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Queeres Bündnis: Hessisches Genderverbot ist „unnötiger Kulturkampf“

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Ein queeres Bündnis und die GEW Hessen werfen der schwarz-roten Landesregierung vor, Fakten zu verdrehen. Der CDU-Sprech erinnere an die AfD.

Wiesbaden – Erst das Verbot des Genderns mit Sonderzeichen in den Abschlussprüfungen der Schulen, nun auch in allen Stellen der Landesverwaltung. Das queere Bündnis „Vielfalt für ein starkes Hessen“ und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen sehen darin einen „unnötigen Kulturkampf zu Lasten queerer Menschen“.

In einer am Dienstag verbreiteten Erklärung werfen das Bündnis von 29 queeren Organisationen und die GEW der schwarz-roten Landesregierung vor, zur Begründung der Genderverbote die Fakten zu verdrehen. So verweise die Landesregierung auf die Positionierung des Rats für deutsche Rechtschreibung. Dieser habe zwar festgestellt, dass Gendersterne noch nicht zum „Kernbestand der deutschen Orthographie“ gehören. Dass bei deren Verwendung in den Schulprüfungen schlechter benotet werden solle, sei aber eine Entscheidung der Schulpolitik, nicht des Rats.

Doppelnennung ignoriert nicht-binäre und diverse Menschen

Das Argument, ohne Gender-Sonderzeichen sei die Sprache verständlicher, sehen die Bündnispartner durch eine Untersuchung der TU Braunschweig widerlegt. Demnach sei die Verständlichkeit nicht beeinträchtigt, wenn die geschlechtergerechten Formen den gewohnten Formen ähnlich seien.

Genderneutrale Schreibweisen mit Doppelpunkt oder Asterisk sollen in hessischen Schulen und Behörden bald nicht mehr zulässig sein.

Dass das Gendern, wie von Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) angeführt, auch ohne Sonderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt möglich sei, gelte nur bedingt, heißt es in der Erklärung. Wenn in Formulierungen der Landesverwaltung künftig ausschließlich die männliche und weibliche Form verwendet würden, ignoriere dies Menschen, die sich nicht den beiden Geschlechtern zuordnen ließen.

Das Vorgehen der Landesregierung lenke von wichtigen Forderungen der queeren Community ab, kritisieren die Bündnispartner, zu denen Pro Familia, der Verein Vielbunt und die DGB-Jugend Südhessen gehören.

Auf CDU-Kanälen sei von „Irrsinn von Genderstern“ die Rede, Hessens Europaminister Manfred Pentz (CDU) rede mit Bezug auf Genderbefürworter von „Sprachpolizei“. Diese Art der Sprache erinnere an das „antifeministische und bei der (in Teilen) rechtsextremen AfD beliebte Narrativ des sogenannten Genderwahns“, kritisieren die Bündnispartner.

Rubriklistenbild: © dpa

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