Nachtragshaushalt beschlossen

Klimaschutz: Land Bremen investiert 400 Millionen Euro

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Bremen nimmt viel Geld für den Klimaschutz in die Hand. Dazu beschlossen die Politiker einen Maßnahmenkatalog – von ÖPNV bis Wärmenetz.

Bremen – Um dem Klimawandel entgegenzutreten, hat die EU das Fit-for-55-Programm auf den Weg gebracht. Das Ziel lautet, Klimaneutral zu werden. Viele große und kleine Bausteine sind dafür notwendig. Der Bremer Senat hat konkrete Projekte beschlossen. Das Volumen beträgt mehr als 400 Millionen Euro. Die Projekte aus den sogenannten Fastlanes der Klimaschutzstrategie 2038 wurden im Nachtragshaushalt 2023 beschlossen und umfassen Verbesserungen im ÖPNV, energetische Sanierung für öffentliche Gebäude sowie die Dekarbonisierung und klimaneutrale Transformation der Wirtschaft und Sanierungen der Bremer Klinikgebäude, heißt es in einer Pressemitteilung.

Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister von Bremen, hat die Klimaschutziele vorgestellt.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte: „Der Senat geht heute (Dienstag, Anm. d. Red.) weitere, entscheidende Schritte, um Bremen und Bremerhaven für die kommenden Jahre zukunftsfähig aufzustellen, um Arbeitsplätze zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten. Der Senat geht die Bewältigung der sozialen, der wirtschaftlichen und der ökologischen Krise mutig und entschlossen und macht unser Land damit fit für die Zukunft.“ Das Geld stammt aus einem Kreditrahmen von mehr als drei Milliarden Euro. Aus diesem Topf will das Land die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise abfedern sowie Verwaltung und Wirtschaft klimaneutral umgestalten.

Mit dem Beschluss hat der Senat rund einen Monat vor der Bürgerschaftswahl, der Bremenwahl, Eckpfeiler für die kommenden Jahre eingeschlagen.

Klimaschutz in Bremen: Maßnahmen im ÖPNV

Zur Verbesserung des ÖPNV soll ein Prioritätsnetz aus Straßenbahn- und Busstrecken umgesetzt werden. 85 Prozent Bremens sollen angeschlossen sein. Dazu soll es direkte Verbindungen mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof sowie dem Zentrum und dem Bahnhof Vegesack geben. Ebenfalls verbunden werden sollen weitere wichtige, stadtprägende Ziele wie Hochschulen, Kliniken, Regionalbahnhöfe, Geschäfts- und Einkaufszentren sowie Gewerbestandorten. Sie sollen möglichst mit nur einmaligem Umsteigen erreichbar sein.

Der Bremer Senat will dem ÖPNV im Rahmen einer großen Klimaschutz-Investition mehr Platz und Rechte einräumen. (Symbolbild)

Zur Erreichung einer optimalen Fahrtzeit ist es daher erforderlich, dass auch die vorhandene Infrastruktur – insbesondere Ampeln – angepasst und die Bevorrechtigung des ÖPNV somit verbessert wird. Dr. Maike Schaefer, Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau: „Der ÖPNV-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen soll auf 20 Prozent gesteigert werden.“

Die Finanzierung und Beschaffung der zusätzlich erforderlichen sieben Straßenbahnen und 15 E-Gelenkbusse ist bereits im Februar 2021 durch den Senat beschlossen worden. Laut der Mitteilung sind Wasserstoffbusse, wie sie Niedersachsen einsetzt, nicht geplant.

Gebäudesanierung für den Klimaschutz in Bremen

CO₂-Einsparpotenzial hat die Sanierung von Gebäuden. Senator Dietmar Strehl: „Die Anforderungen in den Maßnahmenpaketen für Gebäude sind klar definiert: Durch bauliche Maßnahmen den Energiebedarf massiv senken, Photovoltaik auf den Dächern installieren und bisher fossile Energieträger auf CO₂-neutrale beziehungsweise erneuerbare Energieträger zu wechseln oder die Umstellung auf Wärmepumpen.

Kliniken in Bremen sollen Energie sparen

Die bremischen Krankenhäuser haben durch ihre umfangreichen Gebäudeflächen, ihren ganzjährigen Betrieb rund um die Uhr und die Energieintensität der Medizintechnik, IT, Aufzüge, Beleuchtung, Wärme- und Kälteerzeugung und Lüftungsanlagen einen hohen Gesamtbedarf an Energie. Einsparungen sind nicht so einfach, denn die Patienten benötigen sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen. Als ein großer Einzelposten wurden 130 Millionen Euro zur energetischen Sanierung der Bremer Krankenhäuser bis 2027 eingeplant. „Krankenhäuser sind sehr energiefressende Einrichtungen“, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

Die Finanzierungsplanung im Bereich der Krankenhäuser sieht eine 50:50 Aufteilung der Mittel auf die Kliniken der Gesundheit Nord sowie auf die restlichen Plankrankenhäuser im Land Bremen vor, heißt es in der Pressemitteilung.

Bremer Wirtschaft: Grüne Energie als Klimaschutzziel

Die vermutlich größte Herausforderung ist die Umstellung der Wirtschaft, konkret: das Bremer Stahlwerk. Dort soll bald „grüner Stahl“ aus dem Hochofen fließen. Die dafür benötigte Energie soll dann aus Wasserstoff kommen und nicht mehr aus Kohle und Koks. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) will auch kleine und mittlere Unternehmen fördern. Mit 30 Millionen Euro sollen Projekte gefördert werden, die schnell CO₂ einsparen, zum Beispiel bei Industriewärme aus Wasserstoff statt aus Öl oder Erdgas.

Zum Energiehaus soll das ehemalige Kühlhaus in der Überseestadt umgebaut werden. Als Energieleitzentrale soll das Modellprojekt voraussichtlich ab 2027 das im nördlichen der Teil der Hafenkante entstehende neue Gewerbegebiet sowie Unternehmen im Holz- und Fabrikenhafen mit klimafreundlich erzeugter Wärme und Strom versorgen.

Der Bremer Senat will in den kommenden Jahren 400 Millionen Euro für den Klimaschutz investieren.

Vorgesehen ist zudem ein sogenanntes hybrides Wärmenetz. Die in der Umgebung erzeugten erneuerbaren Energien aus zum Beispiel Photovoltaik- und vertikalen Windkraftanlagen sowie die aus dem Weserwasser und durch Rechenzentren oder Produktionsprozesse erzeugte Abwärme sollen im Energiehaus zwischengespeichert und bedarfsabhängig eingesetzt werden. In einem ersten Schritt wird nun bis Ende 2024 eine umfangreiche Machbarkeitsstudie erstellt. Dafür stehen Mittel in Höhe von 900.000 Euro zur Verfügung.

In der Überseestadt werden die 83 Natriumdampfleuchten der Gleisfeldbeleuchtung durch LED-Leuchten ersetzt. Die energetische Sanierung halbiert den Stromverbrauch und spart durch längere Wechselintervalle Kosten. Für das Maßnahmenpaket sind Investitionen in Höhe von 2,5 Millionen Euro eingeplant. (Mit Material der dpa.)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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