VonArmin Forsterschließen
Nicht nur im Stadtrat weht im politischen Moosburg frischer Wind: In einem jungen Netzwerk namens ÜBA tauscht sich der Partei-Nachwuchs aus – unabhängig von Fraktionen und Mandaten.
Moosburg – Die Mitglieder dieser Runde sind jung – und das Netzwerk existiert ebenfalls noch nicht lange: Unter dem Titel „Überparteiliche Bagage“ (ÜBA) ist in der politischen Landschaft Moosburgs ein neues, bislang rein digitales Debattenforum entstanden.
Der Leitspruch, zu lesen auf der Facebookseite von ÜBA, lautet: „Gemeinsam bieten wir eine Plattform für Diskussion, Austausch und Information für die junge Generation in Moosburg. Dabei agieren wir über sämtliche, demokratischen Parteigrenzen hinweg.“ Am Freitag lud die Gruppe zur Facebook-Livedebatte ein. Das FT war dabei.
Das Format
Als der Livestream um 19 Uhr startet, gibt es eine Video-Konferenz mit sieben Personen zu sehen, an der die Zuschauer per Echtzeit-Kommentar teilnehmen können. Das Format der Übertragung wirkt frisch, übersichtlich und gut vorbereitet. Alle Kacheln, in denen die Teilnehmer abgebildet sind, umrahmt die Farbe der politischen Heimat des jeweiligen Protagonisten.
Die Runde
Moderatorin Lena Zehetbauer (SPD) erklärt eingangs, dass sich die Runde aus jungen Leuten zusammensetze, die für den neuen Stadtrat kandidiert und sich schon im Wahlkampf bei Aktionen wie dem „Fest für Menschlichkeit und Toleranz“ oder auch dem politischen Speeddating ausgetauscht „und gut verstanden“ hätten. Daher sei der überparteiliche Kontakt fortgeführt worden. An diesem Abend wolle man die jungen Stadträte des neuen Gremiums vorstellen: Stefan John (Linke), Verena Kuch (Grüne), Julia Neumayr und Thomas Wittmann (beide Fresh) sowie Philipp Fincke (FDP). Mit im Bild sitzt Josef Sixt von den Freien Wählern – er behält die Fragen der Zuschauer im Blick und reichert damit die Diskussion an. Im Hintergrund regelt Zeno Heilmaier (Grüne) die Technik.
Die Auftritte
Man merkt gleich, wer bereits über Routine aus dem politischen Betrieb verfügt, doch schon nach wenigen Minuten gleicht sich das Souveränitätslevel an. Die Teilnehmer, so wird deutlich, haben große Freude an Politik und wollen die Stadtentwicklung mitgestalten. Die Zuschauer bekommen einen lockeren Talk geboten, und Stefan John bringt es irgendwann auf den Punkt: „So hätten wir uns sonst vielleicht auch im Hirschen zusammengesetzt.“
Die Themen
Die Nachwuchs-Räte werden etwa zu ihren Eindrücken aus der konstituierenden Sitzung befragt. Auch Bewerbungen um Referentenposten oder der Austausch über Generationen hinweg sind Thema. Das Publikum will von den Newcomern beispielsweise wissen, ob sie vorhaben, an jeder Sitzung teilzunehmen, und ob sie auch mal „schwänzen“ werden (was alle vehement verneinen). Oder auch, wie die Runde zur Entscheidung steht, den Hallenbad-Neubau trotz Corona-Krise durchzuziehen.
Die Klarstellung
Dass man im ÜBA-Talk durchaus Heiße Eisen anfasst, zeigt die Bitte von Lena Zehetbauer an Philipp Fincke, zu erklären, wieso er als FDP’ler von der CSU in den Finanzausschuss gewählt wurde. Fincke ist auf die Frage vorbereitet. Er betont, ihm sei die Trennung zwischen seiner Wahl Georg Hadersdorfers (CSU) zum 2. Bürgermeister und dem erhaltenen Ausschusssitz wichtig.
Er habe seine Wahlabsicht pro Hadersdorfer im Vorfeld publik gemacht, um seine Handlungen transparent zu halten. Bereits vor seinem Entschluss habe er Gespräche mit der CSU, aber auch mit den Grünen geführt. Während Letztere den Kontakt abgebrochen hätten, habe die CSU ihm gesagt, er gehöre wegen seines beruflichen Hintergrunds unbedingt in den Ausschuss, und man werde ihn „nicht hängen lassen“, sollte er nicht anderweitig ins Gremium kommen. Fincke: „Das Lustige ist, genau diesen Satz hat bereits vor meiner Entscheidung Johannes Becher von den Grünen zu mir gesagt.“ Seine Wahl und den Ausschusssitz nun in einen Topf zu werfen, sei unfair. Auch seien verbale Angriffe nach der Wahl gegen ihn „unter der Gürtellinie“ gewesen. „Ich wurde als charakterlos und käuflich dargestellt. Das tut weh.“
Der Konsens
In einigen Diskussionen wird deutlich, dass alle Teilnehmer der Runde sich auf eines einigen können: Man wolle Gerhard-Michael Welter (AfD) im Stadtrat „am ausgestreckten parlamentarischen Arm verhungern lassen“.
Die Resonanz
Den eineinhalbstündigen Talk verfolgen im Schnitt 30 Personen, die – wie die Kommentatoren – überwiegend den örtlichen Parteien zuzuordnen sind. ÜBA, so wird deutlich, verfolgt allerdings das Ziel, durch dieses Format mit niedriger Hemmschwelle auch andere Interessierte für Moosburger Politik zu begeistern.
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