VonMarcel Priggeschließen
Nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Magdeburg rückt die Sicherheit der Events in den Fokus. Neue Maßnahmen sollen in Bremen das Risiko minimieren.
Bremen – Jedes Jahr gelingt es den Weihnachtsmärkten in Niedersachsen und Bremen, ihren Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Doch die Frage nach der Sicherheit auf den Events wird immer relevanter. Anfang November wurde in Elmshorn ein 17-Jähriger von der Polizei festgenommen, der verdächtigt wird, einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt geplant zu haben. Am 20. Dezember ereignete sich ein tragischer Vorfall in Magdeburg, als ein mutmaßlicher Islamkritiker auf einem Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge fuhr.
Wie steht es um die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt und dem Schlachtezauber in Bremen? Unsere Redaktion hat bei der Stadt und dem Schaustellerverband nachgefragt.
Sicherheitsmaßnahmen auf dem Bremer Weihnachtsmarkt verstärkt
Auch wenn in Bremen wegen eines besonderen Geschäftes das ganze Jahr über Weihnachten ist, ist der Weihnachtsmarkt am Domshof und der Schlachtezauber, doch das Highlight der Festzeit. Und trotzdem wird die Festtagsstimmung durch etwaige Sicherheitsfragen bundesweit getrübt. So ist zuletzt ein Messerverbot auf den Märkten in Sachsen-Anhalt ausgesprochen worden. Die Polizei darf die Besucher ohne bestimmten Anlass kontrollieren. Und auch in Bremen werden die Sicherheitsmaßnahmen erweitert – ebenso wie auf vielen Weihnachtsmärkten in Nordrhein-Westfalen.
„Um der insbesondere in den letzten Wochen wahrnehmbar verschärften Bedrohungslage einer erhöhten abstrakten Terrorgefahr in Deutschland Rechnung zu tragen, werden bisher vorgesehene Maßnahmen erweitert und nötigenfalls zusätzliche Maßnahmen in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden veranlasst“, heißt es auf Nachfrage aus dem Bremer Wirtschaftsressort.
Sicherheit auf dem Bremer Weihnachtsmarkt: Videoüberwachung, Zugfahrtsperren und mehr Sicherheitspersonal
Deshalb werde das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt überarbeitet und angepasst, um den aktuellen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. „Ziel ist es, durch präventive Maßnahmen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Sicherheitskräften das Risiko für alle Beteiligten zu minimieren und ein sicheres Veranstaltungsumfeld zu gewährleisten.“
Als konkrete Maßnahme nennt der Senat die „ausgeweitete, großflächige Videoüberwachung“. Zudem sollen an sinnvollen Orten Zufahrtssperren aufgestellt werden. Auch der Sicherheitsdienst kann personell kurzfristig erhöht werden. Weniger im Fokus steht dabei das Winterdorf in Findorff. Dort herrscht bereits seit dem 8. November mitunter reger Betrieb – auf einem sehr überschaubaren Areal.
Sicherheit auch im Fokus der Schausteller: „Die Bremer Innenstadt ist nun mal von allen Ecken und Kanten erreichbar“
Auf Veranstaltungen, die ein angepasstes Sicherheitskonzept haben, fühlen sich die Schausteller sicher, sagt Rudolf Robrahn vom Schaustellerverband Bremen. Ein gutes Beispiel dafür sei der diesjährige Freimarkt gewesen, der auf einem eingezäunten Gelände mit Einlasskontrollen stattgefunden hat. Das sei auf dem Bremer Weihnachtsmarkt naturgemäß nicht möglich. „Die Bremer Innenstadt ist nun mal von allen Ecken und Kanten erreichbar“, so Robrahn.
Ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitskonzeptes auf dem Weihnachtsmarkt sind die Schausteller selbst, berichtet er. „Wir sind diejenigen, die auch die Besucher immer im Blick haben oder Unregelmäßigkeiten sowie auffällig merkwürdiges Verhalten der Besucher registrieren und im Zweifelsfalle sofort reagieren. Alle Beschicker sind in einem Chat verbunden und im ständigen Kontakt mit dem Sicherheitsdienst und der Polizei.“ So stünden knapp 1000 sogenannte „Sensoren“ zur Verfügung, die aus den Betrieben samt ihrer Mitarbeiter und Aushilfskräfte bestehen.
Die Frage nach der Sicherheit ist jedoch nicht die Einzige, die die Schausteller umtreibt. „Ich denke, diese Zeiten verunsichern die Menschen zutiefst. Aber wir Schausteller erleben zugleich – und das hat gerade der diesjährige Freimarkt gezeigt – dass unsere Besucher den starken Wunsch nach Freude und der Möglichkeit haben, die Sorgen des Alltags auch mal vergessen zu können“, so Robrahn. „Bei all den Umsetzungen von Sicherheitsmaßnahmen sollte man auch stets berücksichtigen, dass der besinnliche Charme und Charakter des Weihnachtsmarktes erhalten bleibt und solch ein Fest nicht zu einer Festung wird.“
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