VonOliver Teutschschließen
Die Stadt hat die Problemzone am Bahnhof ordentlich aufgehübscht. Zwei Kioske sollen für Belebung sorgen, Halteverbote die Autos verdrängen.
Frankfurt – Die Szenerie wirkt fast unwirklich. Wo kürzlich noch Dutzende E-Roller herumlagen, stehen jetzt Liegestühle. Wo die Polizei mit Drogenabhängigen rangeln musste, stehen Blumenkübel und zwei Kioske. Rechtzeitig vor der Fußball-Europameisterschaft hat die Stadt die Ankündigungen aus dem April umgesetzt, und den Kaisersack, der nun Kaisertor genannt werden soll, salonfähig gemacht. Nazim Alemdar, der Vorsitzende des Gewerbevereins Bahnhofsviertel, wollte angesichts der schönen Bilder gar nicht viele Worte verlieren: „Wir sind echt sehr glücklich.“
Es war dann an Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP), all jene zu loben, die sich bei der Umsetzung verdient gemacht haben. Zu allererst der Gewerbeverein selbst: „Ihr seid die Seele dieses Viertels.“ Der Gewerbeverein hat die Anstöße zu den Veränderungen gegeben. Dazu gehören auch die beiden Food-Container, die jetzt im Kaisersack zum Verweilen einladen sollen. Wer vom Hauptbahnhof Richtung Kaiserstraße läuft, stößt direkt auf einen kleinen Verkaufskiosk, in dem es Eis und Kaffee gibt. Kurz dahinter steht ein mit Grünpflanzen geschmückter Container, in dem es Sandwichs und Getränke aller Art gibt.
Kiosk-Angebot am Kaisersack zunächst bis Ende des Jahres geplant
Geöffnet sein sollen die Kioske täglich von etwa 11 bis 19 Uhr, sagte Betreiber Marc Frantz. Der Gastronom hatte im vergangenen Jahr auch schon den Getränkestand auf dem Francois-Mitterand-Platz betrieben. Dort sei es aber „wirtschaftlich schwierig“ gewesen. Die umliegenden Büros seien wegen der Möglichkeit des Home-Offices montags und freitags leer gewesen, von der Nachbarschaft sei das Angebot auf dem weitläufigen Platz nicht angenommen worden. Im Kaisersack gibt es sicherlich mehr Laufkundschaft, aber auch dort wird das Angebot nicht von Dauer sein. Zwar versprach Dezernentin Wüst, das Angebot werde es über die EM hinaus geben, aber zunächst mal auch nur bis zum Jahresende. Der Grund dafür ist die Baustelle der Deutschen Bahn, die noch bis Ende 2025 andauern soll. „Bis das beendet ist, wird das Angebot vorläufig sein“, so Frantz.
Zumindest während des am Freitag beginnenden Turniers soll der Aufgang in die B-Ebene geöffnet sein. Am Mittwoch wurde dort noch emsig gearbeitet, die monströse Einhausung mit Stacheldraht, die das Areal zuvor verschandelte, ist aber bereits weitgehend abgebaut.
Um den oberen Bereich der Kaiserstraße für die Menschen lebenswerter zu machen, ist auch das Verkehrsdezernat tätig geworden. Seit Mittwoch gilt in dem Bereich bis zur Moselstraße ein absolutes Halteverbot. Bis sich in dem Areal so etwas wie die angedachte Fußgängerzone entwickeln kann, werde aber noch etwas Zeit vergehen, verriet Verkehrsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne). Denn zunächst mal müsse das Gebiet verkehrstechnisch umgewidmet werden. Das dauere etwa ein Jahr. Erst dann könne die Einfahrt in das Areal verboten werden. Bis dahin sollen die Halteverbotsschilder helfen, Parkplatzsuchenden gar keine Anreize mehr zum Einfahren zu bieten. Dort wo die Autos parkten, wird es Platz für mehr Außengastronomie und auch Toiletten geben. Die sollen noch vor EM-Beginn kommen, so Eduard Singer vom Stadtmarketing.
