Gibt es im Rotenburger Wahlkreis wenigstens ein echtes Duell?

+
Wer ergattert aus dem Wahlkreis einen Sitz im 21. Bundestag? Das Rennen um die Plätze auf dem Wahlzettel ist eröffnet.
  • schließen

Am 23. Februar soll ein neuer Bundestag gewählt werden. Die Kandidaten im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ bringen sich in Position. Muss Platzhirsch Lars Klingbeil etwas befürchten?

Rotenburg – Einer gegen alle, eine klare Geschichte oder doch wieder ernsthafte Konkurrenz, vielleicht sogar eine Art Duell auf Augenhöhe, wie es eins viele Jahre im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ war? Wenn am 23. Februar ein neuer Bundestag gewählt wird, sind die Rollen klar verteilt: Lars Klingbeil (SPD) aus Munster ist der Platzhirsch und will das Direktmandat zum dritten Mal in Folge als Sieger mit den meisten Erststimmen holen. War es 2009 und 2013 noch der Rotenburger Reinhard Grindel (CDU), dem sich der damals junge, aufstrebende SPD-Politiker aus dem Heidekreis geschlagen geben musste, setzte sich Klingbeil 2017 gegen Grindels Nachfolgerin Kathrin Rösel mit fünf und 2021 gegen CDU-Herausforderer Carsten Büttinghaus mit über 21 Prozentpunkten Vorsprung durch. Mit Klingbeils innerparteilichem Aufschwung wuchs seine Dominanz im Wahlkreis. 2021 hatte er als Generalsekretär einen Wahlkampf organisiert, der überraschend doch Olaf Scholz zum Kanzler gemacht hat, nur Monate später wurde er zum Co-Parteichef gewählt – mit 43 zum jüngsten in der langen Geschichte der Sozialdemokraten.

Der Platzhirsch: SPD-Chef Lars Klingbeil möchte das Direktmandat im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“ zum dritten Mal in Folge direkt gewinnen.

Doch sind die Rollen im Februar 2025 noch weiter so klar verteilt? Zumindest im Rotenburger Bereich des Wahlkreises hat Klingbeil auch schon bei den vorangegangenen Wahlen nicht immer die Nase vorn gehabt. Bei aller Diversifizierung der Parteienlandschaft dürfte für diese Wahl seine größte Konkurrentin wieder aus der CDU kommen: Die 30-jährige Vivian Tauschwitz aus Bispingen hat bei den Christdemokraten bislang zwar keine größeren Ämter bekleidet, die Partei ist aber überzeugt von der Soldatin als Kandidatin: „Lars Klingbeil ist als Bundesvorsitzender der SPD eines der maßgeblichen Gesichter der gescheiterten Ampel und trägt Verantwortung für die schlechte Politik der Bundesregierung. Das nehmen natürlich auch die Menschen vor Ort zur Kenntnis. Daher schätzen wir Vivians Chancen, frischen Wind in den Wahlkreis zu bringen, als gut ein“, sagt Rotenburgs CDU-Kreisgeschäftsführer Jens Richter. Die CDU hat bislang als einzige Partei offiziell eine Kandidatin nominiert – bereits im September.

Klingbeils größte Konkurrentin? Noch hat Vivian Tauschwitz keine größeren Ämter bei der CDU inne. Michael Krüger

Dass sich die Sozialdemokraten im Heidekreis und Kreis Rotenburg für einen anderen Kandidaten als Klingbeil aussprechen, wäre eine krachende Schlagzeile – ist aber wohl auszuschließen. An diesem Freitagabend treffen sich die Kreisvorstände in Soltau zur Beratung, beim Nominierungsparteitag am 13. Dezember in Krelingen wird der Bundestagskandidat dann offiziell gewählt, heißt es. Klingbeil selbst hatte im Interview mit der Kreiszeitung in der vergangenen Woche noch einmal unterstrichen: „Ich habe meine Kreisvorsitzenden informiert, dass ich wieder antreten möchte. Ich möchte gerne meine Arbeit für meine Heimat weitermachen. Ich habe noch Lust und Energie und möchte den Weg weitergehen.“

Offiziell noch keine Termine

Offiziell gibt es noch keine Termine, die es bis zu einer vorgezogenen Bundestagswahl einzuhalten gibt. Diese muss im Dezember durch das politisch vereinbarte Misstrauensvotum ja auch erst einmal eingeleitet werden. Dennoch bereitet sich die Kreiswahlleitung im Heidekreis natürlich darauf vor. „Die Termine werden nach der Auflösung des Bundestages durch das Innenministerium per Verordnung festgelegt, die Fristen sind jedenfalls deutlich kürzer, als sie es im Fall einer regulären Wahl wären. Ich gehe derzeit von einem Termin Mitte Januar aus“, so Landrat Jens Grote (parteilos) zur Meldung möglicher Wahlkreiskandidaten.

Die Wahl 2021

Sieben Direktkandidaten gab es am 26. September 2021 auf den Stimmzetteln im Wahlkreis „Rotenburg I - Heidekreis“. Diese verteilten sich prozentual so:

1. Lars Klingbeil (SPD) 47,62 %

2. Carsten Büttinghaus (CDU) 26,35 %

3. Michael Kopatz (Grüne) 8,08 %

4. Volker Körlin (AfD) 7,39 %

5. Alexander Künzle (FDP) 5,92 %

6. Kathrin Otte (Die Linke) 2,42 %

7. Günther Scheunemann (Freie Wähler) 2,20 %

Und wie weit sind die „kleinen“ Parteien? Zumindest zwei Namen sind bislang bekannt. Die Grünen wollen am 30. November in Visselhövede die 21-jährige Canina Ruzicka aus Scheeßel zur Kandidatin küren, die Freien Wähler haben sich am Montagabend entschieden, Politik-Dauerbrenner und Vielfachkandidat Günther Scheunemann auf die Wahlzettel setzen zu lassen. Größere Chancen dürften sie trotz sinkender Werte für die einstigen Volksparteien insgesamt kaum haben. Zweistellige Prozentwerte hat im Wahlkreis außer der CDU- und SPD-Kandidaten in jüngerer Zeit niemand erreicht. Stefan Klingbeil (Die Linke) betont sogar, man wolle anders als die Grünen „keine neuen Leute im Wahlkampf verheizen“. Denn: „Mit Lars Klingbeil im südlichen Wahlkreis ist außer ein paar Zeitungsinterviews kein Gewinn zu machen.“ Stattdessen setze man darauf, Zweitstimmen für die Partei zu sammeln: „Wir halten uns nicht mit aussichtslosen Direktkandidatinnen auf und stärken damit auch jene Erststimmen, um die Direktkandidaturen der CDU zu verhindern.“

BSW neu dabei

Die FDP will am 6. Dezember einen Wahlkreiskandidaten wählen, laut Kreisvorsitzendem Jan-Christoph Oetjen gibt es „mehrere Bewerber“. Und auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) könnte erstmals antreten, obwohl es noch gar keinen Kreisverband gibt. Vorrangiges Ziel ist es laut Sprecher Maik Smidt allerdings, bei den Zweitstimmen über fünf Prozent zu landen. AfD-Kreisvorsitzende Marie-Thérèse Kaiser teilt mit, man werde „voraussichtlich noch in diesem Jahr“ einen Direktkandidaten nominieren. Dass weitere Parteien einen Direktkandidaten ins Rennen schicken, ist vor Ort eher auszuschließen. Zuletzt war das 2013 der Fall – die Vertreter von NPD oder Piratenpartei lagen aber unter zwei Prozent der Erststimmen.

Kommentare