VonChristoph Manusschließen
Wie kann die Wärmeversorgung in Frankfurt möglichst klimaneutral werden? Eine für die Stadt erstellte Konzeptstudie schlägt vor allem den massiven Ausbau des Fernwärmenetzes vor.
Frankfurt – Bei der geplanten Wärmewende in Frankfurt soll die Fernwärme eine Schlüsselrolle spielen. Nach einer Konzeptstudie zur Vorbereitung einer kommunalen Wärmeplanung gibt es die Chance, die CO2-Emissionen aus der Wärmeversorgung von Gebäuden in der Stadt bis zum Jahr 2035 im Vergleich zum Jahr 2019 um 80 Prozent zu senken. Dafür müsste nach Berechnungen des Wiener Büros E-Think Energy Research die energetische Sanierung von Gebäuden – oder deren Ersatz durch modernere Immobilien – deutlich intensiviert, das Fernwärmenetz stark ausgebaut und viel mehr erneuerbare Energie statt Erdgas oder gar Kohle in dieses eingespeist werden.
Der Leiter des städtischen Klimareferats, Hans-Georg Dannert, nannte es bei der Vorstellung des Papiers im Römer möglich, die Hälfte des Frankfurter Wärmebedarfs mit Fernwärme zu decken. Das wäre in etwa eine Verdopplung. Dafür müsste das Netz, das in den vergangenen Jahren bereits sukzessive gewachsen ist, allerdings noch sehr ausgebaut und verdichtet werden.
Großes Potenzial für dichteres Fernwärmenetz in zentralen Stadtteilen in Frankfurt
Besonders sinnvoll ist ein solcher Ausbau nach einer Potenzialkarte des von der Stadt beauftragten Büros in den zentralen, dicht besiedelten Stadtteilen, also etwa Westend, Nordend, Ostend, Sachsenhausen. Möglichkeiten sieht Büro auch in Stadtteilen mit loserer Bebauung, aber vielen Rechenzentren, deren Abwärme genutzt werden kann – zum Beispiel in Rödelheim, Sossenheim, Griesheim und Fechenheim. Wenig Chancen, an das Netz angebunden zu werden, dürften dagegen vor allem die Stadtteile ganz im Norden Frankfurts haben. Für diese sieht die Studie nur geringes Potenzial. Dort seien dezentrale Lösungen für eine Wärmewende sinnvoller, also etwa Wärmepumpen.
Der Ausbau des Fernwärmenetzes ist selbst für Frankfurter Verhältnisse eine riesige Investition. Alleine der mehrheitliche städtische Energieversorger Mainova rechnet mit Kosten von drei bis 3,5 Milliarden Euro. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bezeichnet den Umbau zu einer klimaneutralen Energieerzeugung denn auch als eine der größten und finanziell aufwendigsten Infrastrukturaufgaben der vergangenen Jahrzehnte.
Klimafreundliche Quellen sollen stärker für Fernwärme in Frankfurt genutzt werden
Für eine viel stärkere Nutzung von Fernwärme statt vor allem dezentrale Lösungen spreche, dass ein effizientes Fernwärmenetz in der Lage sei, kostengünstige und klimafreundliche Wärmequellen zu nutzen, hieß es am Donnerstagnachmittag. Eine größere Rolle als Energiequelle könnten außer Abwärme aus Rechenzentren in Frankfurt etwa Solarthermie, Wärme aus Flusswasser und oberflächennahe Geothermie spielen. Die Studie schlägt vor, ein Erdwärmepotenzialkataster zu erstellen und die Nutzungsaussichten verschiedener Abwärmequellen näher analysieren zu lassen.
Die Ergebnisse der Konzeptstudie sollen nun als Grundlage einer Magistratsvorlage zur Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung dienen. Einen solchen Plan müssen Großstädte nach einem Bundesgesetz, das am 1. Januar in Kraft treten soll, bis 30. Juni 2026 erstellen.
Stadt Frankfurt will eine Task Force kommunale Wärmeplanung gründen
Dannert und Heilig stellten am Donnerstag auf Fragen hin in Aussicht, dass es der Stadt Frankfurt schneller gelingen könnte, einen solchen „Fahrplan“ vorzulegen. Nach ihren Vorstellungen werden nun zunächst Ämter der Stadtverwaltung in einer noch zu gründenden Task Force dezernatsübergreifend an diesem Konzept arbeiten. „Wir wollen den Bürger:innen, den Unternehmen und Institutionen Klarheit über die Zukunft ihrer Wärmeversorgung geben, damit sie besser planen können, welche Investitionen in die Energieversorgung sich zu welchem Zeitpunkt lohnen“, sagte Heilig. Dannert schätzte, das könne vielleicht schon im kommenden Jahr geschehen.
