Keine DNA-Probe mehr

Wölfe sollen künftig einfacher abgeschossen werden können

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Wölfe sollen ohne DNA-Analyse ab 2024 abgeschossen werden dürfen. Das Verfahren soll schneller werden und trotzdem rechtssicher sein.

Hannover – Geht es auf einmal ganz schnell? Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat einen Plan vorgestellt, nachdem Wölfe leichter und schneller angeschossen werden können – ganz ohne DNA-Analyse, aber weiterhin mit Ausnahmegenehmigung. Landesumweltminister Christian Meyer hat angekündigt, den Vorschlag in Niedersachsen zügig umsetzen zu wollen – möglichst schon 2024. „Das ist unser Ziel. Ein einstimmiger Beschluss der Umweltministerkonferenz für dieses Verfahren und dann werden wir das so schnell wie möglich auch in Niedersachsen in die Praxis umsetzen und dann auch realisieren“, sagte der Grünen-Politiker in Hannover.

Wölfe sollen künftig einfacher abgeschossen werden können: „Sehr großer Spielraum“

Das aktuelle Verfahren ist langwierig, an viele Formalien gebunden und der Verwaltungsaufwand ist hoch. Daher schlug Lemke am Donnerstag (12. Oktober) vor, dass die Bundesländer Regionen mit vermehrten Rissen durch Wölfe festlegen sollen. Hat ein Wolf dort zumutbare Schutzvorkehrungen wie einen Zaun überwunden und ein Weidetier gerissen, soll auf ihn per Ausnahmegenehmigung 21 Tage lang geschossen werden dürfen – und zwar im Umkreis von 1000 Metern um die Weide.

Bei der Bestimmung der Regionen solle es „sehr großen Spielraum“ für die Länder geben. Das Verfahren sei ein Einstieg in ein regional differenziertes Wolfsmanagement. Dieses habe Niedersachsen immer gefordert, so Minister Meyer.

Anders als bisher soll nicht erst eine DNA-Analyse abgewartet werden müssen, um den Wolf eindeutig zu identifizieren. Eine Abschussgenehmigung solle innerhalb weniger Tage vorliegen können. Umweltminister Meyer sagte, das vorgeschlagene Verfahren sei rechtssicher umsetzbar und mit dem strengen Schutz des Wolfes vereinbar. Über den Vorschlag wollen Bund und Länder bei der Umweltministerkonferenz im November beraten.

Steffi Lemke stellt in der Bundespressekonferenz neue Vorschläge zum Umgang mit dem Wolf in Deutschland vor.

Niedersachsens rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, an einem Konzept der Bundesregierung für ein europarechtskonformes, regional differenziertes Bestandsmanagement mitarbeiten zu wollen. Dies würde bedeuten, dass Wölfe in bestimmten Regionen geschossen werden könnten, um ihre Zahl zu regulieren. In Niedersachsen leben früheren Angaben zufolge rund 500 Wölfe.

Der Koalitionspartner SPD schränkte ein: „Ich bleibe bei unserer Forderung, den Wolf genau wie andere Tierarten auch dann bejagen zu können, wenn noch kein Riss passiert ist. Denn eine Entnahme nach einem Riss ist kein Bestandsmanagement, sondern die Entnahme von Problemwölfen“, sagte Christoph Willeke, Sprecher für Wolfspolitik. In die gleiche Kerbe schlug der Verband der Lüneburger Heidschnuckenzüchter. Sie fordern nach wie vor „wolfsfreie Zonen“, wo Herdenschutz schwierig sei, wie an Deichen oder in der Heide. 

Abschuss von Wölfen: Alle sind sich einig – Schritt in die richtige Richtung

Die CDU-Fraktion im Landtag wertete den Vorschlag der grünen Bundesministerin als Schritt in die richtige Richtung – nicht aber als ein Einstieg in ein regionales Bestandsmanagement. Der Forderung etwa von Weidetierhaltern und Jägern nach wolfsfreien Zonen, etwa entlang der Küste zum Schutz von Deichschafen, sei eine Absage erteilt worden, sagte CDU-Agrarpolitiker Marco Mohrmann. „Der Wolfsbestand in Niedersachsen ist schlicht und ergreifend zu hoch. Da müssen wir ganz grundsätzlich ran.“ Es brauche eine effektive Bejagung.

Eine ausgewachsener weiblicher Wolf steht in seinem Gehege. Wildtiere, die reißen, sollen unter bestimmten Bedingungen abgeschossen werden dürfen.

Das Landvolk und das Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement begrüßten die Ankündigung Lemkes und forderten eine schnelle, unbürokratische Umsetzung. „Endlich ein positives Signal für unsere Weidetierhalter“, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses und Landvolk-Vizepräsident, Jörn Ehlers, in einer Mitteilung.

„Jetzt muss unser niedersächsischer Umweltminister Meyer Farbe bekennen und bis zur Umweltministerkonferenz Ende November die Details klären. Dazu gehört auch, dass er den Erlass zur Bekanntgabe der geplanten Abschüsse zurücknimmt, der nur unnötig Zeit kostet und den Prozess wieder nur verlangsamen würde“, so Ehlers weiter. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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