Rekordjahr seit Beginn der Zählungen

„Außergewöhnlich häufig“: Süße Nordsee-Säuger immer öfter in Weser und Elbe unterwegs

  • schließen

In Weser und Elbe wurden im Frühjahr ungewöhnlich viele Schweinswale gesichtet – etwa fünf- bis zehnmal so viele Tiere wie in den Vorjahren, ein Rekord.

Stadland – In den Flüssen Weser und Elbe wurden im Frühjahr nicht nur „Gurkenfische“ gesichtet, sondern auch ungewöhnlich viele Schweinswale. Es seien fünf- bis zehnmal so viele Tiere gesichtet worden wie in den Vorjahren, so die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz mit, ein Rekord seit Beginn der Aufzeichnungen.

Auch in der Ems seien zuletzt besonders viele Schweinswale unterwegs gewesen. Die Entwicklung liefere wichtige Erkenntnisse für den Artenschutz und über den Zustand der Gewässer. Zuletzt hatten Umweltschützer ein Fischsterben in der Elbe befürchtet. Dieses könnte nun ein positives Signal sein.

In Weser und Elbe wurden im Frühjahr ungewöhnlich viele Schweinswale gesichtet – etwa fünf- bis zehnmal so viele Tiere wie in den Vorjahren. (Archivfoto)

Rekord in Elbe, Weser und Ems: So viele Schweinswale wie nie

„Der April 2024 war in Weser und Elbe seit Beginn unserer Messungen ein absolutes Rekordjahr. Im Vergleich zu den Vorjahren wurden dort fünf- bis zehnmal häufiger Schweinswale detektiert“, berichtet Thomas Taupp, Ökologe von der BfG. Die süßen Nordsee-Säuger schwimmen meist nahe der Wasseroberfläche, darum kann man sie mit etwas Glück an ihrer Rückenflosse erkennen und beobachten. Das Monitoring jedoch erfolgte mit Hydrophonsystemen, also „Unterwassermikrofonen“.

Ursachen unklar: Unterwassermikrofone erfassen Rekordzahl an Schweinswal-Lauten

Diese registrierten Schweinswallaute im diesjährigen Frühjahr in der Weser bei Stadland in 33 Prozent der Stunden, in der Elbe bei Wedel sogar in 44 Prozent der Stunden, so die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). „Warum es zu diesem Anstieg der Häufigkeit im Vergleich zu den Vorjahren kam, ist unklar“, erklärt Taupp gegenüber kreiszeitung.de von IPPEN.MEDIA.

Grundsätzlich seien Schweinswale nur dort anwesend, wo es genügend Beute – typischerweise Fische bis etwa 30 Zentimeter Länge – gebe, da Schweinswale einen relativ hohen Energiebedarf haben und regelmäßig fressen müssen, so der Wissenschaftler. Man könne also daraus folgern, dass über einen längeren Zeitraum an den Messstationen genügend Beutefische vorhanden gewesen sein müssen: „Dies sehen wir auch in unseren Daten, aus denen wir Jagdverhalten ableiten können“.

Süße Nordsee-Säuger immer häufiger in Weser und Elbe: Rekordzahlen bei der Überwachung

Normalerweise leben die Delfin-ähnlichen Tiere, die bis zu 1,60 Meter lang und 90 Kilogramm schwer werden, in der Nordsee, sowie an der Nordsee-Küste im Wattenmeer. Doch im Frühjahr, insbesondere im April, sind die Schweinswale regelmäßig nicht nur in Nordseeorten zu beobachten, sondern dringen vermehrt auch in die Flüsse Elbe, Weser und Ems vor, um dort nach Beute zu suchen. Der Stint, ein kleiner Wanderfisch, zieht zu dieser Zeit in die Flüsse, um zu laichen – eine Gelegenheit, die die Schweinswale nutzen.

Schweinswale auf neuen Wegen: Immer mehr Sichtungen in Weser und Elbe

Seit mehreren Jahren überwachen die BfG und WSV die Schweinswale, die entweder alleine, paarweise oder in kleinen Gruppen reisen, an festen Messstationen. Erstmals konnten in der Ems Schweinswale auch oberhalb des Emssperrwerks bei Terborg nachgewiesen werden. Dies zeigt, dass die Tiere in der Lage sind, das Sperrwerk stromaufwärts zu durchqueren – ein wichtiger Hinweis für zukünftige Schutzmaßnahmen.

Rubriklistenbild: © Imago/Imagebroker

Kommentare