Tonnenweise tote Tiere: Starkregen sorgt für Fischsterben in Niedersachsen
VonUlrike Hagen
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In verschiedenen Flüssen Niedersachsens starben in den letzten Tagen Tausende von Fischen. Die Ursache ist massiver Starkregen, der in Zukunft den Gewässern häufiger zusetzen wird.
Stickhausen – In den Flüssen des Ammerlands und Ostfrieslands, der Leda, dem Aper Tief und der Jümme, kam es in den letzten Tagen zu einem dramatischen Fischsterben in Niedersachsen: Rund sechs Tonnen tote Fische wurden aus den betroffenen Gewässern geborgen. Verantwortlich für das massenhafte Sterben der Fische sind offenbar die Wetterextreme der vergangenen Woche, die zu einem massiven Sauerstoffmangel in den Flüssen führten. Die Folge: Viele Tiere ersticken.
Ein derart massives Fischsterben könne vor dem Hintergrund des Klimawandels mit immer mehr Starkregen-Tagen überall in Niedersachsen jederzeit wieder auftreten, erklärte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf Nachfragen von kreiszeitung.de von IPPEN.MEDIA dazu.
An der Jümme bot sich ein Bild des Schreckens: Tausende tote Fische, massenweise darunter fast zwei Meter lange und 30 Jahre alte Welse, außerdem Aale, Brassen und Zander.
Fischsterben in Niedersachsen: Tausende tote Fische in Leda und Jümme
Die ersten Hinweise auf ein beachtliches Fischsterben in der Jümme und angrenzenden Gewässern seien beim NLWKN bereits am 15. August eingegangen, man habe sofort Gewässerproben entnommen. Anhand der bisher vorliegenden Daten wurden sowohl in der Jümme, als auch in den zulaufenden Gewässern äußerst geringe Sauerstoffgehalte gemessen.
Sechs Tonnen tote Tiere – darunter zwei Meter lange und 30 Jahre alte Welse, Aale, Brassen und Zander
Jens Salva, Biologe beim Landesfischereiverband Weser-Ems, erklärte im Gespräch mit kreiszeitung.de, der Sauerstoffgehalt der Jümme betrug nur noch 1,4 Milligramm pro Liter, normal seien 8 Milligramm: „Tausende Tiere sind verendet – darunter bis zu zwei Meter lange und 30 Jahre alte Welse sowie Aale, Brassen und Zander – insgesamt sechs Tonnen wurden aus den Flüssen gezogen“, so der Biologe.
Das sei jedoch nur das, was man gefunden habe. Alles, was noch kleiner sei, werde sofort gefressen – ganz zu schweigen von den Verlusten von Kleinstorganismen: „Es wird Jahre dauern, bis sich die Fischpopulation erholt hat“. Und das, obwohl es sich um fließende Gewässer handele, die sich naturgemäß schneller regenerieren.
Wenn es so weiter geht, können wir uns von der lebenden Welt in Gewässern bald verabschieden.
„Nachwirkungen des Starkregens“: Fische ersticken in niedersächsischen Flüssen
„Die bisherigen Erkenntnisse und die zeitliche Nähe zu den Starkregenereignissen, die in Teilen Ostfrieslands am Dienstag und frühen Mittwoch der vergangenen Woche zu erheblichen Überschwemmungen geführt hatten, legen nahe, dass es sich bei dem aktuellen Fischsterben um Nachwirkungen des Starkregenereignisses handelt“, erklärt das NLWKN.
Die Zusammenhänge seien recht eindeutig: „Während eines Starkregenereignisses wird natürlicherweise organisches Material in Gewässer eingetragen, die Konsequenz ist ein erhöhter Sauerstoffverbrauch in den Gewässern, in denen im aktuellen Fall bereits relativ hohe Wassertemperaturen herrschten“. Die Folge: Den im Gewässer lebenden Tieren steht dann nicht mehr genügend Sauerstoff zur Verfügung. Im Rahmen der heftigen Regenfälle der vergangenen Woche war es zu Überlastungen der Kläranlagen im Einzugsgebiet und zu kompletten Abschwemmungen der überfluteten Flächen gekommen.
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Starkregenereignisse durch Klimawandel: „Gesamtgesellschaftliches Umdenken erforderlich“
Bei entsprechenden Wetterlagen und aufgrund der Flächennutzungen in Niedersachsen sei – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, in dessen Zuge eine Zunahme von Starkregenereignissen wahrscheinlich ist – in Zukunft häufiger mit einem Fischsterben zu rechnen. Um derartigen Auswirkungen von Starkregenereignissen zu begegnen, so ein Sprecher des NLWKN, sei „eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte und ein gesamtgesellschaftliches Umdenken erforderlich“. Etwa, indem man Gewässern wieder mehr Raum zur Verfügung stelle und unter anderem die Bebauung Bewirtschaftung in den Überschwemmungsbereichen extensiviert wird.
Auch Jens Salva betont, dass man zu einer „Veränderung der Nutzung in der Nähe von Gewässern kommen müsse, da ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Es müsse jedoch schnell etwas passieren, denn: „Wenn es so weiter geht, können wir uns von der lebenden Welt in Gewässern bald verabschieden.“
Noch in diesem Jahr sollen die vom Bundesamt für Kartografie und Geodäsie (BKG) erstellten, landesweiten „Hinweiskarten Starkregengefahren“ online veröffentlicht werden, die dann grob und vereinfachend darstellen, in welchen Bereichen eine Gefahr infolge von Starkregen bestehen könnte.