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Markt bricht massiv ein: Flaute bei Deals mit Hochhäusern in Frankfurt

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Der Gewerbeimmobilienmarkt in Frankfurt ist massiv eingebrochen. 2023 wurde kein einziges größeres Bürohochhaus verkauft. Ein Grund: Investoren warten auf noch tiefere Kaufpreise.

Frankfurt - Der Handel mit Gewerbeimmobilien in Frankfurt ist im vergangenen Jahr, zumindest im Vergleich zu den sonst üblichen Zahlen, beinahe zum Erliegen gekommen. Nach Angaben des Maklerhauses JLL lag das Transaktionsvolumen 2023 lediglich bei 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte es noch Deals mit einem Gesamtumsatz von 5,2 Milliarden Euro, im Jahr 2021 von gut 9,8 Milliarden Euro gegeben. Colliers spricht vom schwächsten Investmentumsatz seit der Jahrtausendwende.

Die Flaute auf dem Investmentmarkt hat in erster Linie mit ausbleibenden Hochhausdeals zu tun. In den vergangenen Jahren hatten solche Geschäfte stets stark den Frankfurter Investmentmarkt bestimmt, wechselten große Objekte für jeweils mehrere 100 Millionen Euro die Eigentümer. 2022 wurde das Bürohochhaus „Marienturm“ für mehr als 800 Millionen Euro verkauft, für den höchsten Turm im entstehenden Hochhausareal „Four“ flossen 2021 sogar 1,4 Milliarden Euro. 2023 gab es dagegen keinen einzigen größeren Deal im Bürobereich. Damit sei das für Frankfurt wichtigste Marktsegment fast vollständig weggebrochen, heißt es bei BNP Paribas Real Estate.

Für den größten Deal in Frankfurt sorgt ein Betreiber von Rechenzentren

Auch Projektentwicklungen in diesem Bereich gibt es viel weniger als vor Jahren. Unternehmen zögern angesichts hoher Kosten derzeit, ihre Pläne voranzutreiben. Hinzu kommen Insolvenzen, wie die der Gerch Group, die bald ein Hochhaus auf dem Areal des früheren Polizeipräsidiums bauen wollte.

Hochhäuser in Frankfurt sind bei Investoren grundsätzlich sehr gefragt. Doch derzeit gibt es eine große Unsicherheit. Und viele warten auf sinkende Preise.

Für die einzige Transaktion jenseits von 100 Millionen Euro sorgte 2023 laut JLL die Rechenzentrenbranche. Cyrus One erwarb zwei Baugrundstücke mit zusammen 6,3 Hektar Fläche im früheren Industriepark Griesheim, der als „Westside Frankfurt“ neu entwickelt wird.

Investoren hoffen laut Maklern auf noch günstigere Einstiegschancen in Frankfurt

Die Nachfrage nach Büroflächen in Frankfurt ist seit Ausbruch der Pandemie deutlich gesunken. Unternehmen suchen zunehmend kleinere Einheiten. Der Leerstand ist weiter gestiegen. Zugleich sind moderne Büros in zentraler Lage trotz sehr hoher Mieten durchaus gesucht.

Als Hauptgrund für die zuletzt ausbleibenden Deals am Büromarkt sehen Maklerhäuser eine abwartende Haltung von Investoren. Schon im Sommer war von deutlich gesunkenen Preisen die Rede gewesen. Viele hofften aber auf noch günstigere Einstiegschancen, heißt es bei JLL.

Einige Eigentümer könnten gezwungen sein, Immobilien in Frankfurt zu verkaufen

Zugleich wachse aber auch der Handlungsdruck bei den Bestandshalten. „Einige Eigentümer werden bei anstehenden Refinanzierungen möglicherweise gezwungen sein, zu verkaufen und bei den Angebotspreisen weitere Zugeständnisse zu machen“, schätzt JLL-Niederlassungsleiter Suat Kurt. Für Belebung könnte nach Einschätzung von Marktbeobachter:innen auch eine mögliche Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank sorgen. Bei Colliers sieht man angesichts des gesunkenen Preisniveaus zudem ein zunehmendes Interesse ausländischer Kapitalgeber. (Christoph Manus)

Rubriklistenbild: © Rolf Oeser

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