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Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket will die Stadt Frankfurt das Bahnhofsviertel und insbesondere den Kaisersack aufwerten.
Frankfurt – Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket will die Stadt Frankfurt die Situation im Bahnhofsviertel spürbar verbessern. Gleich sieben Dezernate präsentierten am Dienstag (16. April) im Rahmen des Dialogforums Bahnhofsviertel ihre Ideen für eine Verbesserung der Situation. Besonders im Fokus steht dabei das Ende der Kaiserstraße, bislang allgemein als Kaisersack bekannt.
Als erste Maßnahme wurde das Areal begrifflich aufgewertet und zumindest die sieben Magistratsmitglieder sprachen alle durchgängig vom „Kaisertor“. Schließlich, so begründete es Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP), sei das Areal ja auch „das Eingangstor zur Stadt“. Mit der nahenden Fußball-EM habe das Maßnahmenpaket im Übrigen nichts zu tun, versicherte Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Die Anstrengungen zur Aufwertung des Viertels sollten auch nach der Europameisterschaft fortgesetzt werden, so der OB.
Die vorgestellten Maßnahmen für das Frankfurter Bahnhofsviertel
Aufwertung: Der Kaisersack soll zur Fußgängerzone umgewidmet werden. Der entsprechende Antrag für das Verfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt läuft bereits. Mit einer Genehmigung wird Ende des Jahres gerechnet. Schon vorher soll der Bereich zur Halteverbotszone werden, um mehr Platz für Passant:innen zu schaffen und die Aufenthaltsqualität zu erhören. Die dadurch neu gewonnene Fläche soll der Gastronomie zur Verfügung gestellt werden. Um das gesamte Quartier räumlich aufzuwerten, stellt das Planungsdezernat 80 000 Euro zur Verfügung. Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität werden mit etwa je 3500 Euro unterstützt. Ab 2025 soll zudem ein Förderprogramm gestartet werden, das sich auf Erdgeschosszonen konzentriert und Eigentümer:innen bei der Umsetzung von Verbesserungen unterstützen soll.
Sicherheit: Polizei und Stadt werden ihr Personal noch einmal aufstocken. Im Bereich des Kaisersacks soll nun Tag und Nacht eine Fußstreife für Sicherheit sorgen. Zudem wird die Kameraüberwachung noch einmal intensiviert; zunächst ab Mai mit zwei weiteren Standorten – im Kaisersack und in der Taunusstraße. Ab Herbst soll es dann einen dritten städtischen Standort geben. Auch die Polizei will drei weitere Kameras im Bahnhofsviertel in Position bringen, auch über die Euro 2024 hinaus, betonte Polizeipräsident Stefan Müller. Zudem erhält das Bahnhofsviertel spätestens zum 1. August einen weiteren Schutzmann vor Ort und ist damit das einzige Quartier in Frankfurt, das gleich zwei Kontaktpersonen der Polizei hat.
Bahnhofsviertel: E-Scooter sollen in bestimmten Zonen abgestellt werden
Verkehr: Eine Umfrage im Viertel ergab, dass insbesondere dieses Thema als dringliches Problem gesehen wird. Um die Behinderungen durch E-Scooter zu reduzieren werden 100 verpflichtende Abstellflächen eingerichtet. Zudem sollen 165 Fahrradbügel und 75 Lieferzonen das Angebot für Fahrrad- und Lieferverkehr verbessern. Mittelfristig soll der Verkehr im Hinblick auf den Umbau der Straßenbahnhaltestellen vor dem Hauptbahnhof klarer strukturiert werden. Die Münchner Straße soll dem öffentlichen Nahverkehr vorbehalten werden, die Kaiserstraße dem Fuß-, die Taunusstraße dem Radverkehr.
Sauberkeit: Die städtische FES reinigt das Bahnhofsviertel zwar quasi schon rund um die Uhr, soll ihre Bemühungen ab dem 1. Mai aber noch einmal verstärken. Die Teams der Reinigung und der Entsorgung werden dann vernetzt zusammenarbeiten. Die Arbeitseinsätze der FES-Beschäftigten in der Früh- und Spätschicht sollen in diesem Zug verstärkt werden. Das Personal der Reinigungstruppe in der Spätschicht soll sogar von vier auf acht verdoppelt werden. Bis Juni werden zudem drei neue öffentliche Toiletten im Viertel installiert. Öffentliche Unisex-Toiletten soll es dann in der Niddastraße gegenüber der Hausnummer 37, in der Moselstraße auf Höhe Hausnummer 53 sowie eine größere barrierefreie Toilette in der Kaiserstraße Höhe Hausnummer 62-64 geben.
Gesundheit: Schwerbehinderte Drogenabhängige werden derzeit schon aus dem Bahnhofsgebiet in festen Unterkünften untergebracht und versorgt. Dadurch habe sich der Gesundheitszustand dieser schwerkranken Menschen deutlich verbessert. Die Zuschussmittel für sämtliche Einrichtungen der Drogenhilfe werden um insgesamt etwa zwei Millionen Euro aufgestockt. Damit könnten die Öffnungszeiten von Einrichtungen und die Präsenz von Streetworker:innen ausgeweitet werden. Zudem arbeitet die Stadt an der Errichtung eines Suchthilfe-Zentrums. In einem Modellprojekt mit dem Bundesgesundheitsministerium ist geplant, auch die Behandlung von Crack-Abhängigen zu verbessern. Um die wilde Ausgabe von Essen einzuschränken, werde dafür ab kommenden Samstag ein zentraler Ort angeboten.
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