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Sturmtief Zoltan hat am Freitag Sturmfluten in den Norden gebracht. Über Weihnachten drohen nun massive Hochwasser-Überschwemmungen.
Update vom Samstag, 23. Dezember, 9:30 Uhr: Nachdem Sturm Zoltan über Deutschland hinweggezogen ist, werden für Samstag in Deutschland regional heftige Regen- oder Schneefälle erwartet. Die Behörden warnen für Teile von Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Bayern vor großem Hochwasser. Neuschnee wird vom Thüringer Wald bis zum Bayerischen Wald in Lagen oberhalb von 600 bis 800 Metern erwartet. Das teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstagmorgen mit.
Die Deutsche Bahn hat die Sturmschäden nach eigenen Angaben weitgehend beseitigt. „Der Regionalverkehr fährt wieder planmäßig und der Fernverkehr normalisiert sich“, teilte ein Bahnsprecher am Samstagmorgen mit. Aufgrund der bevorstehenden Feiertage seien Fernverkehrszüge jedoch sehr stark ausgelastet. Ausfälle gibt es derzeit auch für Reisende aus dem Norden noch auf den Strecken ab Köln und Münster.
Bahn-Fernverkehr weiterhin wegen Sturm gestört – Reisende haben Sonderrechte
ICE-/IC-Züge entfallen zwischen Köln und Kassel sowie zwischen Münster, Siegen, Frankfurt und Stuttgart. Alle Reisende, die ihre Fahrt mit der Bahn verschieben oder ändern möchten, haben dazu weiterhin die Gelegenheit. Alle entsprechenden Fahrgastrechte gelten auch für Tickets, die für den Samstag gebucht wurden. Die Bahn rechnet mit sehr stark ausgelasteten Zügen, weil viele Reisende am Donnerstag und Freitag ihre Reisen nicht haben antreten können.
Update vom Freitag, 22. Dezember, 19:10 Uhr: Die Feuerwehr in Hamburg sprach am Freitagabend von rund 200 sturm- und wasserbedingten Einsätze – ohne Verletzte. Feuerwehrkräfte waren demnach im Einsatz, um eingestürzte Bäume und herabgestürzte Äste von den Straßen zu räumen und losgelöste Baugerüstplanen oder Ziegelsteine wieder einzusammeln.
Update vom Freitag, 22. Dezember, 16:15 Uhr: Im ostfriesischen Neuharlingersiel ist eine Fähre über die Kaimauer auf einen Vorplatz geschoben worden. Durch die enormen Windkräfte des Sturmtiefs Zoltan sei das Schiff „Spiekeroog“ am frühen Freitagmorgen von den Leinen gerissen worden, teilte die Fährbetreiberin Nordseebad Spiekeroog GmbH mit. Das Schiff sei anschließend auf eine im Außendeichgelände gelegene überflutete Parkplatzfläche getrieben worden.
Trotz sorgfältiger Sicherheitsvorkehrungen der Schiffsmannschaft am Abend – unter anderem seien Sturmleinen gesetzt worden – habe sich die Fähre gelöst. Verletzt wurde laut der Geschäftsführerin des Hafenzweckverbands Neuharlingersiel, Christina Harms, niemand. Auch Diesel oder Öl seien den Angaben zufolge nicht ausgetreten, sodass es keine Gefährdung für die Umwelt gebe.
Schiffsverbindungen durch weitere Schiffe gewährleistet – Bergungsarbeiten dauern an
Das Schiff ist laut Harms eine von drei Fähren zur ostfriesischen Insel Spiekeroog. Laut Reederei werden die Schiffsverbindungen in den Weihnachtsferien und Anfang Januar durch die Schiffe Spiekeroog I und Spiekeroog II weiterhin gewährleistet sein. Expertinnen und Experten müssen nun das weitere Vorgehen planen, hieß es.
Geklärt werden müsse, ob und wie schwer das Schiff beschädigt ist – und ob man es wieder ins Wasser bekommt. Außerdem müsse hierzu geprüft werden, ob sich der Hafenbereich eignet, schwere Kräne einzusetzen, sagte Geschäftsführerin Harms. Die Bergungsarbeiten werden den Angaben nach voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen.
Update vom Freitag, 22. Dezember, 15 Uhr: Die Auswirkungen von Sturmtief Zoltan in der vergangenen Nacht und im bisherigen Verlauf des Freitags werden nach und nach sichtbar. Unter anderem beschädigten Orkanböen Strände auf Wangerooge, Borkum und Langeoog schwer und rissen zwei Schiffe an der Nordsee-Küste von ihren Liegeplätzen los.
In Orten wie Hamburg oder dem Landkreis Rotenburg (Wümme) hatten sich die Einsatzkräfte sorgfältig auf das Hochwasser und eine Sturmflut vorbereitet. An vielen Orten in Niedersachsen ist die Gefahr von Hochwasser noch nicht gebannt. Über Weihnachten bleibt es nass – die Flüsse im Norden sind bereits jetzt vollständig gefüllt. „Es kann auch sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen. Muss es aber nicht“, sagte Rotenburgs Bauamtsleiter Roman Lauchart.
Sturm wirft mehrere Lastwagen auf der Fehmarnsundbrücke um – lange Sperrung
Hinter Hamburg ist die Fehmarnsundbrücke an der Ostsee bis Freitagmittag gesperrt gewesen. Drei Lastwagen waren am Donnerstag nacheinander auf dem Bauwerk umgekippt. Die Bergung des dritten Lasters gestalte sich wegen des anhaltenden Windes schwierig, sagte ein Polizeisprecher. Zudem hätten die Bergungsfahrzeuge zeitweise im Stau vor der Brücke festgesteckt.
Sturm und Hochwasser im Norden: Fotos zeigen drastisches Folgen von Tief Zoltan




„Verkehrsteilnehmer sollten sich derzeit gar nicht erst auf den Weg machen in der Hoffnung auf eine nur kleine Wartezeit“, hatte der Sprecher auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittag noch gesagt. Die anderen beiden umgekippten Lkw hätten jeweils nach kurzer Zeit geborgen werden können. Der Fahrer des dritten Lastwagens war trotz bereits erfolgter Sperrung auf die Brücke gefahren und kam nach dem Unfall zur Beobachtung in ein Krankenhaus.
Sturm Zoltan spült seltene Schildkröte am Strand von Sylt an
Auf Sylt ist während des Sturms am Donnerstag eine vom Aussterben bedrohte Schildkröte aus der Nordsee angespült worden. Die Unechte Karettschildkröte ist verletzt und wird im Sylt-Aquarium gepflegt. Vor etwa vier Wochen sei zudem ein ähnliches Exemplar in Belgien angespült worden. Diese Tiere leben normalerweise in warmen Gewässern des Mittelmeeres und des Atlantiks, kommen aber mit dem Golfstrom auch hin und wieder hoch in den Norden, berichtet die Sylter Schutzstation Wattenmeer.
Erstmeldung vom Freitag, 22. Dezember, 11.10 Uhr: Bremen/Bremerhaven/Hamburg – Das Wetter in Niedersachsen hat vielen Menschen eine stürmische Nacht beschert. Bei Unfällen wegen Hagelschauer wurden mehrere Menschen bei Unfällen auf den Autobahnen verletzt. Die Feuerwehr war am Freitag, 22. Dezember, bis zum Vormittag im ganzen Norden in mehreren Hundert Einsätzen unterwegs, allein in Bremen waren es 50. Die Polizei meldete in Osnabrück innerhalb von 24 Stunden 107 Sturm-Einsätze, in Oldenburg 27 und in Braunschweig 10.
Auf der A1, A7 und A39 ist es am Freitag wegen Hagelschauern zu mehr als zwei Dutzend Glätte-Unfällen gekommen. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, drei davon schwer. In Hamburg ertönten zur Warnung der Bevölkerung die Sirenen, dort hatte die Stadt ein Katastrophen-Team eingesetzt, um gut auf die am Vormittag erwarteten Wassermassen vorbereitet zu sein. Im Landkreis Cuxhaven fiel an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen wegen des Unwetters der Unterricht aus.
Bremen erlebt Hochwasser in Vegesack und am Weserstadion
In Bremen trat die Weser über ihre Ufer – nicht zuletzt, weil neben dem Hochwasser aus der Nordsee auch viel Wasser den Fluss herunterfloss. Der Scheitelpunkt des Hochwassers wurde laut Angaben der Feuerwehr gegen 9.50 Uhr erreicht. Nach den zahlreichen Einsätzen in der Nacht, war Feuerwehr-Sprecher Michael Richartz am Vormittag entspannt: „Vor allem Deichschutz-Experten sind im Einsatz, um mögliche Schäden zu erkennen und den Einsatzkräften zu melden.“ Vor allem am Weserstadion trat das Wasser der Weser deutlich über die Ufer. Kleinere Flüsse im Stadtgebiet, die keine Überflutungsbereiche haben, traten ebenfalls über ihre Ufer. Laut Angaben der Feuerwehr führte das bis zum Vormittag aber ebenfalls zu keinen großen Problemen.
In Bremen-Vegesack trat die Weser derart hoch über ihre Ufer, dass der Fährverkehr dort unterbrochen werden musste. Die Altstadt wurde teilweise überflutet, mitunter stand das Wasser bis über die Unterkante der dafür ausgelegten Erdgeschoss-Fenster. In Bremerhaven stieg das Wasser auf die für Sturmfluten vorgesehenen Flächen. An der Nordsee-Küste blieben auch am Freitag einige Fähren stehen, unter anderem bei Wangerooge sowie bei Glücksstadt und Wischhafen. An der Ostsee wurde die Fehmarnsundbrücke am Donnerstagabend gesperrt und wird das voraussichtlich bis zum frühen Freitagnachmittag bleiben.
Bahnverkehr im Norden weiterhin eingeschränkt – Heiligabend-Wetter relativ mild
Der Bahnverkehr im Norden ist auch am Freitag noch stark beeinträchtigt. Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, seit Donnerstag entstandene Schäden könnten teilweise erst im Licht des neuen Tages inspiziert und daraufhin behoben werden. Kurz vor Weihnachten bedeuten die zahlreichen Ausfälle und Verspätungen für viele Reisende die Gefahr, nicht rechtzeitig zum Heiligabend nach Hause zur Familie zu kommen. Die Bahn empfiehlt Reisenden, Umwege zu nutzen – alle für Donnerstag und Freitag gebuchten Tickets seien ohne Zugbindung und zu einem späteren Zeitpunkt.
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Das Wetter im Norden ist derweil am Freitag geprägt von Regenschauern, nach Osten hin durchsetzt mit Schnee und Graupel. Dabei weht ein noch frischer Nordwest- bis Westwind mit Sturmböen, an der Küste kann dieser auch stürmisch mit schweren Sturmböen und orkanartigen Böen sein. Insgesamt lässt das Sturmtief Zoltan aber nach. An der Nordsee kann es auch am Samstag, 23. Dezember, anfangs nochmals orkanartige Böen geben. In der Nacht zum Heiligabend und am Sonntag selbst ist das Wetter in Niedersachsen meist bedeckt und regnerisch. Dabei ist auffrischender, an der Nordsee zunehmend starker und in Böen stürmischer Wind möglich. Die Temperatur steigen dann auf 10 bis 13 Grad.
Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa







