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Die neue Haube des Schlossturms in Fulda sorgt für hitzige Diskussionen und spaltet die Gemüter der Stadtbewohner. Doch was sagt der Hersteller der modernen Stahlkonstruktion, die liebevoll und zugleich spöttisch als „Krake“ oder „Kralle“ bezeichnet wird?
Fulda - Kunst, Kralle oder Krake? Die neue Schlossturm-Haube erntete nach dem Aufbau heftigen Spott und starke Kritik. Experten bezeichneten die Schlossturm-Haube als eine „architektonische Lachnummer“? Zuletzt distanzierte sich der erste Fuldaer Stadtverordnete von seiner einstigen Stimmabgabe für die Krone auf dem Schlossturm.
Hersteller von umstrittener Schlossturm-Haube in Fulda äußert sich exklusiv
Bernhard Hahner (60), Geschäftsführer von Hahner Technik in Petersberg-Böckels, äußerte sich jetzt exklusiv gegenüber fuldaerzeitung.de zu der umstrittenen Turmhaube. Die Resonanz aus der Politik und der Bürgerschaft möge unterschiedlich sein. „Ich bin jedoch überzeugt von dem ingenieurtechnischen und handwerklichen Wert des Projekts“, sagt er.
Und fügt hinzu. „In der Summe ist das, was wir dort abgeliefert haben, egal wie man darüber denkt, eine ordentliche, handwerkliche, saubere Arbeit, die man erstmal so hinkriegen muss. Ganz unabhängig, was man davon halten mag.“ Darauf seien er und sein Team stolz.
Zugleich betont Hahner: „Wir bauen zwar viele Kunstwerke international rund um den ganzen Globus, aber wir sind nicht die Künstler. Das muss ich ganz klar sagen. Wir setzen das um und helfen dabei. Hören genau zu. Versuchen die Details zu lösen, die sich aus anspruchsvollen Aufgaben ergeben.“
„Neben der Notwendigkeit einer minutiösen Planung und der Abstimmung mit den Statikern und Architekt Jürgen Krieg zur skulpturalen Lösung standen wir unter anderem vor anspruchsvollen logistischen Aufgaben, blickt Hahner zurück. Manche Bauteile hätten sich als so groß erwiesen, dass sie nur schwer durch den nächsten Produktionsschritt zu manövrieren gewesen seien.
Fotostrecke: Schlossturm unter der Haube




„Dank unserer geräumigen Hallen und den leistungsstarken Krananlagen konnten wir jedoch auch außergewöhnlich große Komponenten herstellen.“ Doch schlussendlich mussten diese Bauteile der Haube, von der es mittlerweile sogar Gummibärchen gibt, transportierbar sein und in einem Verzinkereibecken Platz finden.
„All diese Faktoren erforderten Präzision und kreative Lösungen, die uns letztlich ermöglichten, ein reibungsloses und effizientes Produktionsverfahren zu gewährleisten.“ Einen künstlerischen, einmaligen Blickwinkel habe sein Team während des Fertigungsprozesses von den „Urban Sketchers“ bekommen, einer globalen Gemeinschaft von Künstlern.
Wir können erst dann wirklich sehen, wie es wirken wird, wenn das Gerüst weg ist und möglicherweise auch die Beleuchtung in Betrieb genommen worden ist.
Diese hätten beeindruckende Skizzen der Produktionsschritte angefertigt. Die resultierenden Kunstwerke fingen den industriellen Prozess sehr detailreich ein. Hahner hebt hervor, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt ohne entsprechendes Hintergrundwissen eigentlich kein endgültiges Urteil über das Ergebnis gefällt werden sollte.
„Wir können erst dann wirklich sehen, wie es wirken wird, wenn das Gerüst weg ist und möglicherweise auch die Beleuchtung in Betrieb genommen worden ist.“ Ein ästhetischer Eindruck allein könne, ohne die tiefere Symbolik zu verstehen, trügerisch sein. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die historischen Turmbauten, die einst in unserer Region existierten und durch deren stilisierte Nachbildung die Fantasie der Bürger angeregt werden soll.
Hahner schätzt den Ansatz, nicht nur historisch zu denken, sondern vielmehr eine künstlerische Vision in den Raum zu stellen. „Es ist eine gute Idee, diese Relikte aufzugreifen und den Menschen Raum zur Fantasie zu geben“, erklärt er, wobei er den Dialog, den dieses Projekt auslösen könnte, als besonders wertvoll erachtet.
„Es regen sich Gespräche, die ich grundsätzlich begrüße“, betont Hahner und unterstreicht die Bedeutung eines offenen Dialogs. Schon bei der Bildungsmesse Fulda 2023 hatten prominente Kreispolitiker, darunter IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt und die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, Gabriele Leipold, sowie weitere Stadt- und Kreispolitiker, am Messestand von Hahner Technik begeistert Miniatur-Modelle der Turmhaube zusammengebaut.
Miniatur-Modelle der Schlossturm-Haube erleben einen Hype
Das Motto dabei: „Handwerk meets Kunstwerk“ . Wohl kaum jemand hätte damals ahnen können, welche Bedeutung das Original später einmal erhalten würde. Aufgrund des derzeitigen Hypes und mit Blick auf das bevorstehende Event „Handwerk.Lokal.Erleben“ (21. und 22. September) sowie die Bildungsmesse Fulda (26. bis 28. September) entschloss sich Bernhard Hahner kurzerhand, 500 zusätzliche Montage-Sets zu fertigen.
Diese können die Besucher des Events in der Innenstadt kostenlos am Stand von Hahner Technik erhalten – vorausgesetzt, sie meistern den Zusammenbau der mittlerweile berühmten Turmspitze.“ „Die Miniatur-Turmhauben dürften weggehen wie warme Semmeln, zumal der Rekord beim Zusammenbau aus dem Vorjahr bei knapp unter einer Minute liegt“, vermutet Bernhard Hahner.
Video: Viel diskutierte Haube auf Fuldaer Schlossturm montiert
Das Team von Hahner Technik plant eine weitere Aktion: eine Anleitung und Unterstützung zum Bau einer Plätzchenform in der Form des Fuldaer Doms – ein kreatives Projekt, das sicherlich viele Backfreunde und Fulda-Fans begeistern wird. Die Formen können auf den Messeständen von Hahner Technik während der Veranstaltungen handwerk.lokal.erleben und Bildungsmesse selbst gebaut und mitgenommen werden.
Am Samstag – zwischen 14.30 und 15.30 Uhr werden außerdem Metallbauer-Azubis aus dem ersten Lehrjahr ihr frisch erworbenes Wissen am Stand der Metallinnung unter Beweis stellen, indem sie eine Metallrose formen. Dabei erhalten sie Unterstützung von „Igor Welder“, einem prominenten Influencer und erfahrenen Schweißexperten.
