VonMagnus Reitingerschließen
Weil das Gebäude Ausweichquartier für den Katastrophenschutz ist, kamen im Zuge der Sanierung der Weilheimer Stadthalle neue Fragen auf.
Weilheim – Schon seit über zwei Jahren müssen die Weilheimer auf die Nutzung der Stadthalle verzichten: Sie ist gesperrt, seit im Sommer 2021 statische Mängel im Dachtragwerk festgestellt wurden. Zur dringend gebotenen Dachsanierung gesellte sich bald ein ganzer „Rattenschwanz“ zusätzlich nötiger Arbeiten, wie es Bürgermeister Markus Loth (BfW) ausdrückt – etwa in puncto Brandschutz und Dämmung. Den Auftrag für die Planung der nötigen Arbeiten hat der Stadtrat im vergangenen Jahr an das Schongauer Büro „plan 3 architekten“ vergeben. Das Gesamtprojekt wird laut aktueller Schätzung rund 4,5 Millionen Euro kosten.
Ab Herbst 2024 sollen wieder Veranstaltungen in der Stadthalle möglich sein
Nun haben in der Halle selbst erste Arbeiten begonnen – allerdings geht es dabei vorerst nur um den notwendigen Ab- und Rückbau sowie die „Baustelleneinrichtung“, wie das Stadtbauamt auf Nachfrage erklärt. Die eigentlichen Sanierungsarbeiten werden erst Anfang 2024 in Gang kommen. Im Rathaus geht man derzeit davon aus, dass die Stadthalle ab Herbst 2024 wieder für Veranstaltungen genutzt werden kann.
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Echte Hochwasser-Ertüchtigung wäre teuer
Thematisiert wurde im Zuge der Maßnahmen auch, dass die Halle für den Katastrophenschutz als Ausweichquartier zur Verfügung stehen muss. Und dabei, so hieß es kürzlich im Bauausschuss, kam im Zusammenhang mit der neu zu errichtenden Fluchttreppe aus dem Untergeschoss „die Frage des Hochwasserschutzes auf“. Für die geplante Fluchttreppe ist eine einfache Konstruktion mit so genannten „Schotten“ vorgesehen, um ein Eindringen von möglichem Hochwasser über die neue Kellertreppe zu vermeiden.
Für eine echte Hochwasserschutz-Ertüchtigung wäre aber mehr zu tun, erklärte Sibylle Rausch, die seit kurzem als Architektin im Stadtbauamt wirkt und dort für die Stadthallensanierung zuständig ist: Es müssten etwa auch die bestehenden Lichtschächte und Fenster der Untergeschossräume ertüchtigt werden – was zusätzliche Kosten von mindestens 120.000 Euro bedeuten würde, so Rausch.
Bis jetzt sei in der Stadthalle bei Hochwassern „nichts passiert“
Für den Bauausschuss des Stadtrates steht fest: Letzteres würde den Rahmen sprengen. Die Außentreppe soll wie geplant inklusive „Aufkantung“ errichtet werden, und auch eine Bodenplatte für den Generator des Katastrophenschutzes ist unstrittig. Aber auf darüber hinausgehende Hochwasserschutzmaßnahmen wird verzichtet, so der einstimmige Beschluss. Immerhin sei in der Halle bei Hochwassern bis dato „nichts passiert“, betonte Bürgermeister Loth. Und für Extremereignisse sei letztlich ohnehin „kein Schutz möglich“.
Die Stadthalle steht leicht erhöht im Gelände. Beim berüchtigten Pfingsthochwasser 1999 war nach Angaben des Stadtbauamtes „weder Hochwasser aus der Ammer noch Grundwasser angestanden“. Neue Berechnungsmodelle für ein „HQ100“ und ein „HQextrem“ – also für Hochwasserereignisse, die statistisch alle 100 oder gar alle 1000 Jahre vorkommen – würden jedoch „in Teilbereichen (Foyer) mögliche theoretische Überschwemmungen“ ausweisen.
