Viel Regen versetzt Deutschland in Ausnahmezustand: Das steckt hinter dem Wetterphänomen
Der viele Niederschlag hängt unter anderem mit einem sehr bestänidigen „Westdrift“ zusammen. Der Jetstream – ein schneller, bandförmiger Windstrom in der Troposphäre – ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zurzeit stark ausgeprägt und schlägt nur leicht nach Norden oder Süden aus. Damit ist der Jetstream so etwas wie eine „Schnellstraße für Tiefdruckgebiete“. Die Fahrtrichtung sei dabei immer von West nach Ost.
Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage
„Folglich rast ein Tief nach dem anderen vom Nordatlantik in Richtung Europa“, erklärte DWD-Meteorologe Christian Herold. Immer wieder würden zwar Hochdruckgebiete versuchen, sich zwischen den Tiefs aufzubauen. Laut dem Experten haben sie aber keine Chance, länger zu verweilen. „Das ist typisch für so milde Winter.“
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern.
Kurz vor und an Weihnachten sei dann noch der Effekt einer sogenannten Luftmassengrenze hinzugekommen. So werden die Übergangsbereiche zwischen zwei Luftmassen bezeichnet. In diesem Fall kam laut Herold feuchte Luft aus den Subtropen nach Deutschland. „Die ist über Weihnachten auf die noch vorhandene kalte Luft getroffen, deshalb hat es so kräftig geregnet“, sagt der Meteorologe.
Hochwasser und Überschwemmungen: Wie geht es in Deutschland weiter?
Seit Mittwoch, 27. Dezember, gönnt das Wetter Deutschland zumindest regentechnisch immer mal wieder eine Verschnaufpause. Doch in vielen Flüssen herrscht weiterhin Hochwasser, und die Böden sind vielerorts bereits wassergesättigt. Das bedeutet laut Herold, dass neuer Regen schnell zu einer neuen Eskalation führen könnte.
Angesichts der Wetter-Prognose für die letzten Tage des Jahres ist das genau der Fall. Besonders im Norden und Westen, wo viele Regionen bereits mit Überschwemmungen kämpfen, rechnet der Meteorologe über Neujahr mit einem neuen niederschlagreichen Wetterabschnitt. „Spätestens zum kommenden Wochenende ist wieder mit stagnierenden oder steigenden Pegeln zu rechnen“, sagte Herold bereits am Mittwoch, als Rettungskräfte schon seit Tagen im Hochwasser-Einsatz gewesen waren. In mehreren Hochwasser-Gebieten wurde deswegen, wie in Bremen, mittlerweile das Böllern an Silvester untersagt.
Das außergewöhnliche Wetterphänomen sorgt vor allem in Niedersachsen für einen Ausnahmezustand. „Ein Hochwasser diesen Ausmaßes hat es hier bei uns zuvor nie gegeben“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in einer Mitteilung von Donnerstag. „Experten warnen seit langem davor, dass die immer häufigeren Wetterextreme mit dem Klimawandel zusammenhängen.“ Man müsse in der Zukunft das Engagement in der Hochwasserprävention weiter verstärken sowie den CO2-Ausstoß dringend weiter reduzieren, betonte der Ministerpräsident. (nz mit dpa)