VonChristian Einfeldtschließen
Der Strompreis steigt weiter – laut Niedersachsens Ministerpräsident „besorgniserregend“. Weil hofft nun auf das „schnelle und konsequente Einschreiten des Staates“.
Hannover – Das Warten auf das seitens der Bundesregierung in Aussicht gestellte dritte Entlastungspaket könnte kaum herausfordernder sein. Als würde die Preisentwicklung des Gases nicht schon besorgniserregend sein, explodieren nun auch die Strompreise. In Sachen Mehrkosten müssten Haushalte mitunter von einem Anstieg in Höhe von 300 Euro ausgehen. Weitere Kosten gilt es in den kommenden Monaten einzuplanen. Klar, dass die aktuelle Krisensituation auch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil beschäftigt. Dabei nimmt er den Staat in die Pflicht: Ein „schnelles und konsequentes Einschreiten“ sei dringend notwendig.
| Ministerpräsident von Niedersachsen: | Stephan Weil |
| Geboren: | 15. Dezember 1958 (Alter 63 Jahre), Hamburg |
| Ehepartnerin: | Rosemarie Kerkow-Weil (verh. 1987) |
| Partei: | Sozialdemokratische Partei Deutschlands |
Explodierende Strompreise: Niedersachsens Ministerpräsident Weil fordert Eingreifen des Staates
Unlängst haben Gasversorger in Bremen und Niedersachsen die Preise erhöht. Die zugehörigen Zahlen stimmen Privatpersonen wie Unternehmen gleichermaßen nachdenklich. Der Preisschock beim Gas lässt die Kosten um über 1000 Prozent ansteigen. Eine ähnlich bedenkliche Entwicklung prophezeien Experten nun angesichts des Strompreises. „Im Vergleich zum Vorjahr ist der durchschnittliche kWh-Preis um rund 38 Prozent gestiegen“, sagt etwa das Vergleichsportal Verivox. Zuletzt hatte der Strompreisanstieg gar 700 Euro pro Megawattstunde erreicht.
Fragen nach einem Ende der Preisentwicklung rücken in den Vordergrund und bewegen auch Stephan Weil. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigt der SPD-Politiker am Sonntag, dem 28. August 2022, die zuvor skizzierte Entwicklung. Zufolge des Ministerpräsidenten seien die Prognosen „besorgniserregend“. Die Krisensituation macht die Finanzierung der Energien immer schwieriger – sogar die Hamburger Elbphilharmonie sei angesichts der Energiekrise existenziell gefährdet.
„Regeln passen nicht“: Weil hofft auf Unterstützung des Staates, um Verbraucher entlasten zu können
„Wichtig ist ein Blick auf die Ursachen dieser Entwicklung“, sagt Weil der Deutschen Presse-Agentur. Um die Gasknappheit bestünden keine Zweifel. Nach Angaben des Ministerpräsidenten, der zuletzt staatliche Hilfen in Zeiten der Energiekrise in Aussicht gestellt hatte, hätte sich die Verfügbarkeit von Strom in den letzten Jahren jedoch nur geringfügig geändert. Selbst unter Berücksichtigung der hohen Stromexporte nach Frankreich, hätten aktuelle Krisenzeiten kaum einen Einfluss darauf, wie viel Strom bezogen werden könne. Was steckt also hinter den Preiserhöhungen?
Stephan Weil ruft nun den Staat zum Eingreifen auf. „Riesige Spekulationsgewinne, die derzeit eingefahren werden“, würden aus Sicht des Ministerpräsidenten die aktuelle Situation rund um den Strompreis charakterisieren. „Die Regeln der Strombörse passen nicht für die aktuelle Lage“, ist sich der Politiker sicher. Im Zuge dessen beruft sich der Ministerpräsident auf den sogenannten „Merit-Order“-Effekt. Wie die „Tagesschau“ berichtet, bezieht sich das Prinzip auf die Reihenfolge der im Strommarkt eingespeisten Energielieferanten. Ausgangspunkt ist stets das Kraftwerk, das imstande ist, am günstigsten Strom zu produzieren.
Es folgen weitere Strom-Produzenten, bis die Nachfrage letzten Endes gedeckt ist. Im Zuge dessen entstehen immer weitere Grenzkosten. Jene spiegeln sich aktuell in bedenklicher Art und Weise nun auch in den Strompreis wider. Ein „schnelles und konsequentes Einschreitens des Staates“ sei daher erforderlich – nicht zuletzt, um den Verbraucher zu entlasten. Am Strommarkt brauche es eine Änderung der bisherigen Regeln. „Wenn eine kurzfristige Änderung wegen der europaweiten Diskussion nicht möglich ist, kommen aus meiner Sicht auch ein Aussetzen des Stromhandels und eine vorübergehende staatliche Preisregulierung in Betracht.“
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