Er fertigt Holzskulpturen und schrieb Liedtext

Weilheims Stadtpfarrer als Lied-Dichter und Bildhauer

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Holzskulpturen von Weilheims Stadtpfarrer Engelbert Birkle (l.) sind in den nächsten Wochen in der Kirche St. Pölten zu sehen – wo auch das neue Lied erklingt, das Birkle gemeinsam mit Kirchenmusiker Jürgen Geiger schrieb.
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In ungewöhnlichen Rollen ist Weilheims Stadtpfarrer Engelbert Birkle zu erleben: Als Bildhauer, der eigene Holzskulpturen in der Kirche ausstellt – und als Textdichter eines neuen Kirchenliedes. Für Letzteres stammt auch die Musik von einem bekannten Weilheimer.

Weilheim – Für manchen, der den Weilheimer Stadtpfarrer aus den Gottesdiensten oder aus Seelsorgegesprächen kennt, mag das eine seltsame Vorstellung sein: Engelbert Birkle mit viel Getöse bei der Arbeit mit der Motorsäge. Genau so entstehen nämlich die Holzskulpturen, die der Geistliche in seiner Freizeit immer wieder mal produziert.

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Meist in den Wintermonaten macht sich der 58-Jährige bei Gelegenheit gern an diese ebenso körperliche wie künstlerische Arbeit. Den Rahmen dafür bieten sein Bruder und sein Neffe auf ihrem Bauernhof im schwäbischen Hiltenfingen bei Schwabmünchen. Sie legen Birkle regelmäßig geeignetes Holz beispielsweise von Apfelbäumen auf die Seite; und sie pflegen auch das nötige Werkzeug, wie der Pfarrer dankbar erzählt. Und dann kann er loslegen. „Erst ist da ein inneres Bild“, beschreibt der Hobby-Bildhauer das Vorgehen, „dann entsteht die Skulptur“. Das Ganze sei ein sehr meditativer Prozess.

Lied aus Weilheim zum Ulrichsjubiläum

In den vergangenen Wintermonaten ist auf diese Weise eine kleine Serie von Arbeiten entstanden, die Birkle nun in der Weilheimer Kirche St. Pölten präsentiert – und die bestens in das Gotteshaus passt. Es sind vier große Skulpturen zu „Gesten des Gebetes“, wie der Priester seine kleine Ausstellung überschrieben hat. Mal steht der Betende in diesen Werken gebeugt, mal voller Zuversicht, mal mit hoch gen Himmel gestreckten Händen. Engelbert Birkle, der vor einigen Jahren bereits Gedichtbände mit geistlicher Lyrik veröffentlichte, hat zu jeder Figur auch ein kurzes Gedicht geschrieben, nicht minder meditativ und tiefgehend wie die Skulptur selbst. Zum Betenden, der mit hoch gereckten Händen dasteht, heißt es zum Beispiel: „christus / im erheben meiner hände / strecke ich die waffen / werfe ich mich dir entgegen / ins abgründige meiner seele / schreie wortlos / rette mich /aus mir selbst“.

Betrachtet werden können die Skulpturen und Gedichte von Pfarrer Birkle ab diesem Wochenende in der Pöltner Kirche. Bei den dortigen Abendmessen am Samstag, 1. Juli, und Sonntag, 2. Juli, jeweils um 18.30 Uhr, wird der Geistliche auch in dieses Projekt einführen. Zudem liegt ein Faltblatt aus, das die Kunstwerke zeigt, kurz erklärt und mit passenden Bibelstellen verbindet.

In den genannten Messen in St. Pölten sowie beim Gottesdienst zur Weilheimer Stadtwallfahrt am Sonntag um 8.30 Uhr in Andechs erklingt erstmals auch ein neues Kirchenlied, an dem der Stadtpfarrer entscheidend beteiligt war. Gemeinsam mit dem Weilheimer Kirchenmusiker Jürgen Geiger hat Birkle ein Lied zum Motto des Ulrichsjubiläums verfasst, mit dem das Bistum Augsburg heuer die Bischofsweihe des Heiligen Ulrich vor 1100 Jahren und dessen Tod vor 1050 Jahren feiert. Titel: „Mit dem Ohr des Herzens“.

„Die Melodie ist wunderbar“

Geiger und Birkle haben in den vergangenen Jahren schon mehrere Lieder gemeinsam komponiert, etwa „Taborweg“ im Jahr 2017 für den ZDF-Fernsehgottesdienst live aus der Weilheimer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt. Im Lied zum Ulrichsjubiläum war es dem Textdichter nun wichtig, die Bedeutung des Mottos für die heutige Zeit und unsere „schnelllebige, oft schrille und komplexe Welt“ auszuloten. So greift Birkle in den Strophen verschiedene Aspekte des Hörens mit dem Herzen auf: etwa das Stillwerden, die Aufmerksamkeit, das Mitfühlen. Jürgen Geiger will mit seiner Melodie dazu „die Herzen der unterschiedlichen Menschen in der Gemeinde berühren“, wie er sagt – und alle zum Mitsingen einladen.

Die Diözese hat das Lied der beiden Weilheimer auch in ihrer Handreichung für die Messfeier zum Patroziniumstag des Heiligen Ulrich – des einstigen Bischofs von Augsburg – am 4. Juli abgedruckt. Zudem kann das Lied über die Internetseite www.ulrichsjubilaeum.de angehört werden, gesungen von der Weilheimerin Alina Rohmer, am Klavier begleitet von Jürgen Geiger. Auch die Noten können dort heruntergeladen werden. „Die Melodie ist wunderbar“, freut sich Pfarrer Engelbert Birkle – und verknüpft mit dem gemeinsamen Werk einen Wunsch: „Es wäre wunderbar, wenn sich das Lied auf die Reise macht, über Weilheim hinaus, und die Menschen sagen: Darin finde ich etwas, was mich anrührt.“

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