VonGerti Reichlschließen
Eine Umgehungsstraße würde nichts bringen, um die Verkehrsbelastung in Gmund zu reduzieren. Das ist die Mehrheits-Meinung des Gemeinderats.
Gmund – Es ging um die zehnte Fortschreibung des Regionalplans Oberland, in dem verbindliche Ziele für die Entwicklung der Region 17, also der Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau, festgelegt sind. Auch die Gemeinde Gmund muss dazu ihre Stellungnahme abgeben. In der Fortschreibung geht es um Themen wie Digitalisierung, demografische Entwicklung, Wirtschaft und auch um den Verkehr.
Schon im Vorfeld hatte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) angekündigt, was er von den vorbereiteten Formulierungen hält. In der Sitzung betonte er es erneut: Im Prinzip gebe es zu dem umfassenden Werk keine Einwände. Jedoch sei die Formulierung vom „Abbau teilräumlicher Defizite im Bereich der Verkehrsinfrastruktur“ so schwammig, dass er sich frage, ob es sich da nicht um den Neubau einer Umgehungsstraße durch die Hintertür handle.
Bekanntlich ist eine Umgehungsstraße im aktuellen Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Sie würde beim Salzstadel in Moosrain von der B 318 abbiegen und über die Felder Richtung Finsterwald und Kaltenbrunn führen, teils mit einem Tunnel. „Eine Umgehungsstraße würde neue Engpässe schaffen“, so Besel. Sie sei wirkungslos und würde wertvolle landwirtschaftliche Flächen beanspruchen. Besel zitierte das Strukturgutachten Oberland von 2018, das zu dem Schluss kommt: Eine Umgehung würde neue Engpässe südlich der Kreuzstraße und bei Bad Wiessee erzeugen.
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Franz von Preysing (CSU) sah die Dinge anders: „Ohne Not eine Umgehung zu streichen wäre eine vertane Chance für Gmund.“ Er war dafür, sich eine Option offen zu halten und hatte auch das aktuelle Vorgehen der Tiroler im Blick. Deren Sperrung von Ausweichrouten könnte durchaus zur Folge haben, dass noch mehr Transit-Verkehr durchs Tal rolle.
Barbara von Miller (SPD) war auf der Seite des Rathauschefs: Eine Umgehung würde Lärm und Verkehr nur verlagern und nichts bringen. „Wir sollten offen für neue Konzepte sein“, forderte sie. „Wir müssen Altlasten aufarbeiten, Ideen zu Ende denken und jetzt ein Statement gegen die Umgehung abgeben.“ Das sah auch Laura Wagner (Grüne) so. Eine Umgehung und eine Untertunnelung von Finsterwald sei ein totaler Unsinn.
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Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) hielt es ebenfalls für zielführend, die Umgehungsstraße aus dem Plan zu streichen. Vielmehr sei es wichtig, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu stärken und dies entsprechend im Plan festzuhalten.
„Die Umgehungsstraße gehört beerdigt“, war die klare Meinung von Michael Huber (SPD). „München wächst, und die Leute haben die Schnauze voll vom Stau. Eine Umgehung von Gmund würde die Leute wieder anziehen.“ Auch Huber forderte, dass die Stärkung des ÖPNV in die Gänge kommen müsse. Shuttle-Systeme, Zubringer zu den Bussen und eine bessere Taktung wäre nötig.
Mit einer Umgehungsstraße wäre Gmund attraktiv für Maut-Flüchtlinge, glaubte Johann Schmid (SPD), der auch die Staatsregierung mit der Schifffahrt in der Pflicht sah.
Am Ende wurde drei Beschlüsse gefasst: Die Leitlinien zum Thema Fahrradverkehr wurden erweitert mit der Aussage, wonach die Infrastruktur dafür ausgebaut und vernetzt werden solle. Zudem sei ein gemeindeübergreifendes Radwegenetz zu schaffen. Mit zwei Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat gegen eine Umgehungsstraße aus. Wiederum einstimmig war das Gremium dafür, dass der ÖPNV zu stärken sei und auch die Schifffahrt berücksichtigt werden müsse.
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gr
