Weilheim

Städtebaulich „verheerend“ oder ein herrlich ruhiger Nachbar? Erneut Debatte um umstrittenes Solarfeld

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Direkt vor den Wohngrundstücken an der Waxensteinstraße im Süden von Weilheim ist ein neuer Solarpark geplant.
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Es bleibt bei der Planung für einen Solarpark am Südrand von Weilheim, direkt vor den Wohnhäusern an der Waxensteinstraße. Die Höhe der Module wird allerdings auf drei Meter begrenzt. Dabei hätte ein Spontan-Antrag im Stadtrat das Projekt fast noch ins Wanken gebracht.

Weilheim – Das Verfahren läuft im Grunde unaufhaltsam, schließlich hat der Stadtrat der Planung für einen rund 2,5 Hektar großen Solarpark auf dem früheren Erdbeerfeld südlich der Waxensteinstraße schon mehrfach zugestimmt. Doch Saika Gebauer-Merx hätte die Sache in der jüngsten Ratssitzung am Mittwochabend beinahe noch herumgerissen. Man werde in den nächsten Jahrzehnten Flächen am Stadtrand brauchen, um sich weiter entwickeln zu können, sagte die FDP-Vertreterin. Deshalb solle man die Entscheidung über das Solarfeld zurückstellen und erst mal „städtebaulich überlegen, was wir wollen in Weilheim“.

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Bürgermeister Loth: Mit Vertagung wären Solarpark-Pläne „gestorben“

Letzteres sei „in der Regionalplanung erfolgt“, entgegnete Bürgermeister Markus Loth (BfW) und betonte: Mit einer Vertagung wäre der geplante Solarpark zwischen Pollinger Straße und Prälatenweg „gestorben“. Denn weitere Grundsatzplanungen zur Entwicklung würden „mindestens fünf bis sechs Jahre dauern“; das wäre dem Investor, einem Geschäftsmann aus Weilheim, gewiss zu lange. Dennoch wurde über den Vertagungs-Wunsch von Gebauer-Merx als „Antrag zur Geschäftsordnung“ abgestimmt. Diesen lehnte das Gremium mit 15 zu 12 Stimmen recht knapp ab.

Die positiven Abwägungen des Bauausschusses bezüglich der für das Solarfeld nötigen Änderung des Flächennutzungsplans und dem in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan wurden hingegen mit 17 zu 10 Stimmen beschlossen. Im Bebauungsplan gibt es keine wesentlichen Änderungen mehr – außer, dass die von Anwohnern kritisierte Maximalhöhe der Solarmodule von vier auf drei Meter reduziert wird. Das sei „ein ganz guter Kompromiss“, befand Loth.

Pläne werden erneut öffentlich ausgelegt

Mit dieser Anpassung werden die Unterlagen in den nächsten Wochen noch einmal öffentlich ausgelegt. Damit werden laut Stadtbauamt auch Vorwürfe eines Rechtsanwalts „geheilt“, der moniert hat, dass die Stadt in den bisherigen Bekanntmachungen insbesondere Umwelt-Aspekte nicht ausreichend dargestellt habe. Nach dieser zusätzlichen Verfahrensrunde kommt das Projekt erneut in die städtischen Gremien.

Das ist städtebaulich ein Riesenfehler. Das ist absolut der falsche Ort für eine solche Anlage, viel zu nah an der Wohnbebauung.

Angelika Flock, CSU

Mehr Gegenstimmen als in der letzten Stadtratssitzung

Mit zehn Gegenstimmen (aus verschiedenen Fraktionen) wurde die Zahl der Gegner dieses Solarfelds gegenüber der vorigen Ratssitzung etwas größer. Die Planung sei „aus städtebaulicher Sicht verheerend“, kritisierte etwa Hans Vollmann (BfW); von einem „Riesenfehler“ sprach auch Angelika Flock (CSU). Dagegen erklärte Ragnhild Thieler (BfW), sie habe den Standort bis dato abgelehnt, stimme nun aber zu. Die Begrenzung der Höhe sei für sie entscheidend – „und wir haben nun mal ein Klimaziel und müssen anfangen“.

Ich verstehe nicht, was man an so einem Nachbarn auszusetzen hat. Die PV-Anlage ist ruhig, nicht hoch und in einigen Jahren eingewachsen.

Karl-Heinz Grehl, Grüne

Für den Solarpark warben insbesondere Grünen-Vertreter. Man habe keine andere Wahl, meinte etwa Stefan Emeis: Mit PV-Anlagen auf Dächern und den bisher avisierten Solarfeldern – selbst dem Großvorhaben in der Lichtenau – sei der für Klimaneutralität nötige Bedarf Weilheims an regenerativer Energie nicht abzudecken.

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