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Bundestagswahl 2025: Ergebnisse sorgen für Gewinner und Verlierer in NRW

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Die Bundestagswahl 2025 in Nordrhein-Westfalen brachte einige prominente Gewinner und Verlierer hervor. Besonders die AfD sorgte aber mit Ergebnissen für Aufsehen.

Hamm – Allzu große Überraschungen hat die Bundestagswahl 2025 in Nordrhein-Westfalen nicht zu Tage gefördert. Es gab allerdings mehrere prominente Gewinner und Verlierer, wie die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen zeigen. Für Aufsehen sorgten zudem auch einige Ergebnisse der AfD – sie verdrängte beispielsweise die SPD in einer ihrer einstigen Hochburgen und fuhr in Gelsenkirchen ein historisches Ergebnis ein. Eine Übersicht.

AfD holt Rekord-Ergebnis in NRW: Bundestagswahl sorgt für Überraschungen

Zum zweiten Mal in Folge schickte die Union einen Kanzlerkandidaten aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland ins Rennen. Nach Armin Laschet im Jahr 2021 trat diesmal CDU-Bundesparteichef Friedrich Merz an. Der Sauerländer, Merz stammt gebürtig aus Brilon und wohnt seit vielen Jahren in Arnsberg, gewann seinen Wahlkreis deutlich. Der 69-Jährige holte 47,7 Prozent der Erststimmen, ihm folgte der SPD-Kandidat Dirk Wiese mit 21,4 Prozent der Erststimmen.

Armin Laschet, bei der Bundestagswahl 2021 – da war er allerdings über die NRW-Landesliste in den Bundestag eingezogen – noch Kanzlerkandidat der CDU und damit quasi Vorgänger von Wahlsieger Friedrich Merz, hat das Direktmandat in seinem Wahlkreis in Aachen gewonnen. Im Wahlkreis Aachen I holte er 32,3 Prozent der Stimmen. 1994 hatte er schon einmal den Wahlkreis direkt gewonnen. Der Politiker scheint wieder an Popularität gewonnen zu haben – mit ihm als CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten hatte die CDU nämlich mit insgesamt 21,4 Prozent 2021 ihr bis dato schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl geholt.

Friedrich Merz (CDU) hat beste Chancen, Kanzler zu werden. Er gewann auch seinen Wahlkreis klar.

Prominente Gewinner und Verlierer der Bundestagswahl 2025 in NRW

Der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der sich gerade in der Corona-Pandemie mit lautstarken Forderungen nach harten Maßnahmen viele Freunde und noch mehr Feinde gemacht hatte, holte im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV die meisten Stimmen und zieht damit erneut in den Bundestag ein. Der SPD-Gesundheitsexperte sitzt seit 2005 als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag. Auf ihn entfielen 32,7 Prozent der Erststimmen, wie aus dem (noch vorläufigen) amtlichen Ergebnis der Bundestagswahl 2025 hervorgeht. Bei den Zweitstimmen in diesem Wahlkreis machte allerdings die CDU das Rennen mit 24,6 Prozent der Stimmen. Lauterbachs SPD holte „nur“ 21,2 Prozent.

Karl Lauterbach (SPD) übernahm den Kampf gegen Corona von Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU).

Und auch dessen Vorgänger im Gesundheitsministerium, Jens Spahn (CDU), zieht per Direktmandat in den Bundestag ein. Der Ex-Gesundheitsminister, der in der Coronapandemie deutschlandweite Bekanntheit mit einem fragwürdigen „Masken-Deal“ erlangte, erreichte im Münsterland im Wahlkreis Steinfurt I/Borken I 41,8 Prozent der Erststimmen.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann feiert gutes Ergebnis in seinem Wahlkreis

Carsten Linnemann (CDU) hat in seinem Wahlkreis in Paderborn mit Abstand die meisten Stimmen errungen. Er kommt auf satte 45,5 Prozent und zieht damit über das Direktmandat in das Parlament ein. Das könnte der „rechten Hand“ von Friedrich Merz auch Rückenwind bei der anstehenden Besetzung der Ministerposten geben – dem Vernehmen nach wird der CDU-Generalsekretär als Wirtschaftsminister und damit Nachfolger von Robert Habeck (Grüne) gehandelt:

Nach der Bundestagswahl: Diese Politiker kommen als Wirtschaftsminister infrage

Carsten Linnemann ist aktuell Generalsekretär der CDU.
Als Top-Favorit gilt die „rechte Hand“ von Kanzlerkandidat Friedrich Merz: Carsten Linnemann ist der Generalsekretär der Union. Er ist Diplom-Volkswirt und hat vor seinem Aufstieg in der CDU bei der Deutschen Bank und bei der Deutschen Industriebank gearbeitet. 1977 in Paderborn geboren, gehört Carsten Linnemann zum rechten Flügel der Union. Er gilt als Initiator der „Aktivrente“, die es Senioren in Deutschland ermöglichen soll, auch über das Rentenalter von 67 Jahren hinaus zu arbeiten. Aus diesem Grund wird sein Name auch häufig im Zusammenhang mit dem Arbeits- und Sozialministerium genannt.  © IMAGO/Christian Ender
Jens Spahn profiliert sich seit Monaten als Wirtschaftsexperte der CDU.
Jens Spahn ist kein Unbekannter im politischen Berlin: Von 2018 bis 2021 war er der Gesundheitsminister im vierten Kabinett von Kanzlerin Merkel. Damit ist er in der Corona-Krise besonders in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – und war erheblicher Kritik ausgesetzt. Der ausgebildete Bankkaufmann versucht seit dem Ende seiner Regierungszeit mehr in die Wirtschaftspolitik zu gehen und meldet sich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag häufig zu wirtschaftspolitischen Themen zu Wort, zum Beispiel zum Heizungsgesetz, für dessen Abschaffung er mehrmals plädiert hat. © IMAGO
Julia Klöckner war unter Merkel die Landwirtschaftsministerin.
Julia Klöckner dürfte den meisten noch als Landwirtschaftsministerin unter der Kanzlerin Angela Merkel in Erinnerung sein. In der Opposition war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU und wird deshalb als mögliche Kandidatin für den Posten als Wirtschaftsministerin gehandelt. Sie ist außerdem die Schatzmeisterin der CDU.  © IMAGO
Thorsten Frei ist Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag.
Thorsten Frei ist der Parlamentarische Geschäftsführer der Union im Bundestag und hat sich in der Opposition zu einem wichtigen Mitstreiter von Friedrich Merz gemacht. In der Vergangenheit hat sich Frei auf Innenpolitik und Verbraucherschutz fokussiert, weshalb er eher als Außenseiter im Rennen um das Wirtschaftsministerium gilt. Es gilt aber als sicher, dass Frei einen wichtigen Posten im Merz-Kabinett einnehmen wird.  © IMAGO/Frederic Kern
Alexander Dobrindt ist der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag.
Ein Name, der so gut wie sicher im nächsten Kabinett auftauchen wird, ist Alexander Dobrindt von der CSU. Aus Kreisen der Union hört man, dass sich Dobrindt aussuchen darf, welchen Posten ihm am besten gefällt: Wirtschafts-, Innen-, Verteidigung- oder Außenministerium. Natürlich kommt das ein bisschen auch auf den Koalitionspartner an – aber für den einstigen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens dürfte das Wirtschaftsministerium durchaus seinen Reiz haben.  © IMAGO
Ina Scharrenbach ist die Bauministerin im Land NRW.
Und was, wenn sich Merz jemanden aussucht, den keiner auf dem Schirm hat? Das immer möglich und in der Union gibt es auf Landesebene zahlreiche erfahrene Politiker und Politikerinnen, die in Frage kämen. Ein Beispiel dafür ist die Bauministerin von NRW, Ina Scharrenbach. Noch dazu würde die Diplom-Betriebswirtin und einstige Wirtschaftsprüferin das Frauen-Problem der Union lösen.  © IMAGO/M. Popow
Danyal Bayaz ist Finanzminister in Baden-Württemberg
Zum Schluss noch zwei Politiker, die vom möglichen Koalitionspartner kommen könnten. Schließlich ist nicht mal sicher, ob die CDU überhaupt den Wirtschaftsminister stellt oder doch lieber Ministerien wie das Finanzministerium und das Arbeitsministerium haben möchte. Da Merz von den Grünen Robert Habeck als Wirtschaftsminister ausgeschlossen hat, könnte Danyal Bayaz aus Baden-Württemberg vorrücken. Er ist im Südwesten der Finanzminister und könnte nach der Landeswahl 2026 auf der Suche nach einem neuen Job sein.  © Bernd Weißbrod/dpa
Verena Hubertz ist Wirtschaftspolitikern der SPD
Wird es eine Große Koalition mit der SPD, dann könnte Verena Hubertz eine Rolle spielen. Sie ist selbst Unternehmensgründerin und hat eine Koch-Plattform mit einer Studienkollegin gegründet. Seit 2020 ist sie nicht mehr dort die Geschäftsführerin, damals hat sie erfolgreich um den Bundestag kandidiert. Sie sitzt im Wirtschaftsausschuss und im Ausschuss für Klimaschutz und Energie – wäre also eine perfekte Kandidatin für das Amt der Wirtschaftsministerin.  © Harald Tittel/dpa

Besonderes Duell der Bundestag-Fraktionschefs im Wahlkreis Köln III: Katharina Dröge (Grüne) setzte sich gegen Rolf Mützenich (SPD) mit 0,2 Prozentpunkten Vorsprung durch. Dröge holte 26 Prozent der Stimmen, Mützenich kam folglich auf 25,8 Prozent. Bislang hatte der Sozialdemokrat seinen Wahlkreis immer direkt gewonnen – er war allerdings auf Platz 1 der Landesliste geführt und zieht trotzdem erneut für die SPD in den Bundestag ein.

Im Wahlkreis Wuppertal I unterlag derweil Thomas Haldenwang (CDU), ehemaliger Chef des Verfassungsschutzes, dem SPD-Abgeordneten Helge Lindh deutlich. Haldenwang 24,3 Prozent der Erststimmen, Lindh kam auf 33,5 Prozent. Besonders bitter für Haldenwang: Er war nicht über die Landesliste abgesichert und wird nicht in den Bundestag einziehen.

Ergebnisse der Bundestagswahl: FDP-Politiker Christian Lindner erlebt doppelte Niederlage

Einer, der sich nun höchstwahrscheinlich komplett aus der Politik zurückziehen wird, ist Christian Lindner. Der FDP-Chef und Ex-Finanzminister in der gescheiterten Ampel-Koalition hatte im Falle einer Wahlschlappe so etwas bereits angekündigt. Der Fall ist eingetreten: Die FDP hat die Fünf-Prozent-Hürde nicht genommen und fliegt aus dem Bundestag. Lindner persönlich kassierte ebenfalls eine Niederlage: Erststimmensiegerin in einem Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis wurde Caroline Bosbach (42,2 Prozent), die Tochter des langjährigen CDU-Bundespolitikers Wolfgang Bosbach. Lindner bekam dort nur 4,9 Prozent der Stimmen.

Insgesamt gestaltete sich die Verteilung auf die einzelnen Parteien in NRW wie folgt:

Bundestagswahl 2025: Vorläufige Ergebnisse für NRW – Erststimmen*

SPDCDU/CSUGrüneFDPAfDLinkeBSWSonstige
25,134,011,73,316,46,80,12,6

*Quelle: wahlergebnisse.nrw

Bei den Zweitstimmen in NRW kam es zu dieser Stimmenverteilung:

Bundestagswahl 2025: Vorläufige Ergebnisse für NRW – Zweitstimmen (Stand: 24. Februar, 6.15 Uhr*)

SPDCDU/CSUGrüneFDPAfDLinkeBSWSonstige
20,030,112,44,416,88,34,13,8

*Quelle: wahlergebnisse.nrw

Und auch ein Blick über die Landesgrenzen hinaus nach Niedersachsen kann sich lohnen: Spitzenkandidatin Heidi Reichinnek gilt als die Triebfeder des Aufschwungs der Linken. Auf Bundesebene hauchte sie der nach der Spaltung durch Sahra Wagenknecht schon fast totgeglaubten Partei im Wahlkampf neues Leben ein – in ihrem Wahlkreis war sie als Direktkandidatin allerdings weniger erfolgreich. In unmittelbarer NRW-Nachbarschaft kam sie in Osnabrück (Stadt) auf 11,81 Prozent der Erststimmen.

Mehrere Abgeordnete aus einem Wahlkreis ziehen in den Bundestag ein

Derweil zog nicht immer nur ein Kandidat aus einem Wahlkreis in den Bundestag ein. Zwar wurde dieser verschlankt und hat nun nur noch 630 Sitze – Platz genug für einige Abgeordnete, die es nicht über die Erststimme geschafft haben, gibt es aber allemal. So hat beispielsweise Michael Thews das Direktmandat für den Wahlkreis Hamm-Unna II gewonnen. Doch nach der Wahl zieht noch ein weiterer Politiker in den Bundestag ein.

Zudem werden auch drei Kandidaten aus dem Märkischen Kreis im 21. Bundestag vertreten sein.

Drei Kandidaten aus dem Kreis Soest schafften außerdem ebenfalls den Sprung an die Spree: Neben dem Gewinner des Direktmandats, Oliver Pöpsel (CDU) ziehen auch Jens Behrens (SPD) und Ulrich von Zons (AfD) in den neuen Bundestag ein. Jens Behrens erlebte in der Wahlnacht seinen ganz persönlichen Krimi: So eng wie für ihn war es für keinen anderen Kandidaten der NRW-SPD. Bis um 4.20 Uhr musste er bangen, ehe klar war: Das BSW bleibt draußen, er zieht über die Liste ins Parlament. 

Ulrich von Zons ist beileibe nicht der einzige AfD-Abgeordnete aus NRW. Die in Teilen als gesichert rechtsextrem geltende Partei konnte mitunter heftige Gewinne verzeichnen. In Wickede beispielsweise verbesserte sie ihr Ergebnis von 7,7 Prozent auf 21 Prozent. Auch in anderen Wahlkreisen legten die Populisten ordentlich zu. Insgesamt verbesserte die AfD ihr Ergebnis in NRW im Vergleich zur Bundestagswahl auf 16,8 Prozent und holte damit 9,6 Prozent mehr Stimmen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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