VonFabian Raddatzschließen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich grundsätzlich offen für eine Absenkung des strengen Schutzstatus des Wolfes gezeigt. Werden in der EU Wölfe künftig stärker bejagt?
Brüssel/Hannover – EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) zeigt sich offen gegenüber eines weniger strengen Schutzstatus des Wolfes. „Es ist richtig, dass die gefährdete Art geschützt werden muss. Aber wenn in bestimmten Regionen die Art nicht mehr gefährdet ist, müssen wir auch anders mit dem Wolf umgehen und ihn zum Beispiel bejagen“, sagte sie am Dienstag nach einer gemeinsamen Sitzung mit dem bayerischen Kabinett in München. Zwar sei der Schutz des Wolfes völkerrechtlich geregelt und dieser basiere auf den vorgelegten Zahlen zur Populationsentwicklung der Wölfe, es müsse aber auch die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort beachtet werden.
Es sei naheliegend, „dass die Populationsdichte des Wolfes im Ruhrgebiet anders ist als in den ländlichen Regionen in Bayern oder zum Beispiel in Niedersachsen“, sagte von der Leyen. Die EU-Kommission werde eine andere Herangehensweise vorschlagen, derzeit laufe aber noch die entsprechende Datensammlung aus den Mitgliedsstaaten. „Wir wollen detaillierter heruntergebrochen auf die Regionen die Zahlen und Daten haben, damit wir ein klareres Bild auch kriegen, wie die Realität vor Ort aussieht.“ Von der Leyen appellierte an alle EU-Staaten, die Daten zu den Wölfen zu übermitteln, „damit wir dann auch die Auslegung der Gesetze anpassen können“.
EU treibt Pläne zum Wolf voran: Tiere haben hohen Schutzstatus
Bisher genießen Wölfe in Europa einen hohen Schutzstatus, sowohl nach Bundes- als auch EU-Recht. In einigen Regionen Europas, darunter auch in Bayern, wird der Schutzstatus aber aufgrund größerer Populationen angezweifelt und in der Folge auch eine Absenkung des Schutzstatus gefordert. Bayern hatte zum 1. Mai eine eigene Verordnung erlassen, die einen leichteren Abschuss von Wölfen erlaubt. Etwa dann, wenn sie sich Menschen auf unter 30 Meter nähern oder wenn sie über mehrere Tage in einem Umkreis von weniger als 200 Metern von geschlossenen Ortschaften, Gebäuden oder Stallungen gesehen werden. Auch in anderen europäischen Regionen wie Tirol sind bereits Sonderregeln zum Abschuss des Wolfes in Kraft.
Gegen die Regelung hat der Bund Naturschutz in Bayern Klage eingereicht – er fordert die Aufhebung der Regelung und pocht auf eine Fortführung des Schutzstatus. Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem ein Wolf wegen der Neuregelung in Bayern abgeschossen wurde.
Nach dem Tod ihres Ponys „Dolly“: Ursula von der Leyen lässt EU-Wolfsrecht prüfen
Nachdem ihr Pony „Dolly“ einem Wolf zum Opfer gefallen ist, hat von der Leyen bereits das EU-Wolfsrecht überprüfen lassen. Es war Niedersachsens Problemwolf Nummer eins, GW950m, der „Dolly“ totbiss. Dem Raubtier werden 26 Vorfälle zugerechnet, bei denen mehr als 70 Tiere gerissen wurden.
Belege gibt es dafür nicht, dass Ursula von der Leyen aufgrund des Todes ihres Ponys zu dieser Ansicht kommt. Es dürfte aber weiterer Zündstoff für die Debatte sein. Auf dem Anwesen der EU-Kommissarin in Beinhorn (Burgdorf) bei Hannover war es zu der tödlichen Wolfsattacke gekommen. Das 30-jährige Pony der EU-Kommissionspräsidentin, „Dolly“, wurde von dem Raubtier angefallen und erlag nach einem langen Kampf seinen Verletzungen, heißt es.
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