VonMagnus Reitingerschließen
21 Jahre hat Claus Reindl Weilheims Lokalpolitik mitgeprägt, nun zog er sich aus dem Stadtrat zurück. Denn das Mandat sei „immer mehr zu einer nervlichen Belastung geworden“. Vom Rückblick auf seine Stadtratszeit war der 65-Jährige bei der Verabschiedung sogar selber überrascht.
Weilheim – Glanzvolle Auftritte hat Claus Reindl in seiner Stadtratszeit nie gesucht. Statt große Reden zu schwingen, arbeitete er sich lieber tief in Themen ein und stellte wohlbegründete Anträge. Dabei ging es ihm stets um die Sache, nie um die Show oder gar um sich selbst. Genau so war nun auch Reindls letzter Auftritt im Weilheimer Stadtrat. Leise verabschiedete sich der 65-Jährige am Donnerstagabend von seinen Kollegen – und fand doch deutliche Worte. Man spreche bei solchen Gelegenheiten ja oft von „einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Reindl. „Aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ein weinendes Auge hab’ ich nicht. Es überwiegt, dass ich von den Belastungen, die die Stadtratsarbeit mit sich bringt, jetzt befreit bin.“
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Weilheims Bürgermeister moniert „die oft unsachliche Kritik, der man ständig ausgesetzt ist“
Die Beweggründe seines Rückzugs, so Reindl weiter, habe Bürgermeister Markus Loth – beide sind Männer der ersten Stunde bei den „Bürgern für Weilheim“ (BfW) –treffend beschrieben. Er selbst wolle da „nicht weiter ins Detail gehen“. Loth hatte in seiner Rede zur Verabschiedung auf die hohe zeitliche Beanspruchung verwiesen, die das Ehrenamt als Stadtratsmitglied bedeute. Doch „schwerer wiegen die Angriffe, die oft unsachliche Kritik, der man ständig ausgesetzt ist“, so der Rathaus-Chef weiter: „Alles zusammen kostet mit zunehmender Dauer des Amtes Kraft, sodass man irgendwann nicht mehr die Gelassenheit und Motivation hat, weiter zu machen.“ Deshalb ziehe Reindl nun einen Schlussstrich unter seine langjährige Tätigkeit.
„Wegweisende Entscheidungen“ als Verkehrsreferent
Freilich habe Reindl gewiss „auch schöne und gute Erlebnisse“ in seiner Stadtratszeit gehabt, so Loth weiter. Insbesondere als Verkehrsreferent (von 2002 bis 2020) habe sich der passionierte Radfahrer „mit Sachkunde sowie täglichen persönlichen Erlebnissen im Weilheimer Stadtverkehr“ einbringen können und einige „wegweisende Entscheidungen“ wie die Einrichtung von Fahrradstraßen angestoßen. Zwölf Jahre lang war der Zahnarzt und Familienvater zudem Ortsreferent für Unterhausen und seit 2020 Referent für städtische Liegenschaften im Innenbereich.
Reindl war auch Vorsitzender der BfW-Fraktion im Stadtrat Weilheim
Zudem wirkte Reindl unter anderem im Bauausschuss, im Klimaausschuss und im Konzessionierungsausschuss des Stadtrates, in der Verbandsversammlung des Tourismusverbandes Pfaffenwinkel, in der Kommission Radwegnetzplanung, im Arbeitskreis Leitbild/Weilheimer Agenda 21 und im Festkomitee zur 1000-Jahr-Feier der urkundlichen Erwähnung von Weilheim und Polling. Vier Jahre lang war er Vorsitzender, zehn Jahre lang Vize der BfW-Fraktion im Stadtrat.
Als Dank die Große Silbermünze der Stadt - und eine Fahrradklingel
Als Dank für seine Tätigkeit überreichte Loth eine Urkunde, die Große Silbermünze der Stadt, Pralinen und eine Sektflasche mit Fahrradklingel an Claus Reindl, dazu Blumen für Ehefrau Brigitte. Er habe manche der Tätigkeiten gar nicht mehr präsent gehabt, kommentierte Reindl selbst die lange Aufzählung des Bürgermeisters: „Aber es war eben eine lange Zeit.“ Sprach’s und verließ erleichtert den aufgeheizten Sitzungssaal an diesem schwülen Sommerabend: „Auf meiner Terrasse ist es heute gemütlicher.“
Florian Lechner ist der Nachfolger von Claus Reindl im Stadtrat
Reindls BfW-Mandat hatte in dieser Sitzung bereits Florian Lechner übernommen, der zu Beginn vereidigt worden war – zum zweiten Mal binnen neun Jahren, denn der Architekt und zweifache Vater gehörte dem Stadtrat bereits von 2014 bis 2020 an. Lechner – bekannt unter anderem für sein langjähriges Engagement im Verschönerungsverein sowie bei „Lichtkunst Weilheim“ – fungiert im Stadtrat künftig als Referent für Veranstaltungen und sitzt für die BfW im Klimaausschuss. Das Referat für städtische Liegenschaften im Innenbereich und den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der BfW übernimmt Hubert Schwaiger. Im Verwaltungsrat der Stadtwerke rückt Rupert Pentenrieder seitens der BfW für Reindl nach.
