VonTobias Farnungschließen
Mit Ernst Sporer (Grüne) hat sich der erste Fuldaer Stadtverordnete von seiner einstigen Stimmabgabe für die Krone auf dem Schlossturm distanziert. Heute würde er nicht mehr für das Projekt votieren, machte er in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung deutlich. Allerdings blieb er damit bislang der einzige.
Fulda - So unverblümt – und gleichzeitig selbstkritisch – wie Ernst Sporer hat sich bislang noch kein kommunalpolitisch Verantwortlicher in Fulda über die neue Krone auf dem Turm des Stadtschlosses geäußert. Der Grünen-Stadtverordnete jedoch wurde bei der Stadtverordnetenversammlung am Montag, 16. September, sehr deutlich: „Richtig ist, dass wir alle der Krone zugestimmt haben. Aber ich gebe zu, dass ich mich geirrt habe. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie schrecklich das ganze Ding am Ende tatsächlich aussieht“, sagte Sporer.
Fuldaer Stadtverordnete kritisieren Krone von Schlossturm scharf
„Und ich glaube, niemand der hier sitzt, kann ehrlichen Herzens sagen, dass es eine tolle Sache ist.“ Auch unter den Bürgerinnen und Bürgern erntete die Schlossturm-Haube viel Spott und Kritik.
Sporer betonte, dass die Krone alles andere als ein großer Wurf sei. „Seit ich gelesen habe, was unser Biennale-Preisträger Franz Erhard Walther von der Krone hält, bin ich überzeugt, dass wir mit dem Begriff ,Kunst‘ an dieser Stelle ganz vorsichtig umgehen sollten.“ Walther hatte die Krone gegenüber unserer Zeitung als „Lachnummer“ bezeichnet.
Sporer selbst bezeichnete die Krone als „M*ssgeburt“. Im Gespräch mit unserer Zeitung relativierte er diese Bezeichnung jedoch mit dem Hinweis, dass er damit keinen Menschen mit Geburtsfehler diffamieren wollte. Andere regionale Politiker äußerten ebenfalls ihre Meinung.
Video: Viel diskutierte Haube auf Fuldaer Schlossturm montiert
Doch was könnte die Konsequenz aus dem Eingeständnis, dass die Krone „schrecklich“ aussieht, sein? Vielleicht ein Rückbau? Laut Pressestelle der Stadt Fulda ist die Haube als reversible – also rückgängig machbare – Installation konstruiert. Sie sei aber ohne explizite zeitliche Befristung von der Bauordnungsbehörde genehmigt worden, so die Magistratspressestelle.
Ein Rückbau ginge indes auch Ernst Sporer zu weit. „Die Kosten, die dadurch zu den ohnehin angefallenen Kosten hinzukämen, sollten wir unbedingt vermeiden“, sagt er. Vielmehr könne man die Haube auf dem Turm als eine Art Mahnmal sehen.
Fotostrecke: Schlossturm unter der Haube




Sporers Worten vorangegangen war eine Anfrage der Stadtverordneten Ute Riebold, die unter anderem bemängelte, dass bei einer solch prägenden Entscheidung die öffentliche Meinung nicht stärker berücksichtigt worden sei. Diesem Ansinnen erteilte Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) eine Abfuhr.
„Sollte sich der Hinweis auf eine Volksabstimmung beziehen, die die künstlerische Ausprägung zu einer Art Volkskunst definieren soll, so muss hier klar gesagt werden, dass weder in der Kunst noch in einer repräsentativen Demokratie solche Elemente verankert sind“, antwortete Schreiner.
Fuldaer Stadtbaurat gegen Volksabstimmung zur Schlossturm-Haube
So werde beispielsweise ein Theaterprogramm oder ein Musical von entsprechenden Fachleuten entwickelt. Ein Fachbuch werde von einem Fachautor oder einer Fachautorin geschrieben. „Und eine Stahlkonstruktion wird eben von dafür eingeschalteten Architekten entwickelt“, so der Stadtbaurat. Es sei von Anfang an darum gegangen, die ursprünglichen Proportionen des Schlossturms zurückzugewinnen, sagte er.
