Anke Fahrenholz bilanziert Hochwasser-Ausnahmezustand – und sagt Danke

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Thedinghausens Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz zieht Bilanz zur Hochwasser-Ausnahmesituation und richtet ein Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer.

Zweieinhalb Wochen unter Dauerstrom. Handy und Autoschlüssel Tag und Nacht griffbereit. Die Gedanken kaum mal woanders als beim Hochwasser. So beschreibt Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz die Phase des Ausnahmezustandes seit Weihnachten aus ihrer Sicht. „Es war eine sehr aufregende Zeit“, sagt die Verwaltungschefin nun im Rückblick. „Ich war immer in Lauerstellung. Wenn so etwas akut ist, wird einem noch viel deutlicher bewusst, welche Verantwortung man trägt“, betont sie mit Blick auf Hab und Gut, Leben und Gesundheit der knapp 16.000 Menschen in der Samtgemeinde, die deren Bürgermeisterin die ganze Hochwasserzeit über nicht ein einziges Mal verlassen hat.

Die Gedanken kreisten oft darum, ob wir an alles gedacht haben, was alles passieren könnte und was vielleicht noch zu tun ist.

Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz

„Das Besondere war, dass das Wasser sehr lange sehr hoch gestanden hat. Es war ein hohes Spannungslevel über einen langen Zeitraum. Die Gedanken kreisten oft darum, ob wir an alles gedacht haben, was alles passieren könnte und was vielleicht noch zu tun ist.“ Gleichzeitig hätten, im Hintergrund verborgen vor der Öffentlichkeit, die Pläne fertig bereit gelegen für mögliche Evakuierungen von Ortschaften. Notfallnummern waren zusammengetragen, Stromabschaltungen, Bustransfers und Unterkünfte für den Fall der Fälle bedacht und vorbereitet.

Pflegten einen engen Austausch und gute Zusammenarbeit in der Hochwasserlage der vergangenen Wochen: Peter Neumann, Geschäftsführer des Mittelweserverbandes, und Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz.

Ich bin froh, dass wir das so gut überstanden haben und dass nichts Größeres passiert ist.

Anke Fahrenholz

Nun, da das Wasser seit einer Woche größtenteils gewichen und vielerorts wieder ein normaleres Leben eingekehrt ist, kann Anke Fahrenholz mit einiger Erleichterung bilanzieren: „Ich bin froh, dass wir das so gut überstanden haben und dass nichts Größeres passiert ist.“ Womit sie in erster Linie den schlimmsten Fall meint, einen Deichbruch – wäre dieses Szenario irgendwo eingetreten, egal ob in Horstedt, Eißel, Morsum, Intschede oder Oiste, hätte es in jedem Fall weite Teile der Samtgemeinde betroffen. Dieser Fall blieb zum Glück aus.

Umgestürzte Eiche im Deich: Kritische Lage in Horstedt

Wobei es hier und da schon mal „ein bisschen kribbelig“ gewesen sei, etwa als kurz vor Silvester eine umgestürzte Eiche in Horstedt ein großes Loch in die Deichflanke gerissen hatte. „Da waren auch die Kollegen vom Mittelweserverband ein bisschen beunruhigt.“ Mit vereinten Kräften hatten Feuerwehrleute und Anwohner gemeinsam mit den Experten von THW und Deichverband in einem nächtlichen Einsatz den Deich mit Sandsäcken gesichert und so die Situation entschärft.

Es war beeindruckend zu erleben, wie wir diese besondere Situation gemeinsam angegangen sind, mit Vertrauen, Fachkompetenz, einem guten Miteinander und vor allem Hand in Hand.

Anke Fahrenholz

Beispiele wie dieses für selbstlosen Einsatz rund um die Uhr, für Zusammenhalt und Solidarität haben die Rathauschefin nun zu einem großen Dank veranlasst. In einem Schreiben richtet sie emotionale Worte an Mitbürgerinnen und Mitbürger, Helferinnen und Helfer: Die steigenden Pegel „machten vielen Haushalten zu schaffen und forderten uns alle physisch und emotional sehr. In dieser besonderen Zeit zeigte sich die Stärke unserer Samtgemeinde. Es war beeindruckend zu erleben, wie wir diese besondere Situation gemeinsam angegangen sind, mit Vertrauen, Fachkompetenz, einem guten Miteinander und vor allem Hand in Hand. Das freiwillige Engagement der Menschen hier vor Ort und insbesondere das tatkräftige zuverlässige Handeln unserer Feuerwehren war herausragend.“

Anke Fahrenholz betont in ihrem Schreiben neben dem engagierten Einsatz der Rettungs-, Hilfs- und Fachkräfte von Feuerwehren, THW, Johannitern, Technischer Einsatzleitung, Mittelweserverband, Polizei, Bauhöfen und Klärwerk auch die Zusammenarbeit mit benachbarten Kommunen, dem Landkreis sowie Landwirten, Unternehmen und allen weiteren helfenden Händen. „Durch Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe und gemeinsame Kraftanstrengung haben wir die Krise zusammen bewältigt und sind trotz kritischer Situationen glimpflich davongekommen. Ich danke allen von ganzem Herzen, die zur Bewältigung dieser Herausforderung beigetragen haben.“

Unterspülungen von Gemeindestraßen

Wobei „glimpflich“ relativ zu sehen ist. Die Rathauschefin berichtet im Gespräch mit der Redaktion von Unterspülungen von Gemeindestraßen in Horstedt und am Streek. Dies sind größere Schäden an der Gemeindeinfrastruktur, für deren Reparatur man ein Unternehmen beauftragen müsse. Ansonsten seien ihr bislang nur kleinere Straßenschäden bekannt, die Bauhöfe seien aber noch dabei, die Lage zu prüfen, so Fahrenholz.

Solche Lagen zeigen, wie wichtig jedes Feuerwehrmitglied und alle Wehren in der Samtgemeinde sind.

Rathauschefin und Feuerwehrfrau Anke Fahrenholz

Was der Verwaltungschefin mit jahrelanger eigener Erfahrung in der Feuerwehr sowie im Krisenmanagement in ihren Jahren beim Landkreis wichtig ist zu betonen: „Solche Lagen zeigen, wie wichtig jedes Feuerwehrmitglied und alle Wehren in der Samtgemeinde sind. Bei den Feuerwehren und im Katastrophenschutz dürfen wir nicht sparen.“ Denn neben dem akuten Hochwasserschutz sei natürlich auch die Basisversorgung wie die Hilfe bei Verkehrsunfällen oder möglichen Bränden zu gewährleisten gewesen, weshalb es wichtig gewesen sei, immer auch noch Einsatzkräfte in Reserve zu haben.

Ich war die ganze Zeit sicher, dass die Menschen hier gut geschützt sind.

Samtgemeindebürgermeisterin Anke Fahrenholz

Das und vieles mehr im Blick zu behalten, sich kontinuierlich mit allen beteiligten Stellen gegenseitig auf dem Laufenden zu halten – „wir sprechen alle eine Sprache“ –, bei kritischen Lagen schnell vor Ort zu sein, bei all dem habe ihr ihr Erfahrungsschatz und ihre Verwurzelung in der Samtgemeinde geholfen. „Das ist mein Metier, da fühle ich mich ganz sicher“, sagt Anke Fahrenholz, die speziell hier zudem den engen Austausch und die „super Zusammenarbeit“ mit dem Mittelweserverband hervorhebt, wenn es um die Hochwasserschutzanlagen geht. „Wir haben ständig telefoniert, und wenn es mal kritisch wurde, waren die Kollegen sehr schnell vor Ort. Das gibt viel Sicherheit.“ Dieses Miteinander, das Wissen um das unermüdliche Engagement guter Leute in allen Bereichen und ihr eigener Erfahrungsschatz lassen die Rathauschefin nun zu dem Schluss kommen: „Ich war die ganze Zeit sicher, dass die Menschen hier gut geschützt sind.“

Deiche nicht gefährlich aufgeweicht

Zumal auch die Deiche zu keinem Zeitpunkt gefährlich aufgeweicht gewesen seien, obwohl das Hochwasser sehr lange an ihren Flanken stand und ins Erdreich einsickern konnte. „Puddingdeiche hatten wir an keiner Stelle. Die Bäume im Deich sind aber ein Thema“, sagt Fahrenholz im Rückblick. Aber, und das beruhigt sie erst einmal, auch wenn künftig – wie in anderen Kommunen auch – sicherlich Verbesserungen im Hochwasserschutz und deren Finanzierung mit dem zuständigen Land Niedersachsen besprochen werden müssten: Die Deiche in der Samtgemeinde haben offensichtlich eine große Bewährungsprobe bestanden. Auch wenn die Anlagen vielerorts nicht den neuesten Erkenntnissen und Standards entsprächen, so Fahrenholz, die nach eigenen Angaben in den zweieinhalb Wochen Ausnahmezustand „eine Menge dazugelernt“ hat.

Es gab keine Chance, mal abzuschalten. Ich habe natürlich irgendwann die Erschöpfung gemerkt.

Anke Fahrenholz

Auf Kosten von entspannten Feiertagen, Freizeit und Feierabend. „Es gab keine Chance, mal abzuschalten. Ich habe natürlich irgendwann die Erschöpfung gemerkt“, sagt die Samtgemeindebürgermeisterin. „Das Gefühl, dass es geschafft ist, hatte ich erst, als das Wasser abfloss und wir aus der Alarmstufe 3 raus waren.“ An dem Wochenende, nachdem auch die lange überschwemmten Landesstraßen wieder freigegeben worden waren, habe sie sich erst gewundert, „dass es auf einmal so ruhig war“. Kein Telefon, das klingelte, keine tägliche Lagebesprechung mehr morgens um 10 Uhr – und dann? „Etwas Besonderes gemacht oder mir gegönnt habe ich nicht“, berichtet Anke Fahrenholz von den Tagen danach. Mit einer Ausnahme: „Viel schlafen ohne zu denken.“

Rubriklistenbild: © Christian Walter

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