„Vermeiden Sie Aufenthalt im Freien“

Unwetter-Warnung für Niedersachsen: Hochwasser trifft Küste am Freitag hart

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Orkan-Tief Zoltan hat Fahrt aufgenommen. Für Freitag hat der Deutsche Wetterdienst vor schweren Sturmfluten gewarnt. An der Küste herrscht roter Alarm.

Update vom Freitag, 22. Dezember, 8.20 Uhr: Zoltan bestimmt das Wetter in Niedersachsen auch am Freitag. Viele Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn können ihre Fahrt wegen Streckensperrungen nicht beginnen, im Kreis Cuxhaven fällt die Schule wegen des Sturms aus. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt für Freitagvormittag vor schweren Sturmfluten an der Nordsee-Küste und rechnet für diese Zeit mit einem Höchststand der Pegel.

Erstmeldung vom Mittwoch, 20. Dezember: Bremen – Wie viel Kraft in Orkan-Tief Zoltan steckt, zeigt sich daran, dass es Norddeutschland nur streift – trotzdem gibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwochabend gleich zwei Unwetterwarnungen der Stufe drei (von vier möglichen Stufen) heraus – auch für Niedersachsen.

Sturmtief wird Küste Niedersachsens am Donnerstag mit voller Wucht treffen

Das Sturmtief hat uns aktuell noch nicht erreicht. Am Donnerstag zieht es von Südschweden zur Ostsee und bis Freitag zum Baltikum. Allerdings hat es ein beachtliches Sturmfeld im Schlepptau, das den Norden des Landes ab Donnerstagnachmittag mit voller Wucht treffen wird. Am Freitag wird dann der Sturm bis in den äußersten Süden Deutschlands vorstoßen.

Sturmböen mit über 100 km/h – Meteorologe warnt deutlich

Zwei Unwetterwarnungen betreffen aktuell Niedersachsen: Die eine gilt ab Donnerstag, 12 Uhr, und betrifft Zolstans Orkanböen an der Küste. Die andere warnt vor Dauerregen in den drei Landkreisen Göttingen, Goslar und Northeim in Südniedersachsen.

„Wir rechnen daher verbreitet mit stürmischen Böen und Sturmböen zwischen 70 und 85 km/h“, schreibt DWD-Meteorologe Dr. Markus Übel. „An den Küsten sind Orkanböen zu erwarten.“ Orkanböen beginnen ab einer Windgeschwindigkeit von 105 km/h. Ein DWD-Sprecher hat das mal unserer Redaktion gegenüber recht anschaulich so beschrieben: „Stellen Sie sich vor, ihr Haus fährt mit 100 km/h über die Autobahn.“

Unwetterwarnung für Küste von Niedersachsen und Bremen

Und deswegen hat der DWD auch eine Unwetterwarnung für die gesamte Nordseeküste Bremens und Niedersachsens inklusiver aller Inseln herausgegeben. Im Wortlaut:

Es treten orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten um 105 km/h anfangs aus westlicher, später aus nordwestlicher Richtung auf. In Schauernähe sowie in exponierten Lagen muss mit orkanartigen Böen um 115 km/h gerechnet werden.“

Sturm mit Folgen: „Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien!“

Der DWD verweist auch auf mögliche Gefahren: „Es können zum Beispiel Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Achten Sie besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände.“ Und die Behörde gibt konkrete Verhaltenstipps: „Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen.“ Und: „Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien!“ Die Warnung gilt zunächst bis in die Nacht auf Freitag (22. Dezember, 2 Uhr).

Windstärken anschaulich erklärt – so wirken sie sich aus

Windstärken auf der Beaufort-SkalaMittlere Windgeschwindigkeit in km/hAuswirkungen
0: Windstille< 1Rauch steigt senkrecht auf
1: leiser Zug1 - 5Zug des Rauches zeigt Windrichtung
2: leichte Brise6 - 11Wind im Gesicht spürbar, Blätter bewegen sich
3: schwache Brise, schwacher Wind12 - 19Wind bewegt dünne Zweige
4: mäßige Brise, mäßiger Wind20 - 28Wind bewegt Zweige und dünne Äste
5: frische Brise, frischer Wind29 - 38kleine Laubbäume schwanken
6: starker Wind39 - 49starke Äste schwanken
7: steifer Wind50 - 61fühlbare Hemmungen beim Gehen, ganze Bäume bewegen sich
8: stürmischer Wind62 - 74abbrechende Zweige, erschwertes Gehen
9: Sturm75 - 88abbrechende Äste, kleinere Haus-Schäden
10: schwerer Sturm89 - 102brechende Bäume, größere Haus-Schäden
11: orkanartiger Sturm103 - 117entwurzelte Bäume, verbreitet Sturmschäden
12: Orkanab 118schwere Verwüstungen

Quelle: dwd.de: Wetter- und Klimalexikon

Fähren bereits stillgelegt – Sturmflut droht

Mal von den drohenden Sturmschäden kurz vor Weihnachten abgesehen, wird Zoltan aller Voraussicht nach auch eine Sturmflut an der Nordseeküste auslösen. Die Schifffahrts- und Hochwasserbehörden sind alarmiert und rechnen mit steigenden Pegeln ab Donnerstagnachmittag. Die Fährverbindungen zu den Inseln wurden bereits eingestellt.

Kreuzfahrtschiffe brechen wegen Sturmtief Reise ab

Auch zwei Kreuzfahrtschiffe müssen ihre Reise aufgrund des Sturmtiefs stark verkürzen. Die MS Artania streicht Kiel und Warnemünde als Ziel und ist auf der Flucht vor dem Sturm bereits wieder unterwegs nach Hamburg, wie das Portal „Schiffe und Kreuzfahrten“ aktuell berichtet. Auch AIDAnova streicht ihren Aufenthalt in Rotterdam und nimmt Kurs auf Hamburg. Neben des Sturms dürfte auch die aufgrund der Sturmflut drohende Elbsperrung ausschlaggebend sein.

Weitere Unwetterwarnung im Süden Niedersachsens: Dauerregen sorgt für Hochwasser

Und damit nicht genug: Im Süden Niedersachsens droht Hochwasser wegen tagelang anhaltendem Dauerregen auf bereits gesättigtem Boden. Der DWD geht von bis zu 120 Litern pro Quadratmetern aus und warnt in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Goslar vor Überflutungen. Die Warnung dauert bis Samstag. Der DWD weist aber darauf hin, dass die Folgen noch deutlich länger spürbar sein werden.

Rubriklistenbild: © DWD/Imago

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