„Schnellstraße für Tiefdruckgebiete“

Jetstream und Luftmassengrenze über Niedersachsen: Warum es zurzeit viel regnet

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Viele deutsche Regionen kämpfen seit Weihnachten mit Hochwasser, der Wetterdienst sagt weiteren Regen voraus. Woher kommt der ganze Niederschlag?

Offenbach/Hannover – In der Zeit seit Weihnachten hat vor im Norden Deutschlands reichlich Niederschlag in vielen Regionen zu Überschwemmungen geführt. Flüsse laufen in Niedersachsen und Bremen über, Deiche halten dem Druck nicht mehr stand, in einigen Städten müssen ganze Ortsteile evakuiert werden. Nun sagen Wetterdienste auch noch schlechtes Wetter für die kommenden Tage voraus. Doch wieso regnet es zurzeit so viel?

Viel Regen versetzt Deutschland in Ausnahmezustand: Das steckt hinter dem Wetterphänomen

Der viele Niederschlag hängt unter anderem mit einem sehr bestänidigen „Westdrift“ zusammen. Der Jetstream – ein schneller, bandförmiger Windstrom in der Troposphäre – ist laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zurzeit stark ausgeprägt und schlägt nur leicht nach Norden oder Süden aus. Damit ist der Jetstream so etwas wie eine „Schnellstraße für Tiefdruckgebiete“. Die Fahrtrichtung sei dabei immer von West nach Ost.

Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage

Verden von oben fotografiert. Die Aller ist bis in die Altstadt über die Ufer getreten.
In Verden ist die Aller über ihre Ufer getreten. Die Südbrücke in die Altstadt wurde am Freitag wegen des Hochwassers gesperrt. © dpa
Hochwasser und Überschwemmungen der Aller in der Region Heidekreis nach tagelangen starken Regenfällen.
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern. © Ulrich Stamm/IMAGO
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase.
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase. © Dorn
Feuerwehrleute stehen in der Nacht am Deich und reichen Sandsäcke.
Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen. © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann
Hochwasser in Niedersachsen: Eine vom Wasser überspülte und abgesperrte Straße.
Die L330 zwischen Hoya und Hassel ist seit Donnerstagnachmittag wegen des Hochwassers unpassierbar. © Moritz Frankenberg/dpa
Einsatzkräfte bauen eine Sandsacke-Sperre gegen Hochwasser.
Auch am Serengeti-Park in Hodenhagen sind viele Helfer im Einsatz gegen das Hochwasser. © Philipp Schulze/dpa
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal Wörpe Wümme
Ein Gartenhaus steht hinter einem durchweichten Deichabschnitt an der Wörpe in Lilienthal. Durch das Hochwasser des Flusses sowie der nahegelegenen Wümme gab es in der Nacht einen Deichriss. © Focke Strangmann/dpa
Der Serengeti Park Hodenhagen von oben fotografiert. Mehrere Flächen sind überflutet.
Der Serengeti-Park in Hodenhagen steht teilweise unter Wasser. Viele Tiere müssen evakuiert werden. © Philipp Schulze/dpa
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laufen auf einer Straße.
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der aktuen Hochwasser-Lage. © Klaus Müller
Heidschnucken-Rettung der DLRG ist im vollen Gange.
Mehrere Heidschnucken wurden am Mittwoch von der DLRG in der Nähe von Hannover vor dem Hochwasser gerettet. © Karsten Hölscher/dpa/DRLG Wedemark
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover Hochwasser und Überschwemmungen der Leine
Hochwasser und Überschwemmungen bei Hannover © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover  © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Hochwasser und Überschwemmungen der Leine. © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover. © Ulrich Stamm/Imago
Hochwasser in Niedersachsen, Hagen-Grinden
Ein Wohnhaus am Deich auf der Weserinsel Hagen-Grinden. Das Hochwasser ist auch hier angekommen. © Christof Dathe/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Weser
Eine Schild „Parkplatz für Busse“ schaut aus dem Hochwasser. Der Wasserstand der Weser ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Angesichts anhaltender Regenfälle und gesättigter Böden bleibt die Hochwassergefahr in Teilen von Deutschland hoch. © Friso Gentsch/dpa
Hochwasser in Bremen-Borgfeld: Anwohner transportiert Nachbarn per Kanu
Ein Mann in Bremen-Borgfeld half per Kanu. Er brachte Anwohner zu ihren Häusern und transportierte Pumpen für die Feuerwehr. © Nord-West-Media TV
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße.
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße. © Archiv: Feuerwehr
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten.
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten. © Sigi Schritt
Hochwasser in Niedersachsen – Oker
Die hochwasserführende Oker überflutet in Oker teilweise die Promenade. Für die Flussgebiete der Oker und der Innerste warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. © Thomas Schulz/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Sarstedt
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht am Fluss Innerste im Landkreis Hildesheim. Weil machte sich an verschiedenen Orten ein Bild der angespannten Hochwassersituation in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte/dpa
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten.
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten. © Rainer Jysch
Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser am Weserwehr im Landkreis Verden (Aufnahme mit Drohne). Zufahrt und Durchfahrt sind seit Weihnachten gesperrt. Laut der Behörden in Niedersachsen bleibt die Hochwasser-Lage in den nächsten Tagen weiter angespannt. © Christof Dathe/dpa
Stadtspeicher Hochwasser
Mit „Big Packs“ wird die Mauer am Rotenburger Stadtspeicher gestützt. © Michael Krüger
Hochwasser Samtgemeinde Hoya
Hochwasser Samtgemeinde Hoya © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Okertalsperre
Die Hochwasserentlastungsanlage lässt Wasser aus der komplett gefüllten Okertalsperre im Harz. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Ortschaft zu sichern, nachdem das Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda, über die Deiche trat. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Feuerwehr
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen mit Sandsäcken das Wasser in Schach zu halten. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Schloss Marienburg
Das Schloss Marienburg in der Region Hannover steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Ruthe im Landkreis Hildesheim
Hochwasser in Niedersachsen: Der Fluss Innerste mündet an der Ortschaft Ruthe im Landkreis Hildesheim in den Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa

„Folglich rast ein Tief nach dem anderen vom Nordatlantik in Richtung Europa“, erklärte DWD-Meteorologe Christian Herold. Immer wieder würden zwar Hochdruckgebiete versuchen, sich zwischen den Tiefs aufzubauen. Laut dem Experten haben sie aber keine Chance, länger zu verweilen. „Das ist typisch für so milde Winter.“

Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern.

Kurz vor und an Weihnachten sei dann noch der Effekt einer sogenannten Luftmassengrenze hinzugekommen. So werden die Übergangsbereiche zwischen zwei Luftmassen bezeichnet. In diesem Fall kam laut Herold feuchte Luft aus den Subtropen nach Deutschland. „Die ist über Weihnachten auf die noch vorhandene kalte Luft getroffen, deshalb hat es so kräftig geregnet“, sagt der Meteorologe.

Hochwasser und Überschwemmungen: Wie geht es in Deutschland weiter?

Seit Mittwoch, 27. Dezember, gönnt das Wetter Deutschland zumindest regentechnisch immer mal wieder eine Verschnaufpause. Doch in vielen Flüssen herrscht weiterhin Hochwasser, und die Böden sind vielerorts bereits wassergesättigt. Das bedeutet laut Herold, dass neuer Regen schnell zu einer neuen Eskalation führen könnte.

Angesichts der Wetter-Prognose für die letzten Tage des Jahres ist das genau der Fall. Besonders im Norden und Westen, wo viele Regionen bereits mit Überschwemmungen kämpfen, rechnet der Meteorologe über Neujahr mit einem neuen niederschlagreichen Wetterabschnitt. „Spätestens zum kommenden Wochenende ist wieder mit stagnierenden oder steigenden Pegeln zu rechnen“, sagte Herold bereits am Mittwoch, als Rettungskräfte schon seit Tagen im Hochwasser-Einsatz gewesen waren. In mehreren Hochwasser-Gebieten wurde deswegen, wie in Bremen, mittlerweile das Böllern an Silvester untersagt.

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Das außergewöhnliche Wetterphänomen sorgt vor allem in Niedersachsen für einen Ausnahmezustand. „Ein Hochwasser diesen Ausmaßes hat es hier bei uns zuvor nie gegeben“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in einer Mitteilung von Donnerstag. „Experten warnen seit langem davor, dass die immer häufigeren Wetterextreme mit dem Klimawandel zusammenhängen.“ Man müsse in der Zukunft das Engagement in der Hochwasserprävention weiter verstärken sowie den CO2-Ausstoß dringend weiter reduzieren, betonte der Ministerpräsident. (nz mit dpa)

Rubriklistenbild: © Ulrich Stamm/IMAGO

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