Gesprungen oder gegraben?

„Wölfe können nicht fliegen“: Wolfsberater ärgert sich über „Falschmeldung“ nach Rissen bei Stade

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Sprang ein Wolf im Landkreis Stade über einen 1,80 Meter hohen Zaun und tötete sechs Schafe? Ein Wolfsberater hält das für eine „Falschmeldung“.

Niedersachsen/Kreis Stade – „Der Wolf musste gar keine 1,80 Meter hochspringen, sondern nur die Lücke im Zaun finden“, sagt der hiesige Wolfsberater aus dem Landkreis Stade. „Wölfe können nicht fliegen.“ Er möchte namentlich nicht genannt werden. Eines der Raubtiere soll am vergangenen Wochenende zunächst an fünf Stellen erfolglos versucht haben, sich unter ihm durchzugraben und anschließend über den 1,80 Meter hohen Herdenschutzzaun einer Schafweide im Landkreis Stade gesprungen sein.

Sechs Schafe im Kreis Stade getötet – Wolfsberater ärgerlich: „Spuren waren eindeutig“

Zumindest halten das sowohl der Halter der Schafe sowie die hiesige Jägerschaft für ein denkbares Szenario. Das berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Sechs von 25 Schafen starben. Der Wolfsberater ist anderer Auffassung und hat valide Argumente. „Der zuständige Förster der Landwirtschaftskammer (LWK) hat, nachdem er den Tatort besichtigt hat, dem Tierhalter mitgeteilt, dass kein Grundschutz vorhanden war.“ Das bedeute, dass der Zaun nicht den Vorgaben entsprach und einen Wolf nicht gut genug abhalten konnte. „Die Spuren vor Ort waren eindeutig.“

Ein Wolf soll im Kreis Stade einen 1,80 Meter hohen Zaun überwunden haben, um Schafe anzugreifen. Jetzt bezieht ein hiesiger Wolfsberater Stellung. (Symbolbild)

Kreiszeitung.de hat bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen nachgefragt. „Wir können die Aussage des Wolfsberaters bestätigen“, sagt Pressesprecherin Jantje Ziegeler. Nicht an allen Seiten des Zaunes war ein ausreichender Untergrabschutz vorhanden. „Es gab also Stellen, wo der Wolf unter dem Zaun hätte durchgehen können“, so Ziegeler. Ein Tier scheint dies auch versucht zu haben.

Am Zaun fanden die Gutachter mehrere Stellen, an denen ein Tier gebuddelt hat, so Ziegeler. Belege, dass dies der Wolf gewesen war, der auch die Schafe riss, gibt es nicht. Es ist aber naheliegend. Andere Schwachstellen, was die Sicherheit betrifft, gab es nicht. Über diese Sachlage sei der Tierhalter informiert worden.

Stimmung im Kreis Stade schlecht – Berichte über „fliegende Wölfe“ verunsichern Einheimische

Auch, ob eine Lücke im Zaun gefunden wurde und Spuren in der Nähe des Zaunes gefunden worden sind, die darauf hindeuten, dass dort ein Tier gegraben hat. Dies wird derzeit geprüft. Die Stimmung vor Ort sei angesichts der jüngsten Vorfälle in puncto Wolf laut Wolfsberater „schlecht“. „Solche Falschmeldungen von fliegenden Wölfen schafft kein Vertrauen und führt nur zu einer weiteren Verunsicherung der Bevölkerung.“

In den vergangenen Wochen geriet die Region um den Landkreis Stade mehrfach wegen Wolfsattacken in den Fokus der Medienberichte. Unter anderem tötete ein Wolf 55 Schafe. Der Frust und Ärger seitens der Landwirte wird angesichts solcher Attacken immer lauter. Viele fordern, dass der Abschuss von „Problemwölfen“ erleichtert werden soll. Bislang war dies mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden und nur in Ausnahmefällen möglich.

Rubriklistenbild: © Imago/Addictive Stock/CHROMORANGE/Kreiszeitung-Fotomontage

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