VonEva Burghardtschließen
Ein Tag nach der Sessionseröffnung wird in Köln aufgeräumt. Auf den Ausweichflächen an der Zülpicher Straße zeigt sich ein Bild der Verwüstung.
Köln – Wie ein sehr großer Altglas-Container – so riecht es am Morgen nach der Sessionseröffnung des Kölner Karneval. Rund um das Partyviertel an der Zülpicher Straße, die tags zuvor schon am Morgen komplett überfüllt war, zeigt sich das Ausmaß der Feierei am 11.11. Einer ausufernden Party, zu der nun auch Gastronomen, Anwohner und die Politik gegenüber 24RHEIN Stellung nahmen. Auf der Kreuzung zwischen Universitäts- und Zülpicher Straße weichen Autos den Glasscherben aus, die mitten auf der Straße liegen. Das Knirschen, wenn sie mit dem Schuh oder dem Reifen zerdrückt werden, ist allgegenwärtig. Sie sind Relikte eines Tages mit etlichen Polizeieinsätzen.
11.11 in Köln: Nach der Party im Kwartier Latäng wird augeräumt
An der Ausweichfläche an der Unimensa, die Teil des Sicherheitskonzeptes der Stadt war, räumen Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) den ersten Müll beiseite. Sie sehen beinahe verloren aus in dem Meer aus Plastikflaschen, Kostümfetzen, weggeworfener Pizza und Dreck. Die einzigen, die bei diesem Anblick Freude empfinden, dürften die Pfandsammler sein, die mit Präzision und Geduld immer wieder brauchbares Leergut aus der Masse herausfischen.
Viele, die am Morgen zwischen Uniwiese und dem Aachener Weiher unterwegs sind, halten an und machen Fotos. Einer hat extra die Spiegelreflexkamera eingepackt, um die Verwüstung festzuhalten. „Das sind alles Zeitzeugenbilder“, ruft ein Mann. Beim Anblick der Grünfläche am Aachener Weiher fällt ihm nur ein Vergleich ein: „Wie auf einer Müllkippe.“
Die Beschreibung kommt dem, was am Morgen von der Wiese noch übrig ist, erstaunlich nahe. Auch hier kehren AWB-Leute schon das gröbste zusammen. Dazwischen picken die grauen Gänse, die auf dem Gelände heimisch sind, im Müll herum – als würde es zwischen all dem Unrat noch irgendwo etwas Nahrhaftes geben. „Die Armen“, sagt ein Vater, der mit seinem Kind auf dem Fahrrad vorbeifährt und zeigt auf die Tiere.
Auf der Zülpicher Straße hat sich auf dem Bürgersteig ein rutschiger Film gebildet
Der Anblick der Wiese am Aachener Weiher bringt einige Spaziergänger zum Staunen. Viele halten an und schütteln den Kopf. Nur vereinzelt sieht man noch Verkleidete. Gruppen von Jugendlichen strömen mit ihren Koffern in Richtung Südbahnhof. Auf den ersten Blick sieht die Zülpicher Straße kaum anders aus als an anderen Tagen. Der meiste Müll scheint weggeräumt. Die Kölner Verkehrs-Betriebe sind wieder im Einsatz: Bahn der Linie 9 fährt ganz normal. Dafür sind viele Restaurants für die recht frühe Uhrzeit am Vormittag ungewöhnlich gut gefüllt. „Mir ist irgendwie schlecht“, sagt ein Jugendlicher, der aus einem Ausgang tritt.
Bei näherem Hinsehen ist die Partymeile, wo einen Tag zuvor noch Tausende die Sessionseröffnung feierten, dann aber doch nicht so sauber. In vielen Hauseingängen liegt Erbrochenes. Der Geruch von Urin beißt sich in die Nase. An manchen Stellen ist der Bürgersteig rutschig. Auf dem Boden hat sich ein Film gebildet, bei dem man lieber nicht wissen will, woraus er besteht. Nur da, wo schon jemand gewischt hat, kann man sicheren Fußes vorbeigehen. (ebu) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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