VonAnna Kirschnerschließen
Trump hat wieder gefordert, US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Auch Hessen könnte das betreffen. Doch wird das wirklich passieren?
Update von Mittwoch, 19. Februar, 14 Uhr: Wie die Deutsche Presse-Agentur meldet, hat die neue Trump-Administration derzeit keine konkreten Pläne, Soldaten aus Europa abzuziehen. „Es gibt im Moment keine Pläne, irgendwas zu kürzen“, sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Besuch des amerikanischen Militärs in Stuttgart Mitte Februar. Dennoch betonte er, dass weltweit die „Streitkräftelage“ überprüft werden müsse.
Aktuell sind etwa 37.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. In Hessen wären Abzugspläne nur noch für Wiesbaden relevant (siehe Erstmeldung). Trump forderte die anderen Nato-Staaten in den letzten Jahren mehrfach auf, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.
Die letzten US-Kasernen in Hessen stehen in Wiesbaden
Erstmeldung von Mittwoch, 29. Januar, 10.51 Uhr: Wiesbaden – Eigentlich wollte Donald Trump sie schon 2020 stark zusammenkürzen: die US-Truppen in Deutschland. In seiner ersten Amtszeit hatte er vor, rund ein Drittel der in Deutschland stationierten Truppen abzuziehen. Verbleiben sollten 24.000 Soldaten; 2022 waren noch 38.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Trumps Plan stieß in Europa auf starken Widerstand, die Pläne für den Abzug wurden dann von Joe Biden gestoppt.
Die verbliebenen US-Streitkräfte sind hauptsächlich in Rheinland-Pfalz untergebracht, aber auch in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen stationiert. Doch dabei könnte es nicht bleiben: Anfang 2025 erneuerte Trump nach seiner Wiederwahl seine Forderung. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA soll er planen, rund 20.000 amerikanische Soldaten aus Europa abzuziehen. Das wären rund 20 Prozent der aktuelle stationierten Streitkräfte. Hintergrund ist der Streit um die Militärausgaben der NATO-Staaten.
In Hessen ist die Forderung nur noch für Wiesbaden relevant, denn von zahlreichen Liegenschaften und Stützpunkten des US-Militärs sind nur noch zwei Orte übrig. US-Soldaten findet man nur noch in Wiesbaden. Die zweite Liegenschaft des US-Militärs in Hessen ist der „Dagger Complex“ in Griesheim bei Darmstadt. Er wird nur noch als Rechenzentrum genutzt. Die Belegschaft dieses Standorts, der zum Nachrichtendienstes NSA gehört, zog 2015 in das Consolidated Intelligence Center in der Wiesbadener Clay-Kaserne. Das Griesheim Family Housing mit 772 Wohneinheiten wurde ebenfalls 2015 aufgelöst.
US-Militär in Hessen: Diese Einrichtungen gibt es noch in Wiesbaden
In Wiesbaden gab es lange zahlreiche Einrichtungen des US-Militärs, von denen aktuell noch diese übrig sind (Stand: Januar 2025):
- Lucius D. Clay Kaserne: US-Hauptquartier der United States Army in Europa mit rund 4900 Soldaten
- Air Base Wiesbaden-Erbenheim
- Amelia Earhart Center mit Militärdienststellen (U.S. Army Corps of Engineers Europe)
- American Arms Hotel
- Aukamm Family Housing
- Aukamm Elementary School
- Crestview Family Housing
- Hainerberg Family Housing
- Hainerberg Elementary School
- Wiesbaden Middle School
- Wiesbaden American High Schoool
- DoDDS Germany Region HQ (Department of Defense Dependents Schools)
2021 bekannte sich das US-Militär unter Biden noch zum Hauptquartier der Heerestreitkräfte in Europa mit Sitz in Wiesbaden. Ein Grund war seine Größe: „Der Amelia Earhart Komplex bietet mehr als 13.000 Quadratmeter (140.000 square feet) Platz für administrative Zwecke. Die Aufrechterhaltung des Komplexes wird mit dem geplanten Wachstum und Kapazität an der Station Mainz Kastel und den Kasernen Hainerberg und Clay helfen“, hieß es in einer Pressemitteilung der „U.S. Army Europe and Africa“ im August 2021. Ob das unter Trumps neuerlichen Abzugsplänen so bleiben wird, ist noch offen.
Diese US-Militär-Standorte in Hessen wurden in den 2000er Jahren aufgelöst
In Hessen wurden zuletzt in den 2000er Jahren die Liegenschaften in Darmstadt, Frankfurt, Büdingen, Friedberg, Gießen, Hanau, Babenhausen, Gelnhausen und Kirch-Göns aufgelöst. Darunter waren Kasernen, die Armeedruckerei in Darmstadt und die Rhein-Main Air Base am Flughafen Frankfurt.
Bekannt war die Pioneer-Kaserne in Hanau-Wolfgang, in der zu Hochzeiten bis zu 16.000 Soldaten untergebracht waren. Seit 2017 wird die 50 Hektar große Fläche als Wohngebiet „Pioneer Park“ erschlossen. Auch in der ehemaligen Armstrong Kaserne in Büdingen entstehen auf 16 Hektar Wohnungen. In der Region berühmt ist auch die Ray Kaserne, in der Elvis Presley als Soldat untergebracht war. Dort will die Stadt die 74 Hektar zu einem neuen Stadtteil machen.
In der ehemaligen Pendleton Kaserne in Gießen leben inzwischen über 250 Menschen in 85 WGs und Sozialwohnungen. In Babenhausen stehen ganze 140 Hektar zur Verfügung. Ein großer Teil der unbebauten Fläche ist als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Dort leben in freier Wildbahn fast ausgestorbene Przewalski-Pferde. Aus der Coleman-Kaserne in Gelnhausen wurde unter anderem das Pflegeheim Colemanpark. (anki)
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