VonCarolin Gehrmannschließen
Niedersachsen kämpft mit Trockenheit. Die Böden sind ausgedörrt, Trinkwasser wird knapp. Einige Landkreise mahnen zum Sparen oder verhängen Gießverbote.
Niedersachsen – Die aktuelle Wetterlage im Norden ist zwar durch Schauer und Gewitter geprägt, doch das täuscht. Trockenheit und Dürre stellen in Niedersachsen noch immer ein Problem dar. Denn davor zog sich eine beispiellose Dürrephase durch das Land. Wochenlang fiel kein Regen, die Böden trockneten aus.
Auch wenn der ersehnte Niederschlag an manchen Orten für etwas Entspannung sorgte, die Lage bleibt kritisch, wie der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums zeigt. Auf dem Wassermonitor des Forschungszentrums Jülich kann man die Trockenheit in Niedersachsen ebenfalls punktgenau ablesen. Danach ist die Durchfeuchtung des Bodens vielerorts in Niedersachsen nach wie vor im kritischen Bereich, der bei Pflanzen für Trockenstress sorgt oder sogar schon auf den Welkepunkt zusteuert.
Trockenheit und Dürre im Norden bleiben ein Problem – trotz Regen
Bleibt der Regen aus, müssen Pflanzen gewässert werden. Die Folge: Der Wasserverbrauch steigt, die Trinkwasservorräte sinken. Einige Landkreise und Gemeinden haben aus diesem Grund bereits zum Wassersparen aufgerufen. Insgesamt sind es etwa 30 Kreise, Städte oder Versorger, wie das Medienunternehmen und „Recherchebüro“ Correctiv durch Befragung aller Landesumweltämter ermittelt hat. Auffällig, vor allem in Nordrhein-Westfalen sorgt man sich um Wassermangel, doch einige der Landkreise, die Einsparungen von der Bevölkerung fordern, befinden sich auch in Niedersachsen. In manchen drohen sogar Bußgelder.
In der Region Hannover beispielsweise kann eine Strafe von 50.000 Euro drohen, wenn man gegen das Bewässerungsverbot, das ab 1. Juni unter bestimmten Bedingungen für Privathaushalte gelten kann, verstößt. Während dort für Gärten ab einer bestimmten Temperatur ein Gießverbot herrscht, bleibt das Befüllen von Pools allerdings erlaubt.
In welchen Regionen in Niedersachsen der Wasserverbrauch reduziert werden soll
Folgende Landkreise oder Gemeinden in Niedersachsen rufen die Bevölkerung auf, Wasser zu sparen:
- Landkreis Aurich
- Landkreis Wittmund
- Landkreis Leer
- Landkreis Stade
- Landkreis Verden
- Region Hannover
Im Norden ist die Trockenheit laut Wassermonitor zwar vielerorts nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Regionen in Deutschland, dennoch zeigt man sich hier auffällig offen dafür, mit den Trinkwasservorräten zu haushalten. Auch direkt hinter der Grenze zu Niedersachsen, im Nachbarland Nordrhein-Westfalen, liegen viele der Landkreise, die ebenfalls Wasser sparen wollen: rund um die Stadt Münster in den Landkreisen Borken, Steinfurt, Coesfeld und Warendorf sowie Minden-Lübecke und Höxter, wo man laut Correctiv dazu aufruft, auf die Nutzung privater Pools zu verzichten.
Auch in anderen Regionen sollen die Bürger weniger Wasser benutzen
In Schleswig-Holstein sind nur einzelne Ortschaften im Landkreis Rendsburg-Eckernförde zur sparsamen Wassernutzung aufgerufen. Correctiv kritisiert im Rahmen der Veröffentlichung der Rechercheergebnisse, dass die Sparforderungen sich nur auf Privatpersonen beziehen und ihnen sogar Strafen drohen, während die Industrie weiterhin ungehindert Flüsse und Grundwasservorräte „anzapfen“ könne, obwohl Kohle-Tagebau, Chemieunternehmen und Nahrungsmittelbetriebe fast viermal mehr Fluss- und Grundwasser verbrauchten wie die Gesamtbevölkerung zusammen.
