Weilheim

Millionenschwere Stadthallen-Sanierung: Pikante Anfrage im Stadtrat

+
Bereits seit zwei Jahren ist die Weilheimer Stadthalle wegen statischer Mängel im Dachtragwerk gesperrt.
  • schließen

Vor einem Jahr hat Weilheims Stadtrat den Auftrag für die Planung der millionenschweren Stadthallen-Sanierung an ein Büro in Schongau vergeben. Dazu gab es jetzt eine pikante Anfrage im Stadtrat.

Weilheim – Seit mittlerweile zwei Jahren ist die Weilheimer Stadthalle gesperrt, nachdem im Sommer 2021 statische Mängel im Dachtragwerk festgestellt worden waren. Und immerhin ein Jahr ist es her, dass der Stadtrat beschlossen hat, den Auftrag für die Planung der nötigen Sanierungsarbeiten an das Schongauer Büro „plan 3 architekten“ zu vergeben. Diese Vergabe hatte nun ein spätes Nachspiel im Ratsgremium – in Form einer Anfrage, die Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) zur letzten Sitzung vor der Sommerpause eingereicht hatte. Er wollte wissen, „welche anderen Architektur- oder Planungsbüros von der Stadt zur Abgabe von Angeboten für die Sanierung der Stadthalle eingeladen wurden“.

Lesen Sie auch: Grünes Licht für Geothermie-Aufsuchung im Raum Weilheim

Denn die Baunebenkosten – laut Klinkicht sind das „im Wesentlichen die Planungskosten des Architekturbüros und der Fachplaner“ – seien in der Kostenschätzung mit insgesamt gut 763.000 Euro beziffert. Damit komme keine vereinfachte Vergabe in Frage, betonte der Weilheim Miteinander-Vertreter mit Verweis auf eine entsprechende Bekanntmachung des bayerischen Innenministeriums aus dem Jahr 2018. Diese fordere, bei solchen Auftragsvergaben im kommunalen Bereich im Sinne eines ausreichenden Wettbewerbs mindestens drei Angebote einzuholen – es sei denn, der Auftragswert liege unter 50.000 Euro. Diese Summe werde bei der Planung der Stadthallensanierung indes weit übertroffen.

„Die Verwaltung hat nichts zu verbergen“

In seiner Antwort nannte Stadtkämmerer Christoph Scharf zunächst den Zeitpunkt der Anfrage „etwas irritierend“, da die Vergabe an „plan 3 architekten“ ja schon ein Jahr zurückliege „und Herr Klinkicht bei der Beschlussfassung anwesend“ gewesen sei. Und obwohl die Stadtverwaltung „auf die Frage eigentlich keine Antwort in öffentlicher Sitzung geben dürfte“ (da man unterlegene Mitbieter in einem nicht-öffentlichen Vergabeverfahren nicht anschließend öffentlich nennen dürfe), gab der Kämmerer eine Erklärung. Denn die Verwaltung habe „nichts zu verbergen“.

Die großen Risse wurden zufällig entdeckt

„Es wurden keine anderen Büros zur Abgabe eines Angebotes eingeladen“, sagte Scharf – und erläuterte dies mit einer „Chronologie zur Entdeckung des Schadens“ in der Stadthalle. So habe Marco Schwentzek, der Leiter des städtischen Liegenschaftsmanagements, aufgrund schon bekannter Feuchteschäden an den Dachsparren Anfang September 2021 eine Ortsbesichtigung mit Matthias Schamper von „plan 3“ durchgeführt, um den Sanierungsaufwand einschätzen zu können. „Dabei wurden zufällig die großen Risse in den Hauptträgern der Dachkonstruktion entdeckt“; ob Gefahr im Verzug liege, habe rasch geklärt werden müssen.

Auch interessant: Stadtmuseum kauft Fotos von Baustellen in Weilheim an

Schamper habe „gleich angeboten“, einen Holzbau-Sachverständigen, mit dem er bereits zusammenarbeitete, für einen Ortstermin anzufragen. Die bald darauf durchgeführte Besichtigung habe Ende September 2021 zur Sperrung der Halle geführt. Für die anstehenden Haushaltsberatungen wurde „plan 3“ von der Stadtverwaltung um Ermittlung weiterer Daten gebeten, so Scharf weiter. Das Büro habe auch den Prüfstatiker und andere Fachplaner „ins Boot geholt und alle Sanierungsmöglichkeiten erarbeitet“, das Ergebnis wurde im Mai 2022 im Stadtrat vorgestellt (wir berichteten).

Lösungsvorschläge haben den Stadtrat überzeugt

„Die Herangehensweise und die erarbeiteten Lösungsvorschläge zur Sanierung der Halle haben den Stadtrat überzeugt“, resümiert der Kämmerer: „plan 3 architekten“ sei „ein renommiertes Büro mit Erfahrungen bei der Sanierung von größeren Objekten“. Weil die Sanierung zudem zügig angegangen werden sollte, habe sich der Stadtrat zur weiteren Abwicklung des Projekts für dieses Büro entschieden.

Stadthalle Weilheim: Nach den Ferien beginnen die Sanierungsarbeiten

Die Kostenschätzung für die Sanierung der Stadthalle beläuft sich übrigens auf rund 4,5 Millionen Euro brutto. Klinkicht hat im Stadtrat seit Ende 2021 mehrmals ins Feld geführt, dass die Instandsetzung günstiger möglich sein müsse. Unterdessen erteilte das Ratsgremium bereits einige umfangreiche Aufträge, wie in der jüngsten Sitzung bekannt gegeben wurde. Die Baumeisterarbeiten für die Tragwerks- und Brandschutzertüchtigung übernimmt eine Peißenberger Firma zum Angebotspreis von über 223.000 Euro, den Gerüstbau ein Weilheimer Betrieb für knapp 369.000 Euro. Die Holz- und Stahlbauarbeiten wurden an ein Weilheimer Unternehmen für fast 787.000 Euro vergeben, die Dachdeckerarbeiten an die selbe Firma für über 450.000 Euro.

Die Arbeiten beginnen nach den Sommerferien, wie Bürgermeister Markus Loth heuer bei der Bürgerversammlung sagte. Ab Spätsommer 2024 sollen in der Stadthalle wieder Veranstaltungen möglich sein.

Kommentare