VonClaudia Kabelschließen
Andreas Larem, SPD-Direktkandidat für den Wahlkreis 185, äußert Kritik an den Aussagen des US-Vizepräsidenten J. D. Vance zur Meinungsfreiheit in Europa. Larem war bei einer Anhörung der Interparlamentarischen Union in New York, wo viele die Rede Vances verurteilten. „So msicht man sich nciht ein.“
Andreas Larem war zwar nicht bei der Sicherheitskonferenz in München, auf der der neue US-Vizepräsidenten J. D. Vance Zweifel an der Meinungsfreiheit in Europa äußerte. Der SPD-Direktkandidate für den Wahlkreis 185 war zur gleichen Zeit aber in New York bei einer Anhörung der Interparlamentarischen Union (IPU) bei den Vereinten Nationen, an der zirka 150 Parlamentarier:innen aus 60 Nationen teilnahmen. Dort hätten viele Vances Rede verurteilt. „Man mischt sich nicht derart in die Innenpolitik anderer Länder ein“, sagt Larem in einem Telefongespräch mit der Frankfurter Rundschau.
Der SPD-Politiker aus dem südhessischen Messel vertritt seit 2021 den Wahlkreis Darmstadt im Bundestag und ist dort für Außenpolitik zuständig. Unterv anderem gehört er dem Auswärtigen Ausschuss an und sist tellvertretender Vorsitzender im Unterausschuss Vereinte Nationen, internationale Organisationen und zivile Krisenprävention.
Zuerst Bürgermeister dann Bundestagsabgeordneter
Larem, Jahrgang 1964, bezeichnet sich selbst als Arbeiterkind, das nie studiert hat. Er wuchs in Eppertshausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) auf, machte eine kaufmännische Ausbildung und wurde 1987 dort für die SPD in die Gemeindevertretung gewählt. Von 2010 an lenkte er elf Jahre lang als Bürgermeister die Geschicke der Unesco-Welterbe-Stadt Messel, 2021 wurde es als Direktkandidat in den Bundestag gewählt.
„Ich bin mit meiner Arbeit noch nicht fertig“, sagt Larem. Deshalb tritt er zur Bundestagswahl am 23. Februar erneut als Direktkandidat an. „Kontinuität, Stabilität und Frieden“ lauten seine Ziele. Sie seien vor dem Hintergrund massiver Veränderungen in der Weltpolitik besonders wichtig.
Was er als Außenpolitiker für Darmstadt und die Kommunen im Landkreis Darmstadt-Dieburg tun könne? „Sehr viel“, sagt er, „die innenpolitische Lage hat viel mit der außenpolitischen zu tun.“ Larem verweist auf Themen wie die Bekämpfung von Fluchtursachen, das Schaffen von Rahmenbedingungen für die Migration von dringend benötigten Fachkräften oder die Bewältigung eines drohenden Wirtschaftskriegs zwischen den USA und China. Die Auswirkungen bekämen die Bürgerinnen und Bürger auch hierzulande zu spüren.
Wahlkreis 185
Zum Wahlkreis 185 gehören neben der Stadt Darmstadt auch 14 Kommunen des Landkreises Darmstadt-Dieburg: Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Eppertshausen, Erzhausen, Griesheim, Messel, Modautal, Mühltal, Münster, Ober- Ramstadt, Pfungstadt, Roßdorf, Seeheim-Jugenheim, Weiterstadt.
Die anderen Kommunen im Landkreis zählen zum Wahlkreis 186 Odenwald. cka
Auch Kommunalpolitik ist Larem wichtig: „Ich weiß, wo der Schuh drückt“
Durch sein jahrzehntelanges Engagement in der Kommunalpolitik wisse er, wo im Wahlkreis „der Schuh drückt“. Zum Beispiel habe er sich bereits vor Jahren mit den Bürgerinitiativen zur neuen ICE-Trasse zusammengesetzt und für den Lärmschutz starkgemacht. Auch setze er sich für die Konversion des Kasernengeländes Starkenburg in Darmstadt ein. Dort sollen Wohnungen entstehen.
Auf der Liste seiner Erfolge verbucht Larem nach eigenen Angaben 53 Millionen Euro an Fördermitteln, die er „in den Wahlkreis geholt“ habe. Zwei Drittel davon seien nach Darmstadt gegangen, ein Drittel in den Landkreis. Manch förderwürdiges Projekt, etwa ein Fahrradparkhaus in Ober-Ramstadt, sei daran gescheitert, dass es keine Mehrheit in der Kommune für die notwendige Ko-Finanzierung gegeben habe. Eine Aufgabe für die nächsten Jahre sei deshalb auch die Frage, wie man ein Umdenken auf kommunaler Ebene erreiche. Denn Investitionen in die Infrastruktur seien existenziell, eine Reformierung der Schuldenbremse unausweichlich. „Kommunen werden alleine nicht aus den Schulden rauskommen, wir müssen ihnen unter die Arme greifen.“
Wahlkreis Darmstadt: Drei Kandidierende liegen in Umfragen ganz nah beieinander
Im Wahlkreis Darmstadt 185 gehört Larem neben Philip Krämer (Grüne) und Astrid Mannes (CDU) zu den aussichtsreichsten Kandidierenden. 2021 gewann Larem das Mandat mit 27,4 Prozent. Die damalige Grünen-Kandidatin Daniela Wagner kam auf den zweiten, Mannes auf den dritten Platz. Diesmal liegt Mannes laut Umfragen zwar knapp vor Krämer und Larem. Doch wegen der Wahlrechtsreform könnte es passieren, dass die CDU-Kandidatin trotz eines Wahlsiegs und Listenplatz sieben nicht in den Bundestag kommt, wenn ihre Partei hessenweit mehr Direktmandate erringt als ihr zustehen. Auch Larem, der auf der SPD-Landesliste an 17. Stelle steht, kann nicht sicher sein, dass er dem nächsten Bundestag angehören wird, es sei denn, er gewinnt das Direktmandat haushoch.
Chancen dafür sieht er durchaus und ruft auf Instagram auf, ihm die Erststimme zu geben, wenn man einen Darmstädter Vertreter in Berlin wolle. Bei den Grünen werde das Erststimmenpotenzial nicht ausreichen, etwa weil der Landkreis traditionell eher SPD wählt, sagt er. Zudem seien 20 Prozent der Wähler:innen noch unentschlossen. Um die Wählergunst zu erlangen, geht Larem seit Wochen Klinken putzen und informiert an Ständen in den Kommunen.
Alle Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 185
Andreas Larem (SPD), der frühere Bürgermeister von Messel, ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags und steht auf Platz 17 der SPD-Landsliste.
Astrid Mannes (CDU), die frühere Bürgermeisterin von Mühltal, ist Mitglied des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und steht auf Platz 7 der CDU-Landesliste.
Philip Krämer (Grüne) ist Mitglied im Sport- sowie im Verteidigungsausschuss des Bundestags.
Für die FDP tritt Viola Gebek an, die als Marketingmanagerin tätig ist und auf Platz 6 der FDP-Landesliste steht.
Die Krankenschwester Anja Swars kandidiert für die AfD und steht auf Listenplatz 14.
Der Campaigner Jakob Migenda ist Wahlkreiskandidat der Partei Die Linke.
Ferner bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 185 die Juristin Stella Streit (Freie Wähler), der Elektroingenieur Mitja Stachowiak (Tierschutzpartei), der Ingenieur Roland Hardt (Die Partei), die Wassertechnikingenieurin Ana Lena Herrling (Volt) und die Mediengestalterin Anna Schupp (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands). jjo
