VonMarvin Köhnkenschließen
Eine „vergleichsweise ruhige“ Silvesternacht erlebten die Einsatzkräfte in Hannover und Laatzen. Dennoch meldet die Polizei in einem ersten Überblick mehrere Zwischenfälle.
Hannover – Die Polizei Hannover hat ihre vorläufige Bilanz des Silvestereinsatzes 2024/2025 in Hannover und Laatzen vorgelegt. Trotz der allgemein im Stadtgebiet aus Sicht der Polizei vorherrschenden Ruhe kam es zu mehreren Containerbränden und vereinzelten Angriffen auf Einsatzkräfte und den Individualverkehr mit Pyrotechnik. Zudem wurden Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz, die Sprengstoffverordnung und die Feuerwerksverbotszone festgestellt und geahndet. Durch präventive Maßnahmen und gezieltes Eingreifen konnten die Einsatzkräfte größere Störungen verhindern.
Bereits am frühen Abend führten der Ordnungsdienst der Landeshauptstadt Hannover und die Polizei Gaststättenkontrollen in der Innenstadt durch. Die Gaststättenbetreiber zeigten sich kooperativ. Ab 20:40 Uhr wurden Hinweise über Lautsprecherwagen der Polizei und Informationsdisplays in den Böllerverbotszonen gegeben. In Niedersachsen sind in der Nacht mehrere Häuser in Brand geraten. Die Polizei ermittelt jeweils, ob Silvester-Feuerwerk dabei eine Rolle gespielt hat.
„Teilamputation“: 14-Jähriger wird Hand von Böller teilweise abgesprengt
Besonders auffällig waren laut einer umfassenden Meldung von Polizeisprecherin Natalia Shapovalova Sachbeschädigungen infolge von Containerbränden, deren Anzahl ab 22 Uhr stetig anstieg. Die Feuerwehr Hannover war im Dauereinsatz, um die Brände zu löschen und in einem Fall eine Gefährdung umliegender Wohnhäuser zu verhindern.
Kurz nach Mitternacht ereignete sich ein schwerer Unfall im Bereich des Mühlenberger Marktes. Ein 14-Jähriger erlitt dabei vermutlich durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern eine „Teilamputation der rechten Hand“. Er wurde zur weiteren medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus gebracht. In Hamburg ist in der Nacht ein junger Mann beim Zünden eines illegalen Böllers gestorben.
In drei Fällen wurden Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr mit Pyrotechnik angegriffen. Kurz nach Mitternacht wurden Beamte der Bundespolizei vor dem Hauptbahnhof mit Pyrotechnik beworfen. Ein Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen. Gegen 0:35 Uhr wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Hannover im Bereich „Thie“ mit Pyrotechnik angegriffen. Die Täter flüchteten vor Eintreffen der Polizeikräfte und konnten nicht mehr ergriffen werden. Im Bereich der Gronostraße wurden gegen 2:55 Uhr wiederum Polizeikräfte aus einer Personengruppe heraus mit Pyrotechnik beworfen, als die Einsatzkräfte ein Auto kontrollieren wollten. Dabei wurde ein Streifenwagen beschädigt.
Massiver Einsatz von Pyrotechnik um Mitternacht gefährdet umstehende Personen
Im Rahmen einer Personenkontrolle im Bereich Mühlenberg wurde eine Polizeibeamtin gegen 01:40 Uhr mit einer Flasche beworfen und leicht verletzt. Der mutmaßliche Täter konnte identifiziert und festgenommen werden. Es handelt sich um eine minderjährige Person, die nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen an die Erziehungsberechtigten übergeben wurde.
Gegen Mitternacht kam es an der Goseriede kurzzeitig zu einem massiven Einsatz von Pyrotechnik, teilweise auch in Richtung von Personen und Fahrzeugen. Die Lage beruhigte sich jedoch rasch. Am Kröpcke wurden zudem bei einer Personenkontrolle 36 nicht zugelassene Feuerwerkskörper der Kategorie F3 sichergestellt.
Um die Vielzahl an Personen, die sich gegen Mitternacht aus dem Bereich Steintorplatz in Richtung Goseriedeplatz begab, nicht zu gefährden, wurde die Stadtbahn unterirdisch umgeleitet. Da der Bereich Goseriedeplatz offensichtlich als Ausweichfläche für Menschenansammlungen und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern genutzt wurde, wurde die Goseriede zwischen Otto-Brenner-Straße und Kurt-Schumacher-Straße gesperrt.
Erste umfassende Hannover-Bilanz an Neujahr
Insgesamt führten die Einsatzkräfte folgende Maßnahmen durch, heißt es in der Meldung vom frühen Neujahrs-Vormittag bereits sehr detailliert: 59 Identitätsfeststellungen, sechs Sicherstellungen/Beschlagnahmen, eine Wohnungsdurchsuchung, 13 Platzverweise, elf Ingewahrsamnahmen, 66 Gefährderansprachen, 74 Personendurchsuchungen, 24 Sachdurchsuchungen. In zwölf Fällen wurde einfache körperliche Gewalt angewendet, elfmal wurde gefesselt und in einem Fall wurde Reizgas eingesetzt.
Die Polizei leitete 28 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen die Feuerwerksverbotszone, zehn Ermittlungsverfahren wegen (unter anderem) gefährlicher Körperverletzung, ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung, elf Verfahren wegen der Sachbeschädigung, fünf Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Zudem eröffneten die Beamten ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen die Sprengstoffverordnung und zwei Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, beziehungsweise tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ein.
Polizei-Oberrat Bernd Zessin zieht als Gesamt-Einsatzleiter eine überwiegend positive Bilanz der in Sachen Wetter stürmischen Nacht: „Die vergangene Silvesternacht hat in Hannover und Laatzen viele Menschen ins Freie gelockt, um gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen. Insgesamt zeigt die vorläufige Bilanz, dass die geplanten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden. Unser besonderer Dank gilt den Einsatzkräften für ihr entschlossenes und besonnenes Handeln sowie der überwiegenden Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger, die verantwortungsvoll gefeiert und damit zu einem weitgehend sicheren Jahreswechsel beigetragen haben.“
