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Bürger wollen den Windkraft-Ausbau: Umfrage bescheinigt Lust auf mehr Windenergie

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Die Akzeptanz von Windrädern vor der Haustür ist größer als gedacht. Laut einer Umfrage sind (Tages-) Zeitungen bei der Meinungsbildung wichtig.

Hannover – Das Ergebnis einer bundesweiten Forsa-Umfrage zur Akzeptanz der Windenergienutzung ist auf den ersten Blick überraschend. Die Zahlen zeigen: Eine große Mehrheit von 81 Prozent der Befragten bewertet die Nutzung und den Ausbau von Windenergie an Land weiterhin als sehr wichtig oder wichtig. Zeitungen wie die Kreiszeitung (egal ob gedruckt oder online) spielen bei der Meinungsbildung eine wichtige Rolle.

Die Fachagentur „Windenergie an Land“ hat ihre jährliche Forsa-Umfrage zur Akzeptanz der Windenergienutzung veröffentlicht. Die Experten kommen zu der Erkenntnis: 82 Prozent der Betroffenen mit Windkraftanlagen im direkten Wohnumfeld sind mit diesen Anlagen einverstanden. Eine stärkere, frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wird ebenfalls von einer großen Mehrheit als wichtig angesehen (83 Prozent), um die Akzeptanz für den Ausbau der Windenergie vor Ort zu verbessern. Ein interessantes Ergebnis ist auch, dass doppelt so viele Menschen vor Ort bereit sind, FÜR die Windenergie zu demonstrieren als DAGEGEN.

Große Mehrheiten für Ausbau: Umfrage bescheinigt Niedersachsen Lust auf mehr Windenergie

Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer sagt zu den Ergebnissen: „Um die Wertschöpfung vor Ort noch zu fördern und hochzuhalten, sehen wir in Niedersachsen mit dem Entwurf des Wind-Gesetzes auch eine verpflichtende Abgabe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde Strom für neue Windräder und Freiflächen-Solaranlagen erstmalig vor. Ebenso werden weitere Beteiligungsangebote für Bürger im Umfeld der Anlagen von einfachen Beteiligungen, Bürgerenergiegenossenschaften bis hin zu niedrigen Strompreisen vorgesehen.“ Wie viel Geld die Windenergie den Kommunen bringt, hat man für den Landkreis Rotenburg ermittelt.

„Die Akzeptanzabgabe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) kann von der örtlichen Gemeinde für zusätzliche Ausgaben – aber nicht für Pflichtaufgaben – frei verwendet werden, die Entscheidung liegt bei den Gemeinden“, teilt das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, auf Nachfrage von kreiszeitung.de mit. Die Kommune müsse jedoch einmal im Jahr veröffentlichen, was sie mit den Einnahmen aus den Erneuerbaren Energien gemacht hat.

Geht es laut einer Umfrage nach der Mehrheit der Niedersachsen, freut sich das Land auf mehr Windkraft-

„Zusätzlich müssen die Betreiber der Windkraftanlagen eine weitere, direkte oder indirekte Beteiligung für Bürgerinnen und Bürger vor Ort, etwa in Form von Energiegenossenschaften, Anteilsscheinen oder eben durch günstige Energie- oder Strompreise anbieten“, heißt es weiter. Auch dabei habe der Betreiber die Wahl, er müsse aber ein Modell der örtlichen Beteiligung im Umfang von zusätzlich 0,1 Cent pro kWh anbieten.

So könne der Betreiber mit einem eigenen oder dem örtlichen Stromvertrieb spezielle, günstigere Tarife für die jeweils vom Vorhaben betroffene Bevölkerung dauerhaft anbieten, erklärt ein Sprecher des Ministeriums weiter. „Wichtig ist dabei, dass die Vergünstigung einen ausreichenden Umfang hat und wirklich günstigerer Strom gegenüber dem Markt und nicht nur gegenüber anderen Tarifen im Hause geboten wird.“

Pro oder Contra Windrad: Glaubwürdigkeit von Informationen ausschlaggebend

Ob man Für oder Wider den Bau von Windrädern ist, hat auch viel mit den Quellen von Informationen zu tun. Großes Vertrauen setzen die Bürger in Wissenschaftseinrichtungen. 81 Prozent stufen sie als sehr oder eher glaubwürdig ein. Auf den weiteren Plätzen folgen öffentliche Energieagenturen, Umwelt- und Naturschutzverbände sowie lokale Zeitungen. Auf dem letzten Platz liegen die Bürgerinitiativen gegen Windenergie. Über 60 Prozent halten sie für wenig bis gar nicht glaubwürdig.

Ein Windpark entsteht. Eine Mehrheit ist für den Ausbau der Windenergie an Land.

In der Studie zur Akzeptanz der Windenergie an Land heißt es: Im Vergleich zu 2019, haben fast alle Akteursgruppen an Glaubwürdigkeit gewonnen: Am stärksten die Verbände der Energiewirtschaft (+12 Prozent; liegen im Ranking auf dem vorletzten Platz, Anm. d. Red.), gefolgt von Behörden, Ämtern und Ministerien (+11), Energieagenturen (+9), Projektentwicklern (+8), sowie lokalen (+5) und überregionalen Zeitungen (+2). Etwas an Glaubwürdigkeit verloren haben die Informationen von Seiten der Natur- und Umweltschutzverbände (-6) sowie Bürgerinitiativen gegen Windenergie (-3). Das Vertrauen in Wissenschaftseinrichtungen als Informationsquelle ist in der Summe gleichgeblieben.

Männer und Frauen, die angegeben haben, gegen Windräder zu demonstrieren, vertrauen den Bürgerinitiativen gegen Windenergie. 72 Prozent gaben an, diesen Quellen zu glauben. Auf Platz zwei folgt bei dieser Gruppe die Wissenschaftseinrichtungen. Bei Unterstützenden der Energiewende zeichnen die Befragungsergebnisse ein gegenteiliges Bild.

Ob ein Windpark vor der Haustür akzeptiert wird, hängt auch von den Planungsschritten im Vorfeld ab. So sagten bei der Umfrage 81 Prozent, dass die Öffentlichkeit bereist vor dem formellen Planungsverfahren beteiligt werden sollte. 83 Prozent gaben an, dass eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit wichtig ist, um die Akzeptanz zu verbessern. 45 Prozent wären bereit, sich im Planungsprozess zu engagieren.

Lust auf mehr Windenergie: Stimmung ist wesentlich positiver als angenommen

Die Fachagentur „Windenergie an Land“ hat auch die wahrgenommene und tatsächliche Meinung gegenübergestellt. Sie schreiben: „Die Stimmung vor Ort gegenüber Windenergieanlagen in der eigenen Gemeinde ist wesentlich positiver, als dies die Befragten annehmen. Dies gilt sowohl für die Meinung gegenüber bestehenden Anlagen, als auch die Meinung gegenüber möglichen Windenergieanlagen.“

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Konkret: 68 Prozent der Befragten ohne Windanlagen im Wohnumfeld überschätzen den Anteil ihrer Mitmenschen in ihrer Gemeinde mit großen und sehr großen Bedenken – und zwar deutlich, auf im Mittel 59 Prozent. Tatsächlich ist der Anteil dieser Personen nur halb so groß (29 Prozent).

Dieses Muster gilt auch für Befragte, die bekunden, Windenergieanlagen im direkten Wohnumfeld zu haben. Auch diese schätzen das Meinungsbild der Mitmenschen gegenüber Windenergieanlagen weniger positiv ein, als es tatsächlich ist: Während im Mittel davon ausgegangen wird, dass 43 Prozent der Mitmenschen in der eigenen Gemeinde eher nicht mit den Windenergieanlagen vor Ort einverstanden seien, sind es tatsächlich lediglich 17 Prozent. Der Großteil der Befragten überschätzt den Anteil von Menschen, die Windenergieanlagen skeptisch oder kritisch gegenüberstehen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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