Tagebau Hambach

Radweg „Hambach Loop“ an riesigem See geplant – jetzt können Bürger abstimmen

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Ein riesiger Radweg soll um den geplanten zweitgrößten See Deutschlands in NRW führen – mit sogenannten „besonderen Orten“. Nun können die Menschen Ideen einbringen.

Hambach – Wer in diesen Tagen vor dem Tagebau Hambach in NRW steht, wird sich nur schwer vorstellen können, dass aus dem größten Loch Europas einmal der nach Volumen zweitgrößte See Deutschlands werden soll. Ein Generationenprojekt, das laut dem Energieriesen RWE erst 2070 fertiggestellt sein soll. Doch schon heute ist die Restrukturierung des Rheinischen Reviers im vollen Gange. So soll mit dem „Hambach Loop“ bereits sehr viel früher ein Radweg am Ufer des sich füllenden Tagebausees entstehen – mit „besonderen Orten“ entlang der Strecke. Dafür ist jetzt die Meinung der Menschen gefragt.

„Besondere Orte“ am zweitgrößten See Deutschlands in NRW: Nun sind die Menschen gefragt

Rund um den Hambachsee und entlang des „Hambach Loops“ sollen verschiedene „besondere Orte“ enstehen

„Die Bevölkerung soll während des gesamten Prozesses eng miteingebunden werden“, sagte Christina Brincker von der Neuland Hambach GmbH, die an der Restrukturierung der Tagebauregion arbeitet, vor Kurzem im Gespräch mit 24RHEIN. Dafür sollen verschiedene Maßnahmen sorgen. Eine davon: Eine Umfrage, die nun gestartet ist.

Bezüglich folgender Leitfrage können die Menschen ihre Ideen, Wünsche und Anregungen für die besonderen Orte am „Hambach Loop“ per E-Mail (info@neuland-hambach.de) mit den Verantwortlichen teilen:

  • Frage 1: Was verbindet die sechs Kommunen rund um den Tagebau Hambach? Welche gemeinsamen Themen gibt es und was möchten sie gemeinsam erreichen?
  • Frage 2: Was wünschen Sie sich für die „Besonderen Orte“? Was wäre ein Erlebnis entlang des Radwegs „Hambach Loop“? Welches Angebot würde einem solchen Ort eine überregionale Strahlkraft geben?

Neuland Hambach GmbH

Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.

Zweitgrößter See Deutschlands in NRW: „Besondere Orte“ sollen mit potenziellen Nutzern diskutiert werden

Der „Hambach Loop“ soll entlang des geplanten Hambachsees und der anliegenden Sophienhöhe führen.

Die Umfrage ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Neuland Hambach GmbH die Menschen an der Restrukturierung der Tagebauregion teilhaben lassen will. Beispielsweise sollen im Spätsommer/Frühherbst Aktionen im direkten Tagebauumfeld stattfinden, die sich vor allem an potenzielle Nutzerinnen und Nutzer des „Neuland Hambach“ richten soll.

So sollen mögliche Nutzungsmöglichkeiten beispielsweise mit Schulklassen, Kulturschaffenden oder Erholungssuchen bei den sogenannten „Raumerlebnisaktionen“ diskutiert werden. Das genaue Datum der Aktionen ist noch unklar, die Planungen sollen Anfang August starten. Verschiedene Fragen stehen dabei im Fokus, wie Brincker sagte:

  • Welches „Charisma“ haben die einzelnen Orte?
  • Passen die Orte baulich und funktional in den vorgesehenen Raum?
  • Für welches Nutzungsangebot würde man an dieser Stelle gerne Pause machen?
  • Welches Nutzungsangebot hat eine solch große Anziehungskraft, dass man dafür extra anreist?

Riesige Tagebauseen in NRW: Kritik an dem Vorhaben

Die Entnahme des Wassers für die Tagebauseen aus dem Rhein sorgte gleich von mehreren Seiten für Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass der Rhein zukünftig sowieso schon zu wenig Wasser führen könnte und zweifelt an der Durchführbarkeit des Projekts. Auch Anwohner zeigten sich mit dem Vorhaben von RWE rund um den Tagebau Hambach unzufrieden.

Besondere Orte am „Hambach Loop“: Machbarkeitsstudie soll Möglichkeiten ausloten

Die Neuland Hambach GmbH hat zudem Gespräche geführt, unter anderem mit Vertretern der Anrainerkommunen. Gemeinsam wurde das Ziel formuliert, die Zukunft „deutlich sichtbar“ vorzubereiten und gleichzeitig noch einen breiten Fächer an Nutzungs- und Gestaltungs-Optionen offenzuhalten. Die Kommunen haben auch bereits konkrete Wünsche und Ideen für die besonderen Orte am „Hambach Loop“ geäußert. Hier eine Auswahl:

  • Titz: Modulbau, möglicherweise mit Café und Infotainment
  • Jülich: Lichtinszenierung an der Via Belgica
  • Kerpen: Künstlerische Inszenierung der Manheimer Kirche

Zudem läuft parallel zur Umfrage eine Machbarkeitsstudie zu den „besonderen Orten“ am Hambach Loop, die weitere realisierbare Nutzungsmöglichkeiten mit Potenzial finden soll, so Brincker. „Aktuell prüfen wir die Anzahl der besonderen Orte, das heißt wir prüfen, wie viele es zur Unterstützung des Loops bedarf und wie diese Orte auch dauerhaft [...] betrieben werden können“, hieß es. Auch Fragen zur Verfügbarkeit von Flächen, zur Nachhaltigkeit und zum Planungsrecht sollen durch die Studie beantwortet werden. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Neuland Hambach / bgmr Landschaftsarchitekten

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