VonMichael Krügerschließen
Die Zeiten sind schwierig, die Zahlen aber beeindruckend: Die Stadt Rotenburg profitiert mit 3,5 Millionen Euro von den eigenen Stadtwerken. Selbst das Minus beim Ronolulu ist kleiner als erwartet. Dort wird der Umbau länger dauern als erhofft.
Rotenburg – Trotz der angespannten Lage auf dem Energiemarkt und der teuren Sanierungsarbeiten am Ronolulu bleiben die Stadtwerke Rotenburg (SR) für die Stadt in angespannten Finanzzeiten ein lukratives Tochterunternehmen: 2,1 Millionen Euro beträgt der Jahresüberschuss 2022, 500 000 Euro davon wandern direkt in den Haushalt 2023 – 80 000 mehr als ursprünglich eingeplant. Der Stadtrat hat das Jahresergebnis am Donnerstag sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen und den Aufsichtsrat entlastet, wenig überraschend einstimmig.
Kritik an Rechnungen
Es war nur eine einzelne, leicht kritische Stimme zu vernehmen. Gilberto Gori (SPD) lobte zwar auch wie alle die Arbeit des Stadtwerke-Teams in einem schwierigen Marktumfeld, monierte aus Sicht eines Unternehmers aber viele Fehler in den Abrechnungen, die im Zuge des Ukraine-Kriegs mit immer neuen Gaspreisen und staatlichen Entlastungspaketen unübersichtlich variierten. Immerhin: Der kurze Draht zum heimischen Anbieter habe umgehend für Lösungen gesorgt. Aufsichtsratschef und SPD-Ratsherr Andreas Weber nannte das „einen unschätzbaren Wert gegenüber den sonst üblichen anonymen Callcentern“.
Die Stadt profitiert nicht nur direkt durch die Zahlung in den Haushalt 2023 von den Stadtwerken, betonte Geschäftsführer Volker Meyer. Insgesamt, rechnete er vor, ergebe sich ein Vorteil von knapp 3,5 Millionen Euro. Hinzu müsse man nämlich noch rund eine Million Euro Konzessionsabgabe, 1,3 Millionen Euro Verlustausgleich für das Erlebnisbad Ronolulu und 623. 000 Euro Gewerbesteuer zählen.
Die Haie auf dem Gasmarkt, die alle Kunden rausgeschmissen haben, werden irgendwann zurückkommen.
Dass sich die Stadtwerke in einem „sportlichen Jahr“, in dem der Gaspreis zwischenzeitlich auf das Zehnfache gestiegen war, dennoch so gut behaupten konnten, führt Meyer maßgeblich auf zwei Punkte zurück: Der Besuch des Ronolulu „war besser als gedacht“ und „beim Strom haben wir gut eingekauft“. Beim Gas sah es bekanntermaßen anders aus, was die SR im Herbst 2022 bundesweit in die Schlagzeilen brachte. „Wir haben es nicht rechtzeitig geschafft, günstiger einzukaufen“, verweist Meyer auf die noch bestehenden Verträge, die eine kurzfristige Beschaffung notwendig machten. Diesbezüglich wurde aber gegengesteuert. Ab 2025 werde es „eine ganz neue Welt“ geben. Mit mehr als 80 anderen Stadtwerken bilde man dann einen Einkaufsverbund, um die richtige „Balance zwischen Risiko und Chance“ zu finden. Zudem analysiere man den Markt mittlerweile viel genauer. Im Sinne der Kunden hoffe man zudem auf mehr Klarheit, was die Gesetzeslage und die internationale Preisentwicklung betrifft. Meyer: „Das war 2022 sehr wirr. Da konnte kein Mensch mitkommen.“ Unter Strich steht für die SR im Geschäftsbereich Gas ein Minus von 618. 000 Euro im vergangenen Jahr.
Künftig soll der Fokus weg vom reinen Lieferanten hin auch zum Energie-Produzenten gehen. Mehrere Photovoltaik-Projekte in der Region seien in der Planung, zudem beteilige man sich vermehrt am Windkraftausbau. Strom aus regionaler Erzeugung ist ein neues Kernthema, dazu Nahwärmenetze, Carsharing-Modelle und Glasfaserausbau – neue Geschäftsfelder, um weiter mit guten Zahlen glänzen zu können.
Im Winter nur Saunabetrieb
Ein Zukunftsmodell ist trotz des defizitären Betriebs natürlich auch das Aushängeschild der Stadtwerke und damit der Stadt: das Erlebnisbad Ronolulu. Zwölf Millionen Euro fließen in die aktuelle Sanierung mit neuer Energiezentrale und dem Umbau des Hallenbads. Die Kräne sind seit Monaten weithin sichtbar, die neue Holzdach-Konstruktion nimmt Form an. Zusätzlich beginnt in diesen Tagen die Erneuerung des Dachs über den Umkleidekabinen, hier sind Balken marode. Dass das alles parallel zum Betrieb im Freibad und Saunabereich laufe, nennt Meyer „eine absolute Besonderheit“. Andere Bäder auch in der Region würden für ein oder mehrere Jahre schließen für notwendige Sanierungen. Das sei im Ronolulu bislang aus Sicherheitsgründen nur tageweise so gewesen: 228. 000 Besucher gab es 2022 – fast Vor-Corona-Niveau.
Allerdings zeichne sich ab, dass der bisherige, sehr ambitionierte Zeitplan nicht eingehalten werden könne. Die Prüfungen der Statik werden länger dauern, zudem leiden auch die beteiligten Baufirmen unter dem allgemein bekannten Fachkräftemangel. Neues Ziel ist es, dass das Hallenbad Ende Februar wieder nutzbar ist. Solange wie möglich wolle man im Herbst das Freibad offenlassen. September und Oktober seien gesichert, so Meyer, aber ab November werde man genau hinschauen müssen, was die Temperaturen machen. Friert es nachts und werde es tagsüber nicht mehr wärmer als zehn Grad, müsse man das Freibad schließen: „Wir müssen auch ökologisch denken. Das kann sonst keiner mehr vertreten.“ Geöffnet hat dann nur noch die Sauna.
