VonAnna Kirschnerschließen
Der Lokführerstreik der GDL trifft auch die Regionen um Kassel und Göttingen. Der Notfahrplan zeigt, welche Züge noch fahren. Dazu kommen noch die Bauernproteste.
+++ 10.15 Uhr: Im Bahnhof Wilhelmshöhe war es am Mittwochmorgen fast schon gespenstisch. Das berichtet HNA-Redaktionsleiter Florian Hagemann: Dort, wo normalerweise viele Pendler zum Zug hasten, ist niemand zu sehen. Draußen stehen mehrere Taxis und warten auf Kundschaft. Ein Fahrer hat die Fensterscheibe nach unten gekurbelt, raucht und sagt: „An einem solchen Tag heißt es: rumeiern. Wir haben 70 bis 80 Prozent weniger Kundschaft.“ Von der Sperrung des Steinwegs ab 10 Uhr wegen der Bauernproteste hat er noch nichts gehört. Aber egal: „Wenn wir eh kaum fahren, stehen wir auch nicht im Stau.“ Auch wieder wahr.
+++ 9.44 Uhr: Rund um Kassel und Göttingen fallen wegen des Lokführerstreiks seit Mittwochmorgen (10. Januar) zahlreiche Züge aus. Dazu gab es schon gestern Informationen (siehe unten). Doch nun legt die Bahn mit Infos nach: Auch der Verkehr der Kurhessenbahn ist eingeschränkt. Konkret geht es um folgende Linien:
- RB4: Korbach - Kassel Wilhelmshöhe: Die Züge verkehren nur im 2-Stunden-Takt.
- RB38: Kassel - Treysa: Die Fahrt um 15:57 Uhr ab Kassel Hbf sowie die Fahrt um 07:18 Uhr ab Treysa finden nicht statt. Alle anderen Fahrten finden statt.
- RB39 / RE39: Kassel - Bad Wildungen: Alle Fahrten finden, bis auf die um 21:42 Uhr ab Kassel Hbf nach Wabern (Bz Kassel), statt.
- RB94: Marburg - Bad Laasphe: Züge fahren im 4 Stunden-Takt in den Zeiten von 10:24 Uhr bis 22:24 Uhr von Marburg(Lahn) nach Erndtebrück, sowie im 4 Stunden-Takt in den Zeiten 08:02 Uhr - 20:02 Uhr von Erndtebrück nach Marburg(Lahn). Für einzelne ausfallende Fahrten ist ein Ersatzvekehr eingerichtet.
- RB97 / RE97: Marburg - Brilon: Züge verkehren zu unregelmäßigen Abfahrtszeiten auf dem Laufweg von Marburg(Lahn) nach Brilon Stadt und in die Gegenrichtung.
Bahnstreik der GDL trifft Nordhessen und Niedersachsen
Update vom Mittwoch, 10. Januar, 7.17 Uhr: Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Mittwoch auch in Hessen und Niedersachsen den Bahnverkehr erheblich beeinträchtigt. Es komme bundesweit zu Verspätungen und Zugausfällen, teilte die Deutsche Bahn am Mittwochmorgen mit. Betroffen von dem Warnstreik sind sowohl der Fern- als auch der Regionalverkehr, zu dem unter anderem S-Bahnen gehören. Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen im ÖPNV fahren dagegen wie gewohnt.
Der Warnstreik im Personenverkehr der Bahn begann am Mittwochfrüh um 2 Uhr. Im Fernverkehr fuhren nach Angaben eines Bahn-Sprechers etwa ein Fünftel der Züge. Geplantes Ende des Arbeitskampfes ist Freitagabend um 18 Uhr. Die Bahn will an den drei Streiktagen einen Notfahrplan anbieten.
Bahnstreik trifft Bahnpendler – So steht es um den Stadtverkehr in Kassel und Göttingen
Erstmeldung vom Dienstag, 9. Januar, 10.22 Uhr: Kassel/Göttingen – Der Bahnstreik findet wahrscheinlich statt: Die GDL hat Lokführer dazu aufgerufen, die Arbeit von Mittwoch, 2 Uhr, bis Freitag, 18 Uhr, niederzulegen. Zwar hat die Deutsche Bahn versucht, ein Gerichtsurteil gegen den Streik zu erwirken, ist aber in erster Instanz gescheitert. Wer also in den nächsten Tagen mit dem Zug fahren will, sollte sich rechtzeitig vorher informieren, welche Züge überhaupt noch fahren.
Generell sind Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen betroffen. Busse und Straßenbahnen sollten fahren, solange beim dortigen Personal nicht die aktuelle Krankheitswelle zuschlägt. Zum Notfahrplan gibt es auf der Website der Deutschen Bahn bereits einige Informationen. Der RE30, der normal Frankfurt über Gießen, Marburg und Treysa mit Kassel verbindet, fährt nur noch im 2-Stunden-Takt zwischen Frankfurt Hbf und Marburg. Die Cantusbahn von Fulda über Bebra nach Kassel (RB5/RE5) sollte aber wie gewohnt fahren, könnte aber ziemlich voll werden.
Viele Zugausfälle im nordhessischen NVV-Gebiet
Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hat ebenfalls absehbare Auswirkungen des Bahnstreiks auf den Regionalverkehr angekündigt. Im NVV-Gebiet wird es Zugausfälle auf folgenden Linien geben:
- RE2 (Kassel <> Eichenberg <> Leinefelde <> Erfurt)
- RMV-RE5 (Bebra <> Frankfurt)
- RE30 (Kassel <> Frankfurt)
- RE50 (Bebra <> Frankfurt)
- RB4 (Kassel <> Korbach)
- RB38 (Kassel <> Treysa)
- RE39/RB39 (Kassel <> Bad Wildungen)
- RB81 (Bodenfelde <> Nordhausen)
- RB85 (Paderborn <> Ottbergen <> Bad Karlshafen <> Bodenfelde <> Göttingen)
- RE97/RB97 (Brilon <> Korbach <>Marburg)
Am Mittwoch wird es in Kassel wegen einer großen Bauern-Kundgebung sowie eines Lokführer-Streiks bei der Deutschen Bahn zu Verkehrsbehinderungen kommen. Dazu Fragen und Antworten.
Alle hier nicht aufgezählten Regionalzuglinien und RegioTramlinien werden voraussichtlich regulär fahren, verkündet der NVV auf seiner Website. Wenn aber auch Stellwerke bestreikt werden, können die Auswirkungen größer werden. Das ist momentan noch nicht abzusehen. Das gilt auch für die HLB: Die Hessische Landesbahn verbindet Kassel mit Frankfurt und will planmäßig verkehren.
Weitere Informationen erhalten Fahrgäste unter nvv.de/stoerungen, in der NVV-App sowie am gebührenfreien NVV-Service-Telefon unter 0800-939-0800 (täglich von 5 bis 22 Uhr, freitags und samstags bis 0 Uhr).
Fahrgastrechte und Kulanz
Die Deutsche Bahn wickelt geplante Reisen recht unkompliziert ab: Wer von Mittwoch bis Freitag eine Reise geplant hatte, kann das Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Die Zugbindung ist für die Streiktage aufgehoben. Das Ticket gilt dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Die Reise kann auch vorverlegt werden und die Tickets am Montag oder Dienstag (8. und 9. Januar) genutzt werden.
Diese Züge fahren in Südniedersachsen – und diese nicht
Für die Region um Göttingen hat der Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) einige Informationen veröffentlicht.
- RB 80/81 (Göttingen/Bodenfelde – Nordhausen): Die Züge verkehren vsl. im Zweistundentakt zwischen Nordhausen und Northeim (Han). Zwischen Northeim (Han) und Göttingen nutzen Sie bitte zusätzlich auch die Züge des Metronoms (RE 2). Zwischen Bodenfelde und Northeim (Han) ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Dieser verkehrt vsl. im Dreistundentakt.
- RB 82 (Göttingen – Kreiensen – Bad Harzburg): Die Züge verkehren vsl. im Zweistundentakt zwischen Kreiensen und Goslar. Nutzen Sie ab Kreiensen nach Northeim (Han) ebenfalls die Züge des Metronoms (RE 2). Zwischen Goslar und Bad Harzburg verkehrt die Buslinie 810 der HarzBus.
- RB 86 (Einbeck Mitte – Göttingen): Es wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Dieser verkehrt vsl. im Stundentakt.
- RB 46 (Braunschweig Hbf – Herzberg (Harz): Die Züge verkehren vsl. im Zweistundentakt bis ca. 17:30 Uhr.
Auch die Nordwestbahn wird auf den Linien RB84/RB85 bestreikt. Sie gehört zum Transdev-Konzern, der auch bestreikt werden soll.
Der Metronom (RE2 Hannover-Göttingen) ist nicht vom Warnstreik betroffen und plant nach aktuell gültigem Fahrplan zu fahren. Auch in Niedersachsen wird die Cantusbahn (RB83/RB87) nicht bestreikt. Mit einzelnen Verspätungen sei dennoch zu rechnen, heißt es beim VSN.
Die Deutsche Bahn verkündete für Niedersachsen, dass sie versuchen werde, einen Ersatzverkehr mit Bussen einzurichten. Das Gelingen können man aber auch wegen der Kurzfristigkeit nicht garantieren. (Anna Kirschner)
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