Werk-Schließung

Firma aus Hünfeld reicht „Gummi“-Arbeitern aus Fulda die Hand

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Ein Mitarbeiter eines Reifenwerkes setzt einen Reifenrohling auf eine Vorrichtung an der Heißpresse, wo der Rohling im Anschluss vulkanisiert wird (Symbolfoto).
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Viele Unternehmen in der Region haben Geschäftsbeziehungen zu Goodyear und sind über die geplante Schließung betrübt. Einer dieser Betriebe ist die Herbert Maschinen- und Anlagenbau GmbH & Co. KG in Hünfeld. 

Hünfeld/Fulda - Am Donnerstag (16. November) war bekannt geworden, dass Goodyear plant, das Werk in Fulda 2025 zu schließen. Viele der 1050 Mitarbeiter zeigten sich traurig und enttäuscht. Einige wütend. Aus der Politik kamen klare Worte. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sprach von einer „vorweihnachtlichen Hiobs-Botschaft“.

Herbert Maschinen- und Anlagenbau aus Hünfeld zählt Goodyear nicht zu ihren größten, aber doch sehr wichtigen Kunden. Herbert arbeitet unter anderem bei der Reifennachbehandlung mit dem Konzern zusammen. Geschäftsführer Matthias Walter berichtet, dass man mit dem Standort Fulda etwa 400.000 bis 500.000 Euro pro Jahr erwirtschaftet.

Firma aus Hünfeld reicht „Gummi“-Arbeitern aus Fulda die Hand

Unter diesen sogenannten „After Sales Service“ fallen in der Kalkulation auch die Arbeiten für das Goodyear-Werk Fürstenwalde in Brandenburg, das ebenfalls Ende 2027 dichtmachen soll. „Generell macht Goodyear etwa 20 Prozent unseres Umsatzes aus“, berichtet Walter. Die Hünfelder haben zudem auch Aufträge zum Beispiel in den USA und Mexiko. 

Die schon 2019 angedachte Schrumpfung der „Gummi“ auf etwa 500 Beschäftigte habe Walter schon damals skeptisch gesehen. Um ein Reifenwerk zu betreiben, brauche man etwa 800 Leute, ist Walter überzeugt. Die „Gummi“ in Fulda sei zwar technologisch auf dem höchsten Stand, aber logistisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. 

Goodyear will die Reifenproduktion im Fuldaer Werk bis zum Ende des dritten Quartals 2025 komplett einstellen.

Walter kritisiert, dass die Leistung der Gummiwerke an den reinen Zahlen bewertet worden sei. Schließlich sei in Fulda gute Entwicklungsarbeit geleistet worden, die dem Rest des Konzerns zugutegekommen sei. „Deswegen ist es schade“, kommentiert Walter die Schließung.

Ein Auge wirft das Hünfelder Unternehmen bereits auf die vielen „guten Facharbeiter“, die sich jetzt umorientieren müssen. „Wir würden uns freuen, wenn sich diese Leute bei uns bewerben“, erläutert Walter, auch wenn er dann kurz bremst: „Wir können leider nicht alle 1050 nehmen.“ 

Anne Weinschenk, Bezirksleiterin Mittelhessen bei der Gewerkschaft IGBC, bewertet die Lage für manche Beschäftigten derweil kritisch. Manche würden sich nun die Frage stellen, ob sie die Region gleich ganz verlassen wollen und können. Goodyear rechtfertigt die Werk-Schließung in Fulda mit der Inflation und Billig-Importen. Auch das Thema E-Autos spielte dabei eine Rolle.

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