Leitfaden beschlossen

Stadt Weilheim will an die 50 Hektar Solarparks ausweisen

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Solarfelder werden immer mehr zum gewohnten Landschaftsbild – hier PV-Anlagen bei Wielenbach, die schon seit einigen Jahren bestehen.
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Mindestens 40 bis 50 Hektar Solarfelder sind nötig, damit Weilheims Strombedarf komplett regenerativ erzeugt werden kann. Diese Rechnung macht der Stadtrat auf. Ein Leitfaden der Stadt zeigt jetzt, was bei Errichtung der Solarparks zu beachten ist – und was nicht geht.

Weilheim – Bisher liefern auf Weilheimer Flur genau zwei Photovoltaik-Freiflächenanlagen Strom: Die eine, 2,2 Hektar groß, liegt am Trifthof-Anbinder im Süden der Stadt, die andere auf drei Hektar Fläche an der Bahnlinie bei Unterhausen. Zusammen beträgt ihre Leistung knapp 2,9 Megawatt-Peak. Für die Energiewende ist deutlich mehr nötig, meinen Fachleute. Und tatsächlich laufen für sieben weitere Solarfelder in Weilheim bereits die Planungsverfahren (wir berichteten): Um fast 2,5 Hektar wird die bestehende Anlage zwischen Trifthof-Anbinder und Jörg-Ganghofer-Straße erweitert, ähnlich groß wird die Anlage auf dem einstigen Erdbeerfeld am Südrand Weilheims. Ein kleines Solarfeld entsteht an der Altvaterstraße in der Lichtenau, gleich vier Stück mit insgesamt neun Hektar Fläche sind aktuell im Osten der Stadt vorgesehen.

Klimaschutzmanagerin: Jährlich vier Hektar für Solarfelder nötig

Darüber hinaus gab es bereits Anfragen für weitere, größere Anlagen in der Lichtenau. Aber all das reicht längst nicht aus, um das Ziel der Stadt zu erreichen, Weilheims Gesamtstrombedarf bis 2035 aus regenerativen Quellen zu decken. Ohne nennenswerte Steigerung bei PV-Anlagen auf Dächern ist das nach Berechnung von Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer nur zu schaffen, wenn bis 2035 jährlich vier Hektar PV-Freifläche hinzukommen.

Solarfelder gut für die Biodiversität?

Was bei der Planung und Umsetzung von Solarparks zu beachten ist, das fasst ein Leitfaden zusammen, der im Rathaus über viele Sitzungen erarbeitet und am Montag nun vom Bauausschuss des Stadtrates beschlossen wurde. Ziel sei es, „die Energiewende naturverträglich zu gestalten und die Weilheimer Bevölkerung so gut wie möglich einzubinden“, heißt es darin. Freiflächen-Anlagen könnten, über den Beitrag zur Energiewende und zur Versorgungssicherheit hinaus, auch „positive Effekte für die Biodiversität“ bringen. Doch gelte es viele unterschiedliche Interessen zu beachten: „Ein hoher Siedlungsdruck als auch der Flächenbedarf durch die Landwirtschaft müssen bei der Identifizierung geeigneter Flächen berücksichtigt werden.“

„Die Flächenkonkurrenz ist groß“

„Die Flächenkonkurrenz ist groß“, sagte Segerer im Bauausschuss: Um Weilheim liegen zahlreiche Schutzgebiete, in denen Solaranlagen teils gar nicht, teils nur per Befreiung möglich sind – wenn keine Beeinträchtigung zu befürchten ist. Im Weilheimer Moos sind dafür allenfalls Flächen denkbar, die bisher schon landwirtschaftlich oder gewerblich genutzt werden – und nur „in Verbindung mit einer dauerhaften Wiedervernässung der Fläche“ und wenn eine zusätzliche Bodenverdichtung verhindert wird. Für den Bereich der Lichtenau heißt es in dem Leitfaden explizit, dass vorhandene Entwässerungssysteme nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Solarparks: Stadt legt Wert auf Eingrünung und Bürgerbeteiligung

Generell legt die Stadt Wert auf „eine angepasste Randeingrünung sowie eine naturschutzfachliche Aufwertung“ der Solarfelder, etwa durch Beweidung, Verwendung von autochthonem Saatgut und Ausgleichsmaßnahmen wie Steinriegel oder Tümpel. „Wünschenswert“ sei eine Bürgerbeteiligung mit transparenter Information schon in der Vorplanung, Einbindung von Naturschutzverbänden, Infotafeln und Führungen – oder auch mit Möglichkeiten für Bürger, sich finanziell zu beteiligen.

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Wo genau weitere Solarparks entstehen könnten, das sagt der Leitfaden nicht. Man könne da „keine strikten Vorgaben machen“, befand Rupert Pentenrieder (BfW), der Stadtratsreferent für Landwirtschaft, zumal alles von Eigentumsverhältnissen und Einspeisepunkten abhänge. Ihm zufolge braucht Weilheim noch 40 Hektar Solarfelder, am besten „kleinere Anlagen ums Stadtgebiet verteilt“. Agri-PV-Anlagen, die mit vertikalen Solarmodulen eine echte Agrarnutzung ermöglichen, rechnen sich allerdings erst ab fünf Hektar Fläche, erklärte Gerd Ratter (ÖDP).

Keine Deckelung für Gesamtfläche von Solarparks in Weilheim

Franz Andrä (CSU) fehlt in dem Papier indes eine Aussage zu Maximalgrößen von Anlagen. Das sei Sache der Bauleitplanung, antwortete Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Der Leitfaden ist eine Orientierungshilfe, das Letztendliche regelt der Bebauungsplan.“ Wichtig sei, den Leitfaden bei Bedarf fortzuschreiben, betonte Grünen-Vertreter Alfred Honisch, insgesamt sei die Stadt damit „auf dem richtigen Weg“.

Der Bauausschuss hat den „Leitfaden für die Planung und Umsetzung von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen“ einstimmig beschlossen. Bewusst verzichtet wird darin übrigens auf eine Deckelung der Gesamtfläche für Solarparks. Angesichts des Bedarfs und weil vor Ort Alternativen zu regenerativer Stromerzeugung im großen Stil fehlten, sei man „momentan noch weit davon entfernt, das tun zu können“, so Klimaschutzmanagerin Segerer.

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