VonChristoph Manusschließen
Die Zahl der Sozialwohnungen in Frankfurt hat einen neuen Tiefstand erreicht. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Denn Tausende Bindungen laufen in den nächsten Jahren aus.
Wer in Frankfurt eine Sozialwohnung sucht, muss weiterhin mit jahrelangen Wartezeiten rechnen. Das Amt für Wohnungswesen hatte Ende vorigen Jahres, wie berichtet, nur noch für 28.981 Wohnungen Belegungsrechte. Das ist ein neuer Tiefstand. Nach einem nun vorgelegten Magistratsbericht ist im vergangenen Jahr sogar die Zahl der Wohnungen für Haushalte mit etwas höheren Einkommen, die sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt hatte, auf 4874 leicht gesunken.
Zwar ging zuletzt auch die Nachfrage leicht zurück. Ende 2022 waren 20.991 Menschen in 7850 Haushalten als suchend registriert, etwas weniger als in den Vorjahren. Das Amt konnte allerdings nur 1590 Haushalten eine Sozialwohnung vermitteln, auch wegen der geringen Fluktuation. Besonders lange müssen Familien mit mehreren Kindern warten. Ende des Jahres waren 1611 Haushalte mit fünf oder mehr Personen als wohnungsuchend registriert, lediglich 68 konnte das Wohnungsamt helfen.
Allein dieses Jahr fallen mindestens 557 Wohnungen in Frankfurt aus der Bindung
Die Lage dürfte sich nicht so schnell verbessern. Zwar lässt die Stadt ihre Wohnungsgesellschaft seit einigen Jahren deutlich mehr Sozialwohnungen bauen und hat private Investoren verpflichtet, in neuen Baugebieten zu 30 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen. Unter den 2951 Wohnungen, die 2022 in Frankfurt fertig wurden, waren trotzdem nur 160 Sozialwohnungen und 91 Wohnungen des zweiten Förderwegs für höhere Einkommen.
Die Stadt kauft zudem in großem Stil Belegungsrechte auf. All das wird aber aller Voraussicht nicht ausreichen, um den Schwund an Sozialwohnungen auszugleichen. Schon dieses Jahr könnten nach Zahlen des Wohnungsamts mindestens 557 Wohnungen ihre Sozialbindung verlieren. Für 2024 bis 2027 rechnet es damit, dass mindestens 2788 aus der Bindung fallen.
Planungsdezernent Gwechenberger will längere Bindungsfristen erreichen
Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) hält deshalb längere Bindungsfristen für Sozialwohnungen für nötig. Darüber spreche er mit den großen Wohnungsbaugesellschaften wie der ABG, sagte er im Sommer in einem FR-Interview. Damals zeigte er sich zuversichtlich, dass sich die Lage bald auch durch Neubau verbessere. Zurzeit seien 5000 Wohnungen im Bau, hieß es, davon seien 30 Prozent geförderte Wohnungen. Um eine Kehrtwende zu schaffen, hat das Stadtparlament den Magistrat zudem aufgefordert, höhere Sozialquoten bei der ABG durchzusetzen – sie soll künftig zu 60 Prozent gefördert bauen, davon zu zwei Drittel Sozialwohnungen.
