Umstrittene Verkehrsanordnung

Wildkamera versus Säge: Tempo-30-Krimi in Marienstein

+
Tempo 30 gilt derzeit auf der Mariensteiner Ortsdurchfahrt. Zornige Gegner haben ein Dialog-Display zerstört.
  • schließen

Tempo 30 auf der Hauptstraße: Das kommt in Marienstein nicht gut an. Ein Tempo-30-Schild wurde zweimal umgelegt, ein Dialog-Display demoliert. Nun ist eine Wildkamera montiert - und gibt Rätsel auf.

MariensteinEs schien der Wunsch aller Mariensteiner zu sein: Tempo 30 auf der Hauptstraße. 200 Unterschriften hatte Anwohner Olaf Jäckl für das Gebot gesammelt und im Waakirchner Gemeinderat behauptet: „Alle Mariensteiner wollen die Reduzierung, bis auf zwei Personen.“

Das kann nicht ganz stimmen. Die Realität zeigt: Es gibt zornige Gegner. Das erste Tempo 30-Schild stand nur einen Tag, dann lag es am Straßenrand. Daneben ein demoliertes Dialog-Display, das grün oder rot blinkend die Geschwindigkeit hätte anzeigen sollen. „Das ist ein Schaden von 2000 Euro“, erklärte Rathaus-Chef Sepp Hartl bei der Bürgerversammlung. Man werde nach dem Täter suchen, kündigte er an. Bei der Tempo-30-Anordnung handle es sich übrigens auch nur um einen Versuch, befristet auf ein Jahr.

Beschlossen hatte der Gemeinderat dies im Dezember 2018. Gesprochen wurde über ein Tempolimit speziell für Lkw schon länger. Doch Fachbehörden und Polizei winkten ab: Es bestehe keine Notwendigkeit für ein Tempo 30-Gebot an dieser Stelle. Der Gemeinderat lehnte einen ersten Anwohner-Antrag auf Tempo 30 darum ab. Schließlich fehlt angesichts des Experten-Urteils auch die rechtliche Grundlage für wirksame Kontrollen.

Doch Olaf Jäckl ließ nicht locker und setzte sich angesichts der zahlreichen Unterschriften letztlich durch. Aufgestellt wurden Dialog-Display und Schild aber erst vor knapp zwei Wochen.

Das ausgehebelte Tempo-30-Schild ließ die Gemeinde schnell ersetzen. Das zweite wurde dann abgesägt. Gemeinde-Geschäftsleiter Markus Liebl beauftragte den Bauhof damit, das dritte Schild auf eine Eisenstange zu setzen. „Das kann man nicht so leicht absägen.“

Zur Empörung der Mariensteiner ist an einem benachbarten Baum nun eine Wildkamera montiert. Überwacht die Gemeinde ihr Schild, um Missetäter zu überführen?

Geschäftsleiter Liebl wehrt ab: „Die Gemeinde hat damit nichts zu tun.“ Rechtlich sei eine solche Überwachung ja auch gar nicht zulässig.

In Marienstein kocht unterdessen die Stimmung hoch. Etliche Bürger meldeten sich gestern in der Redaktion. Gemeinsame Botschaft: Wir haben die Forderung nach Tempo 30 nicht unterschrieben. Alle wollten ungenannt bleiben, weil sie Repressalien vonseiten der Gemeinde fürchten. Und alle waren sich einig: Das Tempo-30-Gebot muss schnell weg. Auch, weil sich Autofahrer daran halten. „Deshalb wird jetzt viel mehr innerorts überholt“, meinen einige Mariensteiner. Ob die Gemeinde bei einer Testphase von einem Jahr bleibt, wird sich zeigen. Klar ist Liebl zufolge: Das demolierte Dialog-Display wird ersetzt.  

Kommentare