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In Kassels Markthalle wird umgebaut. Das führt vereinzelt zu Kontroversen. Ein beliebter Gastro-Stand hat deswegen nun geschlossen.
Kassel – Vielen Kunden in der Markthalle ist es schon aufgefallen: Das Bistro „Zum Käpt‘n“ im Untergeschoss des Marstalls ist seit Anfang des Monats geschlossen. Inhaberin Beate Schröder, die angrenzend noch einen Fischverkauf und einen weiteren Stand mit fertig gekochten Speisen betreibt, hat die im Zentrum gelegene Gastronomiefläche nach 26 Jahren aufgegeben.
Hintergrund sind die laufenden Umbauarbeiten im Marstall, die auch das beliebte Bistro betreffen – ebenso wie das direkt darüber gelegene Café Markttreff. Im heutigen Küchenbereich beider Gastronomien soll ein alter Fahrstuhlschacht entfernt werden, was sich bis unters Dach des historischen Marstallbaus auswirkt. In diesem Zuge sollen die beiden Gastro-Flächen neu zugeschnitten werden. Für das Café Markttreff ist schon länger klar, wie das aussehen wird: Eine neue Küche kommt auf die gegenüber liegende Seite, der Raum für Tische und Stühle wird damit großzügiger.
Wirtin in Markthalle Kassel: Wirtschaftlich und organisatorisch „funktioniert das für mich nicht“
Die „Käpt‘n“-Wirtin indes ist mit den Planungen für ihre Fläche nicht einverstanden gewesen und kritisiert das Vorgehen der Markthallenbetreiber. „Das funktioniert für mich nicht“, sagt Schröder und meint: wirtschaftlich nicht und organisatorisch nicht. Zum einen würde während der Umbauphase ihre Küche wegfallen – das Café oben könne seine aber nutzen, bis eine neue gebaut sei. Sie verstehe nicht, so die Wirtin, dass bei ihr nicht nach gleichem Konzept gebaut werde.
Zum anderen ziehe der Umbau einen neuen Pachtvertrag nach sich, der erheblich teurer sei als der bisherige. Die neuen Bedingungen habe sie im Januar vorgelegt bekommen. Als sie sich nicht gleich entschlossen habe, sei Ende Februar die Kündigung für die Bistro-Fläche zum 31. März gekommen. Laut HNA-Anfrage bei der Markthallen-GmbH soll die neue Bistro-Fläche etwa doppelt so viel kosten, wie Beate Schröder bisher bezahlt hat. Die sagt: „Das kann ich nicht einspielen.“
Pachtkosten für Betreiber in der Kasseler Markthalle sehr unterschiedlich
Wie beide Seiten bestätigen, ist der von Schröder als Gastraum genutzte Bereich zwischen Fischstand und Bistro bisher allerdings mietfrei gewesen – eine alte Vereinbarung, als die Markthalle noch unter anderer Leitung stand. Matthias Tunnemann von der Markthallen-GmbH sagt, aus dieser Zeit her fielen die Pachtkosten von langjährigen Betreibern sehr unterschiedlich aus: „Das reicht von acht bis 23 Euro je Quadratmeter.“
Seit einiger Zeit werde dies bei gegebenen Anlässen „angeglichen“; das gebiete schon die Gleichbehandlung der Händlerschaft. „Wir erhöhen aber nicht generell die Mietpreise in der Halle“, macht Tunnemann geltend. Beim Bistro von Beate Schröder habe man mit neuen Tarifen „bewusst“ gewartet, da ein Umbau absehbar war. Dieser werde eine neue Küchentechnik und eine attraktivere Gastro-Fläche mit sich bringen, das müsse sich auch im Pachtpreis widerspiegeln.
Die neue Küche Im Untergeschoss solle im Bereich zwischen Fischstand und Bistro entstehen, so der Vermieter. Wegen baulicher Zwänge sei es nicht möglich, dies so zu lösen wie beim Café oben. Man habe der Betreiberin als Kompensation angeboten, einen leeren Marktstand links neben ihrer „Käpt‘ns Landpartie“ zurückzubauen, um dort noch Sitzgelegenheiten zu schaffen.
Markthallenbetreiber in Kassel hat schon Interessenten
Tunnemann verweist auf „mindestens drei Gesprächstermine“ seit letztem Jahr, aus denen die Markthallenbetreiber den Eindruck mitgenommen hätten, „dass Einigkeit über das Umbaukonzept besteht“. Da aber in der Folgezeit „keinerlei Rückmeldung“ seitens der Standbetreiber gekommen sei, habe man den Mietvertrag zum Ende März kündigen müssen, damit es mit den Bauarbeiten im Marstall weitergehen könne.
Das sei nicht als letztes Wort zu verstehen. Betreiberin Schröder habe nach wie vor die Möglichkeit, ihren Stand wieder zurückzumieten, sagt Tunnemann. Es gebe Interessenten, die in der Markthalle Gastronomie anbieten wollen. Man habe die Suche nach Nachmietern bisher „nicht forciert“, werde das aber gegebenenfalls nun in Angriff nehmen.
Beate Schröder sagt, sie habe „keine andere Wahl“, als sich von ihrem Bistro zu verabschieden, weil sie nicht absehen könne, was durch den Umbau auf sie zukommt: „Ich kann nicht ins Blaue hinein etwas unterschreiben, das ich dann nachher nicht bedienen kann.“ Mit ihren beiden anderen Ständen will sie in der Markthalle weitermachen. „Ob das wirtschaftlich funktioniert, wird sich zeigen.“ Aus gesundheitlichen Gründen hat hingegen Gemüsehändlerin Petra Schminke die Kasseler Markthalle nach 45 Jahren verlassen.
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