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Ein Video zeigt angeblich den Schusswechsel vor dem israelischen Generalkonsulat. Doch es stammt aus einer ganz anderen Stadt in Deutschland.
München – Menschen in ganz Deutschland hielten heute den Atem an, als sie von dem Schusswechsel zwischen einem bewaffneten 18-Jährigen und Polizisten in der Münchner Maxvorstadt vor dem Israelischen Generalkonsulat erfuhren. Der Täter aus Österreich verstarb noch am Tatort. Das Polizeipräsidium München gehe von einem „terroristischen Anschlag“ aus, wie die Polizei schildert.
Einige Münchner bekamen den Vorfall direkt vor Ort mit, beobachteten das Geschehen mit ihren eigenen Augen. Manche von ihnen filmten das Geschehen und veröffentlichten die Videos auf sämtlichen Plattformen im Internet. Einige der Clips sind authentisch. Gebäude, Plätze und Straßen können klar der Münchner Maxvorstadt zugeordnet werden. Andere Videos wiederum werden fälschlicherweise dem Vorfall in München zugeschrieben. Ein Fake-Video sticht besonders hervor.
Video zeigt Schusswechsel zwischen Polizei und Täter
In dem Video, das auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlicht wurde, filmt ein Augenzeuge aus einem Fenster heraus ein Großaufgebot der Polizei. Mehrere Polizisten richten ihre Waffe auf eine Person, feuern Schüsse ab. Passanten mit Regenschirmen beobachten das Geschehen, das sich im strömenden Regen abspielt. Mehrere Einsatzwagen sind auf der Straße geparkt oder fahren gerade vor. Im Hintergrund hört man heulende Sirenen der Polizeiautos.
Über dem Video steht auf französisch: „Weitere Bilder von der Schießerei vor dem israelischen Konsulat in München, Deutschland . Der Terrorist wurde von den deutschen Streitkräften eliminiert. Es gibt keine Opfer bei dem Vorfall.“
BR deckt Fake-Video auf
Doch bei dem Video handelt es sich nicht um den Schusswechsel in München, wie der Bayerische Rundfunk (BR) erklärt. Es zeige stattdessen einen Polizeieinsatz in Bonn am Mittwochnachmittag, 4. September. Laut der Tagesschau wurden bei dem Vorfall zwei Menschen bei einem Streit zwischen zwei Obdachlosen schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter habe ein Messer gezückt, als ihn die Polizei überführen wollte. Beamte erschossen den Täter daraufhin.
Versuchter Anschlag in München
Dass sich das Video in Bonn und nicht in der bayerischen Landeshauptstadt abspielt, können Zuschauer laut dem BR an einem Autohaus und einem Fastfood-Restaurant erkennen. Auch der strömende Regen und die nassen Straßen passen nicht zu dem Vorfall in München. Hier schien am Donnerstag den ganzen Tag die Sonne bei blauem Himmel.
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Polizei warnt: Schnelle Verbreitung von Falschmeldungen
Das Video aus Bonn haben einige internationale Kanäle auf X verbreitet und im falschen Kontext auf den Schusswechsel in München verwiesen, wie der BR informiert. Auch ein ägyptischer Nachrichtensender habe das Video geteilt.
Ein Problem, das auch der Polizei München bekannt ist. Die Behörde bat auf X die Bevölkerung darum, keine Videos oder Fotos von dem Vorfall zu verbreiten, um „das Teilen von Falschmeldungen einzudämmen“. Diese können sich schnell verbreiten und zu einer Fehlinformation der Bevölkerung führen. Videoinhalte kritisch zu hinterfragen, dürfte sich also immer lohnen.
Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa
