VonMaximilian Gangschließen
In NRW soll es eines Tages einen Kanal geben, der mit Radweg und Gastronomie einen „hohen Freizeitwert“ hat. Er verbindet die riesigen, geplanten Tagebau-Seen.
Inden/Hambach – Der Plan des Energieriesen RWE klingt unglaublich: Rund 6,5 Billionen Liter Wasser aus dem Rhein und der Rur sollen aus den graubraunen Mulden an den Tagebauen Hambach, Garzweiler und Inden gigantische Seen formen. In Hambach soll sogar der zweitgrößte See Deutschlands entstehen. Das Generationenprojekt soll aus dem Braunkohlerevier in NRW eine Wald-Seen-Landschaft machen. Ein Teil davon ist ein riesiger Kanal.
Riesiger Kanal soll zwischen Tagebauseen in Hambach und Inden in NRW entstehen
Noch stecken die Planungen zum Kanal zwischen den Tagebauen Hambach und Inden in den Kinderschuhen: „Für die geplante Kanalverbindung zwischen den späteren Tagebauseen Inden und Hambach wird im Rahmen einer Machbarkeitsstudie ausgelotet, wie im Einzelnen der Kanal angelegt werden kann“, sagte Katharina Kunstić, Sprecherin des Kreis Düren, im Gespräch mit 24RHEIN. Darauf verständigten sich der Kreis Düren, in dem Teile der Tagebaue Inden und Hambach liegen, und der Rhein-Erft-Kreis, in dem sich ein Stück des Tagebau Hambach erstreckt, bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im April 2022.
Radweg soll Besucher entlang des Kanals zwischen den Tagebauseen in NRW führen
Die Ergebnisse der Studie werden für 2024 erwartet. Schon jetzt ist aber klar: „Der Kanal soll einen hohen Freizeitwert haben“, so die Kreissprecherin. So soll die Studie beispielsweise herausfinden, wo sich Gastronomie entlang des Kanals ansiedeln könnte. Zudem soll ein Erlebnisradweg entstehen, der Besucherinnen und Besucher entlang der 6,5 Kilometer langen Wasserstraße führt. Dadurch soll der touristische Wert der Region steigen, wie es von der Indeland GmbH heißt. Ein Radweg als „grünes Band“ entlang des „blauen Bandes“, dem Kanal.
Indeland GmbH
Unter dem Dach der Gesellschaft arbeiten die Anrainerkommunen Aldenhoven, Eschweiler, Inden und Jülich gemeinsam mit dem Kreis Düren zusammen, um die Tagebauregion gemeinsam zu entwickeln.
NRW: Braunkohleregion soll durch Kanal zwischen Tagebauseen zusammenwachsen
Und das Bild eines Bands ist passend gewählt, denn: „Der Kreis Düren und der Rhein-Erft-Kreis wachsen hierdurch wieder ein Stück weiter zusammen und räumliche Trennungen, die durch den Braunkohleabbau entstanden sind, werden geschlossen“, sagte Frank Rock, CDU-Landrat für den Rhein-Erft-Kreis, bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung. Die Wasserverbindung stärke die Wirtschaftskraft, schaffe Arbeitsplätze, ein innovatives Wohnumfeld und ein attraktives Freizeitangebot. „Wir stellen die Weichen für die Zukunft“, sagten Rock und Wolfgang Spelthahn (CDU), Landrat vom Kreis Düren.
Schon bei der Planung des Kanals arbeiten der Kreis Düren und der Rhein-Erft-Kreis eng zusammen, wie Ingo Latotzki sagte: „Wir befinden uns da in enger Kooperation mit dem Rhein-Erft-Kreis“. Eine Möglichkeit wäre laut der Indeland GmbH, dass der Kanal entlang einer Trasse verlaufen könnte, die ursprünglich zum Füllen des Tagebaus Inden vorgesehen war. Andere Führungen seien zum aktuellen Stand aber auch möglich.
Riesige Tagebauseen in NRW: Kritik an dem Vorhaben
Die Entnahme des Wassers für die Tagebauseen aus dem Rhein sorgte gleich von mehreren Seiten für Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass der Rhein zukünftig sowieso schon zu wenig Wasser führen könnte und zweifelt an der Durchführbarkeit des Projekts. Auch Anwohner zeigten sich mit dem Vorhaben von RWE rund um den Tagebau Hambach unzufrieden. In Dormagen sorgt das Vorhaben, den zweitgrößten See Deutschlands in NRW entstehen zu lassen, für reichlich Unmut.
Aus Tagebauregion soll Wald-Seen-Landschaft werden – „einer der spannendsten Regionen Europas“
„Wir leben in einer der spannendsten Regionen Europas“, so Spelthahn. Der Strukturwandel in der Braunkohleregion sei eine Herausforderung. Vor allem müsse man ihn aber als Chance begreifen. „Wichtig ist, den Menschen in der Region Perspektiven zu zeigen und sichtbar zu machen, was in Zeiten des Strukturwandels möglich sei“, so die CDU-Politiker. Ein Kanal zwischen Indesee und Hambachsee würde die „Lebens- und Aufenthaltsqualität in der gesamten Region definitiv deutlich erhöhen“.
Schon Jahrzehnte bevor aus den Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden Seen geworden sein sollen, arbeiten schon sehr viele Menschen daran, auch das Umland im Braunkohlerevier attraktiv zu gestalten. Schon ab 2024 soll beispielsweise ein rund 42 Kilometer langer Radweg entstehen, der Besucherinnen und Besucher um den Tagebau Hambach und die anliegende Sophienhöhe führt: der „Hambach Loop“. Entlang des „Loops“ am Tagebau Hambach sind verschiedene „besondere Orte“ geplant, die den Radweg touristisch aufwerten sollen. (mg) Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Kreis Düren/HHvision


