch das Sachgebiet Naturschutz am Landratsamt, „dass es sich um ein sehr hochwertiges Biotop handelt“. Und es werde keine Möglichkeit gesehen, für die Solarpläne eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Möglich sei indes, diese Fläche in das Ökokonto der Stadt aufzunehmen und eine Bewirtschaftung über das Vertragsnaturschutzprogramm gefördert zu bekommen.

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Damit wollen sich die Mitglieder des Stadtrats-Ausschusses aber nicht abfinden – auch wenn Stadtwerke-Chef Peter Müller gegenüber unserer Zeitung kürzlich schon erklärte, das Vorhaben nicht erzwingen und sich stattdessen auf andere Projekte konzentrieren zu wollen. Denn auf der Unterhausener Wiese wäre allenfalls noch eine sehr hoch aufgeständerte Anlage denkbar, die „optisch keinen Sinn macht“, wie er sagte.

„Stellungnahmen sind sehr schwammig“

Rupert Pentenrieder (BfW), Stadtratsreferent für Landwirtschaft und städtisches Grün, ist weiterhin überzeugt, dass dort „eine verträgliche Photovoltaik-Nutzung möglich wäre“. Dafür könnte man „besonders schützenswerte Teile eventuell auslassen“, sagte er jetzt im Bauausschuss. Die Stellungnahmen des Naturschutzes „sind für mich sehr schwammig“, so Pentenrieder weiter, „ich glaube nicht, dass es sich da um anderes Bodenmaterial handelt als bei der bestehenden Solarwiese gegenüber“. Deshalb solle man noch mal eine Vegetationsperiode abwarten, die fragliche Fläche danach „gemeinsam mit dem Naturschutz und allen Beteiligten besichtigen“ und erst dann entscheiden.

Noch einen Sommer abwarten

Genau dieses Vorgehen hat der Bauausschuss einstimmig beschlossen und eine Entscheidung über die Zukunft der Wiese damit vorerst vertagt. Zwar betonten Stork und auch Katharina Segerer, die Klimaschutzmanagerin der Stadt, dass auf keine Ausnahmegenehmigung zu hoffen sei. Denn – anders als bei den zusätzlichen Tennisplätzen, die nahe dem Narbonner Ring in einem Biotop genehmigt werden – bestünden hier Ausweichmöglichkeiten. Doch die Ausschussmitglieder wollen nicht aufgeben.

Alfred Honisch (Grüne) monierte, dass seitens des Landratsamtes unterschiedliche Stellungnahmen vorlägen und man somit „eigentlich keine Entscheidungsgrundlage“ habe. Klaus Gast (CSU) appellierte, sich nicht mit dem „Zuckerchen“ zufriedenzugeben, die Fläche ins Ökokonto aufnehmen zu dürfen: Die Stadt solle bezüglich einer Solarnutzung „nicht Ruhe geben“. Und Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Energiereferent des Stadtrates, forderte: „Ich möchte erklärt bekommen, was denn da kaputt ist, wenn ich in diese Wiese Photovoltaik-Module reinstecke.“

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