Hoteliers melden sich zu Wort

Tourismus in Bad Tölz seit dem Aus fürs Alpamare: Im Badeteil blüht nicht nur der Frust

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Stolz auf den Umbau: Hotelier Jürgen Ostermann hat soeben 1,4 Millionen Euro in den „Alpenhof“ und damit in die Zukunft des Tourismus’ in Bad Tölz investiert.
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Sie investieren Millionen, kommen aus dem Ausland zurück und sagen,  dass der Tourismus in Bad Tölz auch ohne Spaßbad blüht: Hoteliers widersetzen sich dem Stimmungstief.

Bad Tölz – Über keinen anderen Tölzer Stadtteil wird derzeit so viel und so lebhaft diskutiert wie über das Badeteil. Die Debatte in Schwung gebracht hat die Gruppierung „Familienunternehmer im Badeteil“ (FUB), die deutliche Kritik an der Tölzer Tourismus-Politik kundtat. Ihre Unzufriedenheit spiegelt aber nur einen Teil der Grundstimmung im ehemaligen Kurviertel wider. Einige Gastgeber sehen die Lage des Tourismus in Bad Tölz deutlich positiver.

Gerade kräftig in den Tourismus investiert hat Hotelier Jürgen Ostermann. Für 1,4 Millionen Euro ließ er seinen „Alpenhof“ an der Buchener Straße im Frühjahr komplett entkernen und alle 27 Zimmer neu bauen. Seit 5. April hat das Hotel wieder geöffnet, erhielt laut Ostermann soeben wieder die Vier-Sterne-Klassifizierung. Komme nun ein Gast aus einem der neuen Zimmer und recke mit einem Lächeln den Daumen nach oben, „dann ist das für mich das Schönste, das es gibt“, sagt Ostermann.

Tölzer Hotelier spricht von „Stimmungshoch“ im Tourismus

Doch nicht nur deshalb herrscht bei ihm „ein Stimmungshoch“, wie er sagt. 2006 habe er mit seiner Frau Hedwig unter schwierigen Bedingungen angefangen. „Aber bis 2018 gab es jedes Jahr eine Steigerung.“ Für heuer sei eine Prognose angesichts von acht Wochen umbaubedingter Schließzeit schwierig. Doch Ostermann hofft, dennoch an einer durchschnittlichen Auslastung von 70 Prozent zu kratzen. „50 Prozent brauchen wir, um kostendeckend zu arbeiten.“ Den Klagen über schlechte Rahmenbedingungen für den Tourismus in Tölz mag sich Ostermann nicht anschließen. „Dann wären wir gar nicht mehr hier – und hätten auch nicht innerhalb weniger Tage unser Darlehen für den Umbau genehmigt bekommen.“

Aus Peking nach Bad Tölz gezogen, um Tourismus-Betrieb zu führen

Auch Andreas Munkert glaubt an den Tourismus in Bad Tölz – „sonst hätte ich nicht meinen guten Job bei BMW aufgegeben und wäre nach zehn Jahren hierher zurückgekommen“, sagt der 31-Jährige. Zuletzt lebte er drei Jahre in Peking. Noch heuer will er nun von seinem Vater Ralph Munkert die Rehaklinik Frisia am Kogelweg übernehmen und leitet außerdem das Hotel „Villa am Park“. Damit führt er den Familienbetrieb in dritter Generation weiter.

Über das Geschäft „kann ich mich nicht beklagen“, sagt Munkert. Zuletzt habe er durch die Rosentage und Hochzeiten viele Kurzzeitgäste gehabt, beherberge zudem zwei Filmteams, „und es gibt auch immer wieder Gäste, die einen Monat bleiben“, sagt er. In der Rehaklinik Frisia gebe es jetzt über die Hauptsaison sogar eine Wartezeit bis September. „Durststrecken wie früher“ seien nicht mehr zu verzeichnen.

An den Aussagen der FUB stört ihn, dass sie die Lage des Tourismus’ aus seiner Sicht zu negativ darstellen. „Wir zerreden uns gerade unser eigenes Geschäft“, sagt der Betriebswirt. Auch die Forderung, jedem die Freiheit zu geben, seinen Betrieb im Bedarfsfall in Wohnungen umzubauen, unterstützt Munkert nicht. „Es ist klar, dass ich mit Wohnbebauung derzeit mehr verdiene als mit einem anderen Geschäft. Aber wenn alle nur noch in Wohnbau machen, dann werden wir irgendwann eine tote Schlafstadt – da könnte ich auch nach Geretsried oder Wolfratshausen ziehen.“

Nach Schließung des Alpamare: Neues Spaßbad für Bad Tölz wäre allenfalls „ganz nett“

Bad Tölz sei aber gerade wegen des Tourismus’ so lebendig. „Der Tourismus finanziert vieles mit, was Bad Tölz lebenswert macht: vom Blumenschmuck bis hin zu den Kulturveranstaltungen, die von der Tourist-Info organisiert und gesponsert werden.“ Tatsächlich seien in der Vergangenheit auch Fehler gemacht worden. „Es ist eine gewisse Zahl an Wohnumwandlungen passiert. Das war in einer Zeit, in der man einen touristischen Betrieb schlecht weiterverkaufen konnte“ – was heute anders sei, so Munkert. „Viele haben Glück gehabt. Aber jetzt muss das eingedämmt werden.“

Braucht Bad Tölz ein neues „Leuchtturmprojekt“, um das 2015 geschlossene Alpamare zu ersetzen? Die FUB hatten als Vision eine Thermenanlage mit Saunen in der ehemaligen Wandelhalle ins Spiel gebracht. Auch hier widerspricht Andreas Munkert. Diesbezüglich sei der Bedarf unter anderem mit Kristall-Trimini, Therme Erding oder der Seesauna in Tegernsee gedeckt. „Tölz hat ein anderes Alleinstellungsmerkmal“, findet Munkert, nämlich die Isar als „Fluss, in dem man baden und aus dem man an guten Tagen sogar trinken kann“. Für das Gelände der Jodquellen AG hätte er eine andere Idee: ein Veranstaltungs- und Kulturgelände. „In Laufnähe zur Innenstadt habe ich das so noch nirgendwo anders gesehen.“ Ein „Spaßbad“ hingegen wäre aus Munkerts Sicht allenfalls „nice to have“, also „ganz nett“ – und dafür dann viel zu teuer.

„Bad Tölz hat viele Vorteile, um die uns andere beneiden“

Auch Jürgen Ostermann vom „Alpenhof“ plädiert nicht für ein neues städtisches Großprojekt. Mit der Marktstraße, der Isar und seiner guten Lage sei „die Stadt Bad Tölz selbst ein Leuchtturm“. Das geplatzte Spa an der Bockschützstraße „wäre mir schon entgegengekommen“, meint Ostermann – auch wenn er sich fragt, „ob dort auf der Wiese der richtige Platz dafür gewesen wäre“. Generell aber findet der Hotelier, dass eine Kommune kein Steuergeld in die Hand nehmen sollte, um ein Schwimmbad zu betreiben. Wenn es sich denn rechne, sei dafür ein Privatinvestor gefragt. Und solange „sollte jeder vor seiner Tür kehren“, erklärt Ostermann mit Verweis auf das eigene Schwimmbad und die Sauna, die er im „Alpenhof“ besitzt.

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Eine Veränderung für das Areal der Jod AG – aktuell geprägt von der Alpamare-Ruine, dem bröckelnden ehemaligen Jodquellenhof und dem zuwuchernden Parkplatz P 3 – wäre auch aus Sicht von Thomas Eberl (40) wichtig für die Entwicklung von Bad Tölz. Der Inhaber von Hotel und Privatklinik Eberl an der Buchener Straße findet: „Der notwendige Weg wäre, dass die Stadt das Areal kauft, damit sie es selbst sinnvoll gestalten kann.“

Dafür „viel Geld in die Hand zu nehmen“, wäre aus Eberls Sicht eine lohnende Investition. „Und Bad Tölz kann es sich leisten“, ist er überzeugt. Unterm Strich könnte sich Eberl dort eine „Mischlösung“ vorstellen aus „nicht schädlicher Wohnbebauung“ und touristischer Nutzung. „Etwas in Richtung Schwimmbad oder Wellness wäre ideal. Das würde auch Investitionen in kleineren Betrieben befeuern.“

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Was die Diskussion um andere Umwandlungen in Wohnhäuser betrifft, so gibt Eberl zu, „dass die Situation verfahren ist“. Das habe mit der Verkleinerung und Auflösung des Sondergebiets Badeteil begonnen. „Man hat damals unter Druck Entscheidungen getroffen, die einen später einholen“, sagt Thomas Eberl. Der nächste Bürgermeister stehe nun vor der Herausforderung, Lösungen zu finden.

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Allgemein aber attestiert Eberl dem Tourismus-Standort auf alle Fälle Zukunft. „Bad Tölz hat viele Vorteile, um die uns andere beneiden.“ Ein Pluspunkt sei dabei fast schon wieder ein Problem: „Wir liegen glücklicherweise in einer wirtschaftlich prosperierenden Gegend. Tölz hat so viele Möglichkeiten – wir sind nicht in einem österreichischen Gebirgstal, wo es nur Tourismus geben kann oder gar nichts.“ Bei so einer Bandbreite sei es „nicht so leicht, die richtige Richtung zu finden“. Zunächst einmal sei jedes einzelne Haus gefordert, für sich die passende Strategie einzuschlagen.

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