Wahl in Niedersachsen: Weitere fünf Jahre – sind Sie fit, Herr Weil?
VonJens Kiffmeier
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Amtsmüde nach neun Jahren: Die CDU stellt Stephan Weil (SPD) vor der Wahl in Niedersachsen als ambitionslos da. Doch der Ministerpräsident wehrt sich.
Hannover – Lange galt die Wiederwahl als reine Formsache. Doch auf den letzten Metern muss Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) plötzlich zittern. Denn plötzlich schlug die Energiekrise zu und auf die Deutschen prasselten die Probleme nieder. Hohe Preise für Strom, Gas und Lebensmittel – und die Bundesregierung verhaspelte sich wenige Wochen vor der Wahl in Niedersachsen bei der Suche nach den passenden Entlastungspaketen. Das Chaos torpedierte auch den Wahlkampf des sozialdemokratischen Kandidaten.
Ministerpräsident in Niedersachsen:
Stephan Weil (SPD)
Alter:
63 Jahre
Ehefrau und Kinder:
Rosemarie Kerkow-Weil, 1 Sohn
Kirche:
katholisch
Wahl in Niedersachsen: Stephan Weil (SPD) gegen Bernd Althusmann (CDU) – Ministerpräsident steht laut Umfragen vor der Wiederwahl
Kann die SPD die Aufgaben bewältigen? Ist der 63-jährige Stephan Weil der richtige Mann, um Niedersachsen als Energieland nach vorne zu bringen? In der CDU, die bis dato in den Umfragen weit hinter der SPD rangiert hatte, witterte man plötzlich Morgenluft. Stoisch versuchte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), die Zweifel an Weils Fähigkeiten zu nähren. Mit harten Attacken griff er den Amtsinhaber an und warf ihm vor, ambitionslos und amtsmüde zu sein.
Doch was sagt Stephan Weil zu den Angriffen? In unserer Schlussrunde kurz vor der Niedersachsen-Wahl steht er im Exklusiv-Interview mit kreiszeitung.de Rede und Antwort.
Stephan Weil (SPD): Ist der Kandidat bei der Niedersachsen-Wahl 2022 amtsmüde?
Die CDU wirft ihnen vor, amtsmüde zu sein. Werden Sie bei einer Wiederwahl die vollen fünf Jahre durchziehen und wo sehen Sie Niedersachsen, wenn Sie in vier Jahren tatsächlich in Rente gehen?
Das hätten die Kollegen von der CDU vielleicht gerne. Ich bin fit und hoch motiviert und möchte gerne die ganze Legislatur „durchziehen“ – um Ihre Wortwahl aufzugreifen. Ich will vor allem mithelfen, dass wir in Niedersachsen die aktuellen Probleme gemeinsam erfolgreich bewältigen, so wie uns das in den letzten Jahren immer wieder gelungen ist. Und ich will Niedersachsen weiterentwickeln zum Energieland Nummer 1.
Das heißt?
Im Bereich der Erneuerbaren Energien, bei der Produktion und dem Import von klimaneutralem Wasserstoff haben wir enorme Chancen. Industrie folgt Energie – ich bin zuversichtlich, dass unser Land für viele Unternehmen in Zukunft noch sehr viel attraktiver wird, als es ohnehin schon ist. Aber aktuell steht natürlich die Bewältigung der Krise im Vordergrund.
Was noch gesagt werden muss – die Exklusiv-Interview-Reihe
Fünf Parteien, sechs Spitzenkandidaten, eine Wahl: Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen wird am 9. Oktober ein neuer Landtag gewählt. SPD, CDU, FDP, Grüne, Linke und die AfD ringen um gute Ergebnisse. Im Schlussspurt des Wahlkampfes haben wir die Kandidaten noch einmal befragt. In loser Folge erscheinen die Interviews von Stephan Weil (SPD), Bernd Althusmann (CDU), Julia Willie Hamburg (Grüne) oder Stefan Birkner (FDP) auf kreiszeitung.de.
Landtagswahl in Niedersachsen: Ministerpräsident Weil setzt bei Sieg auf Rot-Grün
Niedersachsen ist ein Schlüsselland bei der Energiewende. Angesichts der Energiekrise muss nun beim Ausbau der Erneuerbaren der Turbo angeschaltet werden, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Wo sehen Sie die größten Hindernisse und was tun Sie, um sie nach der Landtagswahl zu beseitigen?
Die größten Hindernisse sind die Dauer der Planungs- und Genehmigungsverfahren und langwierige rechtliche Überprüfungen. Da hat sich die Bundesregierung viel vorgenommen und das ist auch dringend notwendig. Künftig sollen Klimaschutzbelange Vorrang haben, Planungs- und Genehmigungsverfahren werden beschleunigt, Umweltprüfungen und Beteiligungsrechte stärker gebündelt. Mit diesem Rückenwind aus Berlin werden wir nach Jahren des Stillstands in den nächsten Jahren beim Ausbau der Erneuerbaren zügig vorankommen, da bin ich sicher.
Alle niedersächsischen Ministerpräsidenten in einer Fotostrecke
Die CDU wirft den Landes-Grünen vor, besonders renitent zu sein und die Energiesicherheit in Deutschland zu gefährden. Ihre Präferenz für eine Regierungsbildung ist dennoch Rot-Grün. Ist es für Sie eine Traumehe oder welche Kompromisse müssen Sie eingehen?
Jetzt müssen wir erst einmal die Wahl abwarten und ich werbe ganz bewusst für eine starke SPD. Natürlich werden wir in jeder Koalition auch Kompromisse eingehen müssen, bei Themen wie AKW und Fracking sind sich Rot und Grün aber einig. Fracking stößt auf massiven Widerstand in der Bevölkerung und würde schon deswegen etliche Jahre nicht zur Verfügung stehen. Und das AKW in Lingen ist nach dem Stresstest der Bundesregierung für die Versorgungssicherheit in Niedersachsen nicht notwendig. Diese Beurteilung ist aus unserer Sicht gut nachzuvollziehen.
Wahl in Niedersachsen: Wann und wie? Alle Infos zu Kandidaten, Prognosen und zum Wahlzettel
Der Countdown läuft: Am 9. Oktober 2022 startet die Landtagswahl in Niedersachsen. Zur Stimmabgabe sind insgesamt 6,1 Wahlberechtigte aufgerufen. Die Wahllokale sind ab 8.00 Uhr geöffnet. Dieses Mal haben sich 14 Parteien zur Niedersachsen-Wahl aufstellen lassen. Wer in den Prognosen derzeit das Rennen macht und wer Ministerpräsident werden könnte, können Sie in unserem Umfrage-Ticker nachvollziehen. Darüber hinaus finden Sie auch alle Informationen zu den Kandidaten und zum Stimmzettel. Doch wen soll man wählen und wer könnte in Hannover regieren? Bei der Entscheidungsfindung hilft auch der Wahl-O-Mat, der Einblicke in die verschiedenen Wahlprogramme ermöglicht. In unserem Ticker zur Landtagswahl halten wir Sie über das Geschehen auf dem Laufenden.