Die Nachfrage nach Büros in Frankfurt und Umland bleibt auf niedrigem Niveau. Unternehmen suchen zunehmend kleinere Flächen. Trotz Umnutzungen wächst der Leerstand.
In Frankfurt ist im vergangenen Jahr deutlich weniger Bürofläche neu vermietet worden als in den Jahren vor der Pandemie üblich. Maklerhäuser sehen den Umsatz bei knapp 360.000 bis gut 400.000 Quadratmetern. Vor fünf Jahren waren noch mehr als 630.000 Quadratmeter Fläche neu vermietet worden.
Das schwache Jahresergebnis auf dem Büromarkt sei angesichts einer Gemengelage aus wirtschaftlichem Einbruch, hoher Inflation und hohen Zinsen, politischer Unsicherheit sowie Fachkräftemangel keine Überraschung, sagt Martin Angersbach vom Maklerhaus Nai Apollo. Unternehmen suchen nach Zahlen von Marktbeobachtern zudem zunehmend kleinere Flächen als früher. Großvermietungen von mehr als 10.000 Quadratmetern gibt es selbst im wirtschaftlich sehr starken Frankfurter Marktgebiet derzeit kaum noch. Noch der größte Deal waren die rund 12.500 Quadratmeter Fläche, die sich die Deutsche Wertpapierbank im Projekt Phoenix in Eschborn sicherte.
Makler sehen keinen Abschied vom Büro - aber Trend zu kleineren Flächen
Selbst diese Anmietung zeigt nach Aussage des Maklerhauses Blackolive den Trend zur Flächenverkleinerung. Das Unternehmen belege schließlich im bisherigen Gebäude an der Bockenheimer Warte in der Frankfurter Innenstadt mehr Fläche als im Neubauvorhaben. Geschäftsführer Kevin Nguyen geht bereits davon aus, dass sehr hohe Flächenumsätze wie in den Jahren bis 2020 bis auf weiteres nicht zu erwarten sind. „Unternehmen werden weiterhin Büros haben, und Arbeiten wird auch in Zukunft in den seltensten Fällen ausschließlich aus dem Homeoffice erfolgen, aber insgesamt wird flächensparsamer geplant.“
Angesichts der derzeit verhaltenen Nachfrage nach Büroflächen wird die Umwandlung solcher Immobilien wieder ein großes Thema – in Wohnraum, Hotels und inzwischen auch Schulen. Die Stadt hat erst vor wenigen Wochen die bislang von der Commerzbank genutzten „Lateral Towers“ am Industriehof angemietet, um in dem 46.000 Quadratmeter großen Komplex zwei Gymnasien zu schaffen. Da weitere Schulen fehlten, werde das wohl nicht die letzte Anmietung dieser Art sein, schätzt man bei Blackolive.
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Fast jeder zehnte Quadratmeter Bürofläche in Frankfurt steht leer
Trotz solcher Umwandlungen stehen mehr als eine Million Quadratmeter Bürofläche im Frankfurter Marktgebiet leer. Das ist fast jeder zehnte Quadratmeter. Obwohl das Baugeschehen stagniert und in den nächsten Jahren weniger neue Fläche auf den Markt kommt als einst geplant, rechnen mehrere Maklerhäuser zunächst mit einem weiteren Anstieg.
Die Entwicklung verläuft allerdings sehr unterschiedlich. Gefragt dürften nach Einschätzung der Maklerhäuser insbesondere moderne Büros im Bankenviertel und in anderen zentralen Lagen bleiben. Für diese werden in der Spitze Mieten von mehr als 45 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Objekte mit schlechter Energiebilanz und schlechteren Lagen zu vermieten, wird dagegen, so etwa die Einschätzung von Nai Apollo, immer schwieriger. (Christoph Manus)