VonSebastian Grauvoglschließen
Eine Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 86 Geflüchtete will das Landratsamt im früheren Impfzentrum in Hausham einrichten. Doch die Gemeinde will zunächst noch einige Fragen beantwortet wissen.
Hausham – Eine Doppelrolle will Jens Zangenfeind hier nicht einnehmen: „In dieser Sache spreche ich rein als Bürgermeister der Gemeinde Hausham, nicht als stellvertretender Landrat“, betont Zangenfeind auf Anfrage unserer Zeitung. So habe er es auch beim Infoabend für die Anwohner der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 86 Geflüchtete im früheren Impfzentrum gehandhabt. Mit der Folge, dass etliche Fragen unbeantwortet blieben, denn: Die Kreisbehörde hatte keinen Vertreter zum Termin entsandt. Landrat Olaf von Löwis habe Zangenfeind vorab in einem persönlichen Gespräch erklärt, „dass eine Teilnahme an diesem Termin nicht möglich ist“, teilt Landratsamtssprecherin Sabine Kirchmair mit. Zangenfeind ergänzt, dass Löwis dies unter anderem mit personellen Engpässen begründet habe.
Bürgermeister kann Fernbleiben des Landratsamtes nicht nachvollziehen
So sehr er die aktuell hohe Belastung der Mitarbeiter auch verstehen kann: Das Fernbleiben der eigentlich zuständigen Stelle kann Zangenfeind nicht nachvollziehen. „Es ist schade, weil es nicht gerade dabei hilft, Misstrauen und Ängste abzubauen.“ Er habe den anwesenden Bürgern aber zugesichert, die Fragen zu sammeln und schriftlich ans Landratsamt weiterzugeben. Bevor diese nicht beantwortet seien, sehe sich der Gemeinderat auch nicht in der Lage, über die für die Einrichtung der Erstaufnahmeeinrichtung notwendige Nutzungsänderung zu entscheiden. Zangenfeind will dies nicht als Druckaufbau in Richtung Kreisbehörde oder gar taktisches Hinauszögern verstanden wissen. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, aber ich sehe ich es auch als unsere Aufgabe, die aus unserer und der Sicht unserer Bürger relevanten Punkte vorher abzuklären.“
Wie das Landratsamt unserer Zeitung mitteilt, soll die Erstaufnahmeeinrichtung vergleichbar mit den Pendants in den Turnhallen aussehen. Die Inbetriebnahme der vom Freistaat finanzierten Unterkunft sei fürs Frühjahr 2024 angedacht. Eine bauliche Trennung von Schlaf- und Essbereichen sei auf beiden Etagen zwar vorgesehen, von Apartments mit mehr Privatsphäre könne wegen der nur kurzfristigen Unterbringung der Menschen dort keine Rede sein. Toiletten, Duschen und Waschräume seien in Form von vier Sanitärcontainern (mit Sichtschutz) auf dem Parkplatz vor dem Gebäude geplant.
Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge
Letzteres ist einer der Kritikpunkte der Gemeinde. So plädiert Zangenfeind dafür, die Sanitäranlagen baulich an die Einrichtung anzuschließen. Dies bedeute nicht nur mehr Komfort für die Geflüchteten, sondern auch weniger Lärm (vor allem nachts) für die Anwohner. Auch Aufenthalts- und Rückzugsräume – gerade für Kinder – hält der Bürgermeister für dringend angebracht. „Wir sollten von den Erfahrungen aus den Turnhallen lernen.“ Zu klären sei ferner, wie mit den Mietern in der im Gebäude integrierten Privatwohnung sowie mit der auch von einem benachbarten Kfz-Betrieb genutzten Zufahrt umgegangen wird.
Obwohl bei der Versammlung schon auch kritische und nicht immer nur „freundliche Kommentare“ gefallen seien, seien viele konstruktive Fragen und Vorschläge dabei gewesen, fasst Zangenfeind zusammen. Sehr begrüßt habe er, dass auch Vertreter des Helferkreises, des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch, die Ehrenamtskoordinatorin der Caritas, Lisa Richters, und Landkreis-Integrationsbeauftragter Max Niedermeier zum Dialog gekommen seien. Besonders erfreulich: Direkt beim Infoabend erklärten fünf Bürger spontan ihre Bereitschaft zur Mitarbeit im Helferkreis. Nicht zuletzt ihnen sei das Landratsamt nun Antworten auf die noch offenen Fragen schuldig.
sg
