Plädoyer

Aschenberg-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert nach „exekutionsartiger Tötung“ lange Haftstrafe

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Der Tatort war in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg.

Im Prozess um den am Aschenberg in Fulda erschossenen 38-Jährigen forderte die Staatsanwaltschaft eine lange Haftstrafe für den Angeklagten wegen Totschlags. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Erstmals seit Prozessbeginn äußerte sich auch der Angeklagte.

Fulda - Weil er einen 38-Jährigen im April 2023 mit fünf Schüssen getötet haben soll, wird seit Januar einem 38-Jährigen am Landgericht der Fulda Prozess gemacht. Die Anklage wirft ihm Totschlag vor. „Dieser Vorwurf hat sich nach der Beweisaufnahme bestätigt“, stellte Staatsanwalt Andreas Hellmich am Donnerstag zu Beginn seines Plädoyers fest.

Laut Hellmich haben sich die Ereignisse folgendermaßen zugetragen: Der Angeklagte sowie das spätere Opfer hielten sich in der Nacht vom 11. auf den 12. April 2023 gemeinsam mit drei weiteren Männern in wechselnder Zusammensetzung in verschiedenen Wohnungen in Fulda auf, um miteinander zu trinken.

Fulda: Staatsanwaltschaft fordert nach „exekutionsartiger Tötung“ zwölf Jahre Haft

In einer Wohnung am Aschenberg, die das spätere Opfer mit einem weiteren der Beteiligten bewohnte, kam es zum Streit, in dessen Verlauf das spätere Opfer mit einem Schlagstock auf den heute Angeklagten losging. Der Angeklagte konnte fliehen, ließ in aller Eile aber seine Schuhe und sein Handy zurück.

„Er fühlte sich mies, gedemütigt und wütend. Vielleicht kam noch Eifersucht dazu bei dem Gedanken, dass das spätere Opfer kurz zuvor mit seiner Ex-Freundin geflirtet hatte. Er beschloss, Rache zu nehmen“, beschrieb der Staatsanwalt die Gefühlswelt des Angeklagten, der sich bereits in der Vergangenheit mit dem anderen Mann geprügelt hatte.

Sie haben gegen mich nichts in der Hand, außer die Aussagen von drogenabhängigen oder fantasiebegabten Menschen.

Angeklagter

Um seinen Racheplan auszuführen, brach der Angeklagte laut Staatsanwalt in die Abstellkammer eines Freundes in der Heinrichstraße ein, weil er wusste, dass dieser dort eine Pistole lagerte. Mit der Waffe machte sich der Angeklagte daraufhin wieder auf den Weg zum Aschenberg.

Er lockte das Opfer aus dessen Wohnung und tötete den Mann mit fünf Schüssen. Hellmich räumte ein, dass es für diesen Tatverlauf lediglich Indizien gebe. „Wir haben keine Tatwaffe, keinen verräterischen Fingerabdruck.“ Dennoch spreche vieles für den Angeklagten als Täter:

Die Auswertung eines Handys, das dieser in der Tatnacht mit sich geführt haben soll, habe ergeben, dass sich das Handy von der Heinrichstraße zum Aschenberg bewegte. Dort blieb es, etwa bis zu dem Zeitpunkt, zu dem mehrere Zeuginnen und Zeugen fünf Schüsse gehört haben wollen. Kurz darauf entfernte es sich wieder vom Aschenberg.

Fotostrecke: Polizeieinsatz nach Leichenfund am Aschenberg

Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Christopher Hess
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Christopher Hess
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden.
Aufregung in der Adenauerstraße am Fuldaer Aschenberg: Dort ist am Mittwochmorgen ein lebloser Mann gefunden worden. © Fuldamedia

Belastend wertete der Staatsanwalt auch, dass Schmauchspuren an der Jacke gefunden wurden, die der Angeklagte bei seiner Festnahme getragen hatte. Und schließlich habe er die Tat gegenüber seiner Ex-Freundin gestanden, was diese der Polizei berichtet hatte.

„Um ihn zu verurteilen, darf das Gericht keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten haben“, unterstrich Hellmich und räumte ein: „Niemand wird behaupten, dass das eine leichte Aufgabe sein wird.“ Wegen der „exekutionsartigen Tötung“ des 38-Jährigen mit fünf Schüssen forderte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von 12 Jahren.

Verteidigung fordert Freispruch im Aschenberg-Prozess

Verteidiger Christian Celsen meinte in seinem Plädoyer mit Blick auf die Version der Staatsanwaltschaft: „Die Tat kann sich durchaus so ereignet haben. Für eine Verurteilung ist es jedoch notwendig, dass die Indizien nur so zusammengeführt werden können, dass ausschließlich eine Version denkbar ist, die den Angeklagten belastet – und das ist hier nicht der Fall.“

Denkbar seien laut dem Verteidiger noch diverse weitere Versionen der Tat – denn auch Hellmich hatte eingeräumt, dass es möglich wäre, dass ein oder zwei weitere Männer, an deren Kleidung ebenfalls Schmauchspuren gefunden wurden, den Angeklagten zum Aschenberg begleitet hatten.

„Täterschaft, Mittäterschaft, Beihilfe, Notwehr oder gar keine Tatbeteiligung, all das kommt in dieser Konstellation für meinen Mandanten infrage“, argumentierte Celsen. Schließlich sei das Opfer mit 71 Vorstrafen ein polizeibekannter Intensivtäter, der aufgrund seiner Aggressivität „am Aschenberg bekannt und gefürchtet“ gewesen sei.

Angeklagter äußert sich zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses

„Es ist daher auch absolut möglich, dass das Opfer in der Tatnacht mit einem unbekannten Dritten in Streit geriet.“ Das angebliche Geständnis gegenüber der Ex-Freundin könne laut Celsen auch eine Prahlerei des Angeklagten gewesen sein. Die Zeugin habe mehrfach Angaben bei der Polizei gemacht, die später widerlegt wurden.

Noch dazu sei sie „sehr interessiert daran gewesen, sich in Szene zu setzen“ – etwa mit einem Hinweis auf den möglichen Fundort der Tatwaffe, eine Spur, die letztlich im Nichts endete. Die Handydaten sowie die Jacke mit dem Schmauchspuren deuten laut Celsen nicht zwingend auf seinen Mandanten als Täter hin, da Handys und Kleidung in der Gruppe ständig verliehen wurden.

Viel wahrscheinlicher sei es, dass einer der anderen Männer, gegen den die Staatsanwaltschaft parallel ermittelt, der wahre Täter sei. „Die Tatwaffe stammt mutmaßlich aus dessen Wohnung. Bei ihm wurde entsprechende Munition gefunden und auch er hatte Schmauchspuren an der Kleidung.“

Video: Auftakt im Aschenberg-Prozess - Angeklagter bestreitet Tat

Der Mann war während des Prozesses auch als Zeuge geladen, hatte aber geschwiegen .„Wer das Opfer tötete, bleibt offen“, bilanzierte Celsen – und forderte daher Freispruch.

Am Ende ergriff der Angeklagte das Wort – zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses. Der 38-Jährige, der während des Verfahrens immer wieder entspannt grinsend einen äußerlich gefassten Eindruck machte, ließ dabei keinen Zweifel daran, was er von dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft hält.

„Ihre Arbeitsversion basiert auf Annahmen und Mutmaßungen. Sie haben nichts gegen mich in der Hand, außer die Aussagen von drogenabhängigen und fantasiebegabten Menschen.“ Er appellierte an das Gericht, „professionell“ zu urteilen. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag, 12 Uhr, gesprochen werden. (von Marcus Lotz)

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